Müllers kleines ABC

L wie laut denken

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(Source: Heavypong / shutterstock.com)
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Theorie: Wer im Alltag laut denkt, kommt nicht überall gut an. Im Usability-Labor hingegen ist das zuweilen sehr gefragt. Dort hat sich die Methode des lauten Denkens (englisch: Thinking Aloud Test) als eines der wichtigsten Instrumente für das praxisnahe Beurteilen von Nutzeroberflächen etabliert.

Realität: In der Praxis läuft das etwa so ab: Eine Testperson wird unter Laborbedingungen damit betraut, eine bestimmte Aufgabe auf einer Website oder mit einer Applikation zu lösen. Dabei soll sie vernehmlich vor sich hin brabbeln, was ihr währenddessen in den Sinn kommt. So erfährt man, was sie denkt, glaubt und erlebt, während sie die Bedienoberfläche nutzt. Das eigentliche Ziel der Übung ist natürlich, ein Bild von den kognitiven Prozessen zu gewinnen, die während der Bearbeitung der Aufgabe ablaufen. Zudem lässt sich damit ein Blick auf die mentalen Modelle der Testperson erhaschen.

Wertvoll ist die Methode auch, weil sie vergleichsweise schnell unverzerrte Informationen zu den Problemzonen einer Nutzeroberfläche liefert. Damit das gelingt, muss die Testperson aber wirklich alles sagen, was ihr durch den Kopf geht - egal, wie unwichtig, unpassend oder peinlich es ihr erscheinen mag. Das ist nicht immer leicht, weil sich ja viele Menschen in Testsituationen automatisch unter Druck gesetzt fühlen, die gestellte Aufgabe möglichst rasch und fehlerfrei zu lösen. Gelingt dies nicht, können sie ziemlich sonderbar reagieren. Oft versuchen sie dann etwa, ihr Gesicht zu wahren, indem sie möglichst nichts von sich geben, was sie als unbeholfen oder begriffsstutzig erscheinen lassen könnte. Das hilft natürlich nicht.

Fazit: Wichtig beim Testen mittels lauten Denkens ist also, eine Vertrauenssituation zu schaffen, in der sich die Testperson niemals scheut, ihre Gefühle, Gedanken, Absichten oder Erwartungen auszusprechen. Gelingt uns dies, erfahren wir rasch und ungefiltert, wo es mit der Maschine harzt. Das freut den Tester, hilft der Kundin und dient bestimmt irgendwie auch dem Weltfrieden.

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