Kolumne: Das Stethoskop

Wettbewerb der Geschäftsmodelle im Kontext des EPD

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von Jürg Lindenmann, Geschäftsführer, Health-IT

Durch die nun amtlich beglaubigte Verzögerung der Einführung des EPD zeigt sich nun auch die Robustheit der Geschäftsmodelle unter den (Stamm-)Gemeinschaften.

Jürg Lindenmann, Geschäftsführer, Health-IT. (Source: zVg)
Jürg Lindenmann, Geschäftsführer, Health-IT. (Source: zVg)

Nein, der Autor hat den Bericht der Eidgenössischen Finanzkon­trolle EFK vom August 2019 nicht gekannt, als er die Kolumne "Durchwursteln statt Durchbruch" in der vorigen IT-for-Health-Ausgabe verfasst hat - da gibt es wohl nichts hinzuzufügen.

Wie abzusehen war, wird für den Aufbau und den Betrieb der (Stamm-)Gemeinschaften die Finanzierung zum Prüfstein ihres Geschäftsmodells. Im Grundsatz funktionieren Geschäftsmodelle nach dem Prinzip "Wertschöpfung gegen Bezahlung". Problematisch im Zuge des EPD ist die Tatsache, dass die eigentliche Wertschöpfung im Sinne des Gesetzgebers letztlich dem Bürger/Patienten zugutekommt, der aber möglichst nichts dafür bezahlen soll, beziehungsweise will. Es stellt sich also die Frage, was die Wertschöpfung der zum Anschluss ans EPD verpflichteten Institutionen ist. Man kann davon ausgehen, dass Spitäler, wenn sie denn durch die Politik nicht anderweitig genötigt werden, auch bei obligatorischen Ausgabeverpflichtungen auf den Nutzen im Sinne einer effizienten, einfachen und kostengünstigen Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben bedacht sind, was ebenfalls einer Wertschöpfung gleichkommt.

Das "welsche" Modell und die private Staatsfirma

Die welschen Gemeinschaften fahren soweit erkennbar ein Geschäftsmodell, das vorsieht, dass der eigentliche Nutzniesser der Wertschöpfung, also der Bürger, via staatliche Finanzierung und Projektierung zu seinem Dossier kommt. Dieses Vorgehen ist konsequent und zielführend, da die Kantone ganz in ihrer etatistischen Tradition über einen gemeinsamen Verband die Verantwortung für die Umsetzung auch in problematischen Situationen übernehmen.

Einige Kantone der Deutschschweiz haben dagegen über ein privatrechtliches Firmengeflecht in ihrem Hoheitsgebiet eine für viele Spitäler nicht ganz freiwillige Vertragsgemeinschaft geschaffen mit Gebühren, Geldflüssen und Leistungen ohne jegliche Transparenz und Möglichkeit zur Einflussnahme durch die angeschlossenen Institutionen. Das unternehmerische Risiko, wie Verzögerungen bei der Einführung oder etwa auch Managementfehler, die immer vorkommen können, wird dabei voll und ganz auf die Kunden abgewälzt. "Non Profit" heisst in diesem Konstrukt nämlich auch eine De-facto-Defizitgarantie durch die Vertragspartner. Wie bei staatlichen Institutionen üblich umfasst die versprochene Leistung nicht Usability, Effizienz und Kundenservice, sondern unter Anwendung des Parkinsonschen Gesetzes zum Bürokratiewachstum primär den Aufbau eines Verwaltungssystems.

Die Gemeinschaft

Der willentliche Zusammenschluss von Institutionen in einem Verein zum Zwecke der gemeinsamen Umsetzung des EPD mit maximalem Nutzen und vernünftigem Aufwand schafft Wertschöpfung und eine Governance mit transparenten Entscheidungsprozessen und Finanzflüssen. Die Gewinnung von (noch) nicht zum EPD verpflichteten Institutionen erlaubt zudem und über das EPD hinaus die gezielte Beförderung der Digitalisierung des Datenaustauschs unter allen beteiligten Leistungserbringern. Die angeschlossenen Mitglieder haben einen direkten Einfluss auf die Usability und die Weiterentwicklung ihrer digitalen Austausch- und EPD-Plattform. Da der Aufbau und der Betrieb mit viel Eigenleistungen der Mitglieder im Konsens bewältigt wird, sind auch Verzögerungen finanziell verkraftbar und können sinnvoll für den Aufbau des Datenaustauschs genutzt werden.

Markt

Der Gesetzgeber gibt kein explizites Geschäftsmodell vor, was impliziert, dass ein Wettbewerb von Angeboten zur Umsetzung des EPD gewünscht beziehungsweise nicht ausgeschlossen wird. In Folge davon haben sich auch rein privatwirtschaftliche Angebote im Markt etabliert, die das EPD und die Gemeinschaftsaufgaben als Service mit transparenten Leistungsbeschrieb und Preisgefüge anbieten.

Der Wettbewerb führt zu transparenten und verbindlichen Preisen, Kundenorientierung und an den Bedürfnissen der Kundschaft ausgerichteten Lösungen. Das unternehmerische Risiko liegt dabei allein beim Anbieter.

Fazit

Das EPD wird irgendwann kommen und es wird sich zeigen, welche Geschäftsmodelle sich in Zukunft zugunsten der Bürger und Leistungserbringer durchsetzen können. Der Start des EPD ist nicht das Ende des Wettbewerbs der Geschäftsmodelle, sondern erst der Beginn.

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