Wurde der Swiss Outsourcing-Deal erkauft?

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Die NZZ am Sonntag erhebt schwere Vorwürfe gegen die Beratungsfirma the sourcing company (TSC): Das Unternehmen habe versucht, beim rund 80 Millionen Franken schweren IT-Outsourcing-Projekt der Swiss doppelt abzukassieren. Nur einige Wochen vor der Mandatserteilung der Swiss an TSC im Oktober 2003 habe das Beratungsunternehmen dem Outsourcer EDS ein zweifelhaftes Angebot unterbreitet: TSC bot EDS gegen eine Kommission von einem Prozent des Auftragsvolumens den "beschleunigten Abschluss des Outsourcing-Vorhabens", berichtet die NZZaS. EDS bereitete zu diesem Zeitpunk bereits zahlreiche IT-Dienste für die Swiss auf. TSC-Chef und -Eigentümer Helmuth Zimmermann verteidigt gegenüber der NZZaS das Vorgehen: "Das Ganze ist eine Schlammschlacht von EDS, die den auf sicher geglaubten Vertrag mit der Swiss nicht erhielt." Ein EDS-Sprecher hingegen gab gegenüber NZZaS bekannt, dass sein Unternehmen den Deal abgelehnt habe, da er nicht der Geschäftsethik entspreche.
Mitte 2004 schrieb die Swiss das Projekt schliesslich aus. Doch trennte sie sich bereist im August 2004, Monate bevor das Projekt zu einem Abschluss kam, vorzeitig von den TSC-Beratern. Zu den Gründen, die zur Trennung führten, wollte Swiss-Finanzchef Ulrik Svensson gegenüber der NZZaS keine Angaben machen. Pikantes Detail an der ganzen Geschichte: Die Mitarbeiter der zweiten Firma Zimmermanns, the sourcing group (TSG), waren seit April 2004 vollständig in den Diensten der Swisscom IT Services. Swisscom IT Services bestätigte gegenüber der NZZaS, dass sie zahlreiche TSG-Mitarbeiter zu 100 Prozent geleast habe. Jene Mitarbeiter würden nach aussen jedoch als Swisscom-IT-Mitarbeiter auftreten, so eine Swisscom-Sprecherin. Zweites interessantes Detail: TSC hat während dieser ganzen undurchsichtigen Geschichte einen Namenswechsel erfahren. Das Unternehmen wurde im Mai 2004 an eine Firma Namens 4U source verkauft, der Name TSC aus dem Handelsregister gestrichen.
Mit dieser wenig transparenten Geschichte um TSC und ihr Tochterunternehmen TSG erhält auch dieser Outsourcing-Deal einen schalen Nachgeschmack. Es stellt sich die Frage, wie vielen anderen Unternehmen TSC ebenfalls ein eindeutig zweideutiges Angebot gemacht hat. Auch in der Gerüchteküche um Swisscom IT Services, der von Konkurrenten immer wieder vorgehalten wird, sie kaufe Outsourcing-Deals mittels nicht kostendeckender Preise, wird mit dem Umstand, dass sie einige ihrer Mitarbeiter von der ehemaligen Swiss-Beratungsfirma gemietet hat, zurzeit nicht weniger heiss gekocht.