Teilen will gelernt sein
Architekturmodelle, Metadatenstandards, Governance-Frameworks – wenn Politik und Verwaltung über Datenräume sprechen, klingt es kompliziert. Doch der Grundgedanke dahinter ist simpel: Daten zu teilen und mehrfach zu nutzen, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Die Idee ist keineswegs neu. Es gibt ein Bonmot, das man gemeinhin der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916) zuschreibt und das den Sachverhalt treffend beschreibt: "Wissen ist das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt." Das gilt allerdings auch für andere immaterielle Güter und insbesondere für Daten im digitalen Zeitalter. Denn der wahre Wert von Daten entsteht nicht durch ihren isolierten Besitz, sondern durch ihre intelligente Vernetzung. Erst wenn verschiedene Organisationen Datensätze kombinieren, entstehen neue Erkenntnisse, effizientere Prozesse oder innovative Geschäftsmodelle.
Genau hier setzen Datenräume an. Bund, Kantone, Forschungseinrichtungen und Unternehmen arbeiten seit einigen Jahren am Aufbau eines Schweizer Datenökosystems. Ziel ist ein Rahmen, in dem Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Öffentlichkeit Daten sicher austauschen und mehrfach nutzen können.
Warum das wichtig ist, liegt auf der Hand. Technologien wie künstliche Intelligenz, digitale Zwillinge oder personalisierte Medizin funktionieren nur mit grossen und vielfältigen Datensätzen. Kein einzelnes Unternehmen, keine Behörde und keine Universität besitzt sie allein. Wer Daten kombinieren kann, gewinnt neue Einsichten – und wirtschaftliche Dynamik.
Doch schon hier folgt die Ernüchterung. In der Schweiz sind bereits über 100 Data-Sharing-Initiativen aktiv. Trotzdem bleibt der Effekt bisher begrenzt, wie eine Studie der Berner Fachhochschule zeigt. Viele Projekte entstehen in Verwaltung oder Forschung, während Unternehmen deutlich zurückhaltender bleiben. Gleichzeitig fehlt es häufig an interoperablen Datenstandards, an klaren Anreizen für Datenanbieter – und an langfristiger Finanzierung. Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Der Bund kann innerhalb der Bundesverwaltung verbindliche Regeln setzen. Für Kantone und private Akteure gelten solche Vorgaben jedoch höchstens freiwillig. Ein nationales Datenökosystem entsteht so nur bedingt. Es bleibt ein Flickenteppich gut gemeinter Initiativen, die oft aneinander vorbeiarbeiten und in eigenen Silos verharren.
Das bedeutet nicht, dass die Strategie falsch wäre. Im Gegenteil: Die Richtung stimmt. Doch der Aufbau von Datenräumen verlangt mehr als Referenzarchitekturen und Strategiepapiere. Er verlangt funktionierende Datenpartnerschaften, verbindliche Standards, die über einzelne Projekte hinaus wirksam werden, und vor allem: klare Anreize für die Privatwirtschaft. Denn Unternehmen lassen sich nicht durch geflügelte Worte oder ein Plädoyer für die Allgemeinheit beeindrucken – sie erwarten handfeste Vorteile.
Bleiben diese aus, ist die Zurückhaltung der Firmen kaum verwunderlich. Im Prinzip verhält es sich so wie auf dem Spielplatz: Wenn ein renitentes Kleinkind gerade entdeckt, was Eigentum bedeutet, und sich folglich vehement weigert, die Schaukel zu teilen, dann nützen Appelle an Tugend oder Vernunft herzlich wenig. Viel wirksamer ist ein kleiner Deal, der zeigt: Wer teilt, profitiert konkret. Auf dem Spielplatz heisst es vielleicht: die Schaukel gegen den roten Bagger. In der Datenwirtschaft womöglich: Daten gegen Dienste. So oder so: Wer teilen lernt, spielt am Ende mit mehr als nur den eigenen Spielsachen.
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