Kolumne: Digitale Transformation der IT

Definition of Done

Uhr | Aktualisiert

Die gute Nachricht ist, dass heutzutage jeder auf agil steht. Die schlechte Nachricht ist, dass sich die meisten Organisationen zwar als agil bezeichnen, ohne jedoch zu wissen, was das konkret bedeutet. Was man mit Bestimmtheit weiss, ist, dass man es sich heute schlicht nicht leisten kann, nicht agil zu sein. Und so eignet man sich am besten gleich auch das richtige Wording an, um die Zugehörigkeit zur neuen Welt zu demonstrieren. Eines dieser Begriffe ist das DoD – das Definition of Done. Nicht einfach Akzeptanzkriterien – nein, das klare Bekenntnis dazu, was zum ­Minimum Viable Product (MVP) gehört, nicht mehr und auch nicht weniger.

Nur – wer sagt denn konkret, was alles unter diesem Definition of Done zu verstehen ist. Und aus welcher Sicht ist etwas «Done»? Ist es der Produkt-Owner und das Scrum-Team, die ihr Produkt-Backlog abarbeiten und ihren Codecommit bis zur Auslieferung bereitstellen? Oder ist es das DevOps-Team, das den Code vollständig gemäss DoD testet, paketiert und in die Produktion ausliefert? Oder etwa das Betriebsteam, das dafür sorgen muss, dass die Lösung auch stabil funktioniert. Was ist mit dem Service-Desk-Team, das die verstörten Kundenanrufe entgegennimmt und die übertölpelten Anwender des Produkts beschwichtigen muss? Und was sagt der Security Officer zur Definition of Done? Hat auch der Datenschutzverantwortliche seinen Teil von DoD einbringen können? Oder etwa der Compliance-Verantwortliche? Bestimmt hat auch noch das Architektur-Gremium seinen Input hinsichtlich Definition of Done einbringen können. Was sagen eigentlich die beteiligten Cloud-Provider oder Sourcing-Partner über die Definition von «Done»?

Nun – das ist das Tolle am agilen Vorgehen. Es kann von allen Seiten Input in das Backlog geliefert werden. Letztlich gilt es, die Anforderungen als Ganzes zu beurteilen und das Wichtige vom weniger Wichtigen abzugrenzen und so zu priorisieren, dass es ein MVP und eben nicht überladen wird. «Done» ist so bloss eine inkrementelle Sicht. Aus dieser Optik gibt es nie ein definitives «Done». Es ist sozusagen ein ständig veränderter Zustand, was gerade zum aktuellen Zeitpunkt als wichtig in Bezug zu «Done» betrachtet worden ist. Das ist eben auch agil – was kümmert uns die Anforderung von gestern?

Ich habe eine andere Vision von «Definition of Done». «Done» ist es aus meiner Sicht erst, wenn der Kunde restlos zufrieden und der Mehrwert für das Unternehmen geschaffen worden ist. Alles andere ist nun mal nicht «done». «Done» ist doch mehr als eine halbwegs vollständige Spezifikationsliste. «Done» ist, wenn sich IT und Business in die Augen schauen und sagen können: Wir haben es gemeinsam geschafft!

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