Deutschland: Ein wenig mehr Wettbewerb bei DSL
Die Deutsche Telekom muss nach einem Entscheid der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) ihre DSL-Leitungen der Konkurrenz für einen monatlichen Mietpreis von 4,77 Euro zur Verfügung stellen. Sie hatte für das so genannte Line Sharing einen Monatspreis in Höhe von 14,65 Euro beantragt. Dem Beschluss der Regulierungsbehörde sind mehrmonatige juristische Auseinandersetzungen vorausgegangen.
Trotz der angeordneten Preisreduktion muss die Telekom aber nicht mit einer Gefährdung ihres Wettbewerbsvorsprungs im Bereich DSL rechnen. Sie bietet ihren Kunden DSL-Verbindungen zu 8,61 Euro an. Die Marge respektive die Differenz zwischen diesem Betrag und den nun dekretierten 4,77 Euro ist zu gering für die Konkurrenz, um auf einen grünen Zweig zu kommen. Sie wird im Massengeschäft weiterhin das Nachsehen haben. Zur Konkurrenz gehört u.a. QSC, deren Chef Bernd Schlobohm in einer ersten Stellungnahme sagte: Obwohl der Line-Sharing-Preis im europäischen Vergleich akzeptabel erscheint, ist der Abstand mit 4,77 Euro zu den DSL-Preisen der Deutschen Telekom in Höhe von 8,61 Euro bei weitem zu gering. QSC werde sich daher weiterhin vorrangig auf den Geschäftskundenmarkt konzentrieren. Derzeit hat das Unternehmen 33000 Privat- und Geschäftskunden. Die Deutsche Telekom hat derzeit rund 2,3 Millionen DSL-Kunden, in der Mehrzahl Privatkunden, unter Vertrag.
Die Reaktion der Telekom auf den Entscheid erinnert an die Rhetorik des Schweizer Monopolisten Swisscom in vergleichbaren Auseinandersetzungen. Die Deutsche Telekom kritisierte den Preisentscheid der Regulierungsbehörde als zu niedrig und nicht Kosten deckend. Mit der Entscheidung werden reine Wiederverkäufer von Telekom-Produkten bevorteilt und unsere Investitionen in die Infrastruktur entwertet, wird ein Telekom-Sprecher zitiert. Und: Die Infrastruktur-Anbieter werden wieder einmal bestraft. Die Telekom lässt nun den Entscheid der RegTP durch ihre Rechtsabteilung prüfen. Ob er angefochten wird, ist noch nicht entschieden.
Line Sharing macht es möglich, dass über eine Telefonleitung gleichzeitig Sprache und Daten unabhängig von einander und von individuell zwei konkurrierenden Anbietern übertragen werden können.
Ebenfalls gestern wurde im Übrigen bekannt, dass die Deutsche Telekom eine drastische Senkung der Dividende plant. Für das abgelaufene Geschäftsjahr sollen nur noch 37 Cent pro Aktie statt bisher 62 Cent gezahlt werden. Der Konzern begründete die Massnahme damit, dass der vorgesehene Verkauf des Fernsehkabelnetzes vorerst gescheitert ist und dass das derzeit schwache Marktumfeld den Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile verzögere.
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