Sunrise und KMU-Netze
© Cash; 2002-01-11; Seite 3; Nummer 2
telekommunikation
Ganz fest im Netz der Swisscom
Der Telecom-Anbieter Sunrise will Geschäftsbereiche aufgeben, wenn die letzte Meile nicht entbündelt wird.
Sunrise prüft einen Ausstieg aus dem Bereich Datennetze für KMU. Der Telecom-Anbieter, hinter der Swisscom Nummer 2 in der Schweiz, leidet unter der schleppenden Liberalisierung in der Festnetztelefonie.
Nicole Kircher
«Es hat gut begonnen, doch letztes Jahr erlitt die Liberalisierung in der Telecom-Branche einen gewaltigen Rückschlag», urteilt ein Branchenkenner. Damit meint er die noch immer fehlende Entbündelung auf der letzten Meile (siehe Box).
Das Bundesgericht hat im November 2001 ein solches Begehren abgewiesen. Swisscom-Konkurrenten haben also weiterhin keine Möglichkeit, den analogen Telefonanschluss (Kostenpunkt: 25 Franken pro Monat) oder den ISDN-Anschluss (43 Franken pro Monat) günstiger anzubieten als Swisscom.
Und auch bei der schnellen Zukunftstechnologie ADSL hat die Swisscom Oberwasser: Der Konkurrenz bleibt nichts anderes übrig, als das Monopolangebot der Swisscom an ihre Kunden weiterzuvermitteln. Auf die Technologie und den Preis für die Nutzung von ADSL hat die Konkurrenz keinen Einfluss.
Bei der Konkurrenz macht sich grosse Ernüchterung breit
Nach dem Aus des Telecom-Anbieters Commcare, der in der Vergangenheit Klagen gegen Swisscom verloren hat, macht sich bei den noch verbliebenen grossen Swisscom-Konkurrenten Ernüchterung breit.
Sunrise, Nummer 2 im Markt mit mehr als einer Million Festnetzkunden, ist als einzige Vollanbieterin (Festnetz, Mobilfunk und Internet) im Massenmarkt verblieben. Und möchte dort auch weiterhin bleiben, wie Kommunikationsleiterin Monika Walser betont: «Passiert in den nächsten sechs Monaten in der Frage der letzten Meile nichts, kann sich bei uns eine Defokussierung im Bereich Datennetze für kleine und mittelgrosse Firmen aufdrängen.»
Im Klartext: Sunrise wird womöglich für kleinere Firmen nur noch bedingt Leistungen erbringen können, «je nach Topologie der Netzwerke». Grotesk: Ausgerechnet dieses Geschäftsmodell galt bei der Liberalisierung der Telecom-Branche als eines der lukrativsten überhaupt. Jetzt zeigt die Realität, dass dem nicht so ist, weil das Geld für diese Leistungen anderswo nicht hereingeholt werden kann.
Ein möglicher Rückzug aus dem Datengeschäft mit kleinen und mittelgrossen Unternehmen (KMU) heizt in der Branche Gerüchte an, Sunrise werde aus Kostengründen bald auch das Privatkunden-Business aufgeben. Kommunikationschefin Walser will davon aber nichts wissen: «Privatkunden werden weiterhin auf ein volles Serviceangebot zählen können.»
Eine breite Strategie kann zum «finanziellen Desaster» führen
Doch die Zeit wird knapp. «Unter den jetzigen Voraussetzungen kann kein grosses Unternehmen neben der Swisscom überleben», sagt ein Branchenkenner. Auch Tele2-Chef Roman Schwarz taxiert den gegenwärtigen Zustand als «absolut unbefriedigend». Sein Unternehmen ist mit 400000 Festnetzkunden die Nummer 3 in der Schweiz. Tele2 könne nur bestehen, «weil wir uns in all den Ländern, in denen wir aktiv sind, klar auf Privatkunden und Kleinunternehmen fokussieren». Zudem ist die Firma schlank organisiert. In der Schweiz stehen gerade mal 140 Personen auf der Lohnliste - inklusive Call-Center.
Bei Sunrise mit 2000 Beschäftigten sieht diese Rechnung anders aus. Zudem verfolgt das Mutterhaus TDC (ehemals Tele Danmark) in Deutschland und der Schweiz unterschiedliche Ziele. Nach einigem Hin und Her machte TDC den geplanten Verkauf von Talkline Mobilfunk und Talkline ID in Deutschland wieder rückgängig. Künftig soll das Mobilfunkgeschäft ausgebaut werden, denn die Festnetztelefonie brachte TDC in Deutschland nie zum Rentieren.
In der Schweiz will der Telecom-Anbieter Sunrise weiterhin all die drei Bereiche Festnetz, Mobile und Internetleistungen anbieten. Ein kostspieliges Unterfangen, wie ein Telecomberater meint: «Eine solch breite Strategi
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