Sage-Schweiz-Chef Suter

"Sage profitiert von der Konsolidierung im ERP-Markt"

Uhr | Aktualisiert
von Christoph Grau

Seit Juni vertreibt Sage die Lösung Sage 50 Extra als Abo. Sage-Schweiz-Chef Jean-Jacques Suter erklärt, warum das Unternehmen immer stärker auf die Cloud und das Abo setzt. Er erwartet eine Konsolidierung im Schweizer ERP-Markt.

(Quelle: Netzmedien)
(Quelle: Netzmedien)

Anfang Juni hat Sage bekannt gegeben, dass der Nachfolger von Sage 50, Sage 50 Extra heisst. Die Software basiert auf neuer, mobiler Technologie. Zukünftige Entwicklungen erfolgen auf Sage 50 Extra. Damit einher ging die Umstellung des Bezahlmodells auf Abo.

Sage 50 ist bereits seit mehr als 15 Jahren ein integraler Bestandteil von Sage Schweiz. Hierzulande nutzen momentan über 36'000 KMUs und 2400 Treuhänder das Produkt von Sage, wie Jean-Jacques Suter, CEO Sage Schweiz, sagte. Hinzu kommen noch zahlreiche Partner und angeschlossene Produkte.

Damit sei es "der Standard in der Schweizer Buchhaltung, vergleichbar mit Word in der Textbearbeitung", betonte Suter. Im Gegensatz zu Word gebe es aber deutlich stärkere Abhängigkeiten und es könne nicht so einfach ausgetauscht werden, denn viele Treuhänder und KMUs würden sehr spezialisierte Lösungen verwenden.

Die Cloud kommt immer mehr

"Viele KMUs wissen heute noch nicht, was die Cloud ist, obwohl sie eigentlich schon fast jeder nutzt", sagte Suter. Mit einer neuen Generation von Unternehmern erwartet Suter künftig, in diesem Feld stärker wachsen zu können. Denn die Cloud eröffne viele Freiheiten in der Art zu arbeiten. Der Übergang in die neue Technologie müsse aber sanft erfolgen, betonte Suter. Zur Veranschaulichung zog er dabei das Beispiel eines Autos heran, bei dem Motor und Elektronik ausgetauscht werden, die Karosserie aber erhalten bleibt. Man habe letztlich mehr Möglichkeiten, die vertraute Bedienung bleibe aber die gleiche, sagte Suter weiter.

Die Kunden sollen weiter die Wahl zwischen On-Premise und der Cloud haben. Dabei biete auch die On-Premise-Version mobile Möglichkeiten. So können via App oder Excel-Plug-in, Daten via Cloud abgerufen, Auswertungen erstellt oder via Sage-Treuhand-Portal wichtige Dokumente und Reportings mit dem Treuhänder ausgetauscht werden, betonte Suter.

Beide Welten zusammenbringen

Er ist der Meinung, dass sich On-Premise und die Cloud immer mehr vermischen werden. Viele Unternehmen haben zwar Vorbehalte, ihre Buchhaltung in der Cloud zu machen, wollen die Vorteile der Cloud aber dennoch nutzen. Etwa um Dokumente dort abzuholen und mobil auf sie zuzugreifen.

Hier würden die Vorteile der Cloud konkret, es gebe aber noch viele Hemmnisse auf dem Weg dorthin. Noch seien etwa viele physische Dokumente anzutreffen, und die Digitalisierung bei kleinen Unternehmen lasse auf sich warten. "Das Beste aus beiden Welten zusammenzubringen", ist für Suter der vielversprechendste Ansatz.

"Das Abo-Modell hat sich etabliert"

Sage 50 Extra wird es nur noch als Abo-Modell geben. Bereits wenige Tage nach dem offiziellen Verkaufsstart hat Sage eine grosse Nachfrage verzeichnet, und Suter zeigte sich sehr zufrieden mit der Resonanz. Die Kunden würden das Abo sehr schätzen. Dies liege auch in speziellen Upgrade-Angeboten mit entsprechenden Rabatten begründet, die Bestandskunden unterbreitet würden, sagte Suter ergänzend.

Sage 50 Extra wird es in den Abo-Modellen Bronze, Silver und Gold geben. Für Suter "ist es genau der richtige Zeitpunkt", um das Abo-Modell in der Schweiz zu lancieren. Immer mehr Anwendungen würden mit Abos verkauft, und das Modell finde in der Schweiz zunehmend mehr Anklang. "Inzwischen hat sich das Abo-Modell hier etabliert", zeigte sich Suter überzeugt. Gerade auch in wirtschaftlich harten Zeiten seien Mietmodelle bei KMUs besonders gefragt. Durch die geringeren Anfangsinvestitionen sei die Hürde deutlich geringer, sagte Suter.

Auch bei weiteren Anwendungen von Sage werde das Abo-Modell ausgebaut werden, kündigte Suter an. So werde Sage 200 ERP Extra künftig neben dem traditionellen Lizenzmodell zusätzlich im Abo angeboten. Sage One sei seit jeher auf dieses Bezahlmodell ausgerichtet.

Viele ERP-Anbieter werden verschwinden

Suter ist der Überzeugung, dass sich der Schweizer ERP-Markt in den nächsten Jahren deutlich konsolidieren wird. Noch gebe es in der Schweiz mehrere hundert ERP-Anbieter. Viele sind nur auf sehr kleine Segmente spezialisiert, etwa Schulen. Da vom Gesetzgeber aber immer mehr Auflagen in immer kürzerer Zeit kommen, hätten diese Anbieter oft nicht die Ressourcen, ihre Produkte entsprechend weiterzuentwickeln. Beispielsweise wurden in der Teilrevision der Mehrwertsteuer im November 2014 gewisse Verordnungen beschlossen, die schon am 1. Januar dieses Jahres in Kraft traten. Suter glaubt, von diesem Trend profitieren zu können. Denn Sage habe mehr als 60 Entwickler und könne daher schnell reagieren.

Fusionen sieht Suter aber nicht. "Viele kleine Anbieter werden einfach aussterben", ist er überzeugt. Denn der Einkauf von Technologien ergibt in der Regel keinen Sinn. Dennoch werde es auch weiterhin einen Markt für sehr spezialisierte Anbieter geben, aber nicht mehr so viele wie heute, fügte Suter ergänzend an.

Euro-Schock hatte nur temporäre Auswirkungen

Sage Schweiz ist laut Suter von der Aufhebung der Euro-Franken-Untergrenze nicht sehr stark getroffen worden. Dies liege insbesondere daran, dass die Kunden sehr treu seien und es dadurch wiederkehrenden Umsatz gebe.

Bei der Investitionstätigkeit von KMUs hat Sage aber einen deutlichen Rückgang beobachtet. Vom 15. bis zum 19. Januar, also unmittelbar nach der Ankündigung der SNB, ist keine einzige Bestellung eingegangen. "Der Schock bei den KMUs war riesig", fasst Suter seinen Eindruck zusammen. Für Sage sei der Stopp aber nur temporär gewesen und das Geschäft habe sich inzwischen wieder erholt, betonte Suter. Generell seien aber viele KMUs noch unsicher und würden mit grösseren Investitionen zuwarten.

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