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Paymit und Twint prüfen Zusammenarbeit

Uhr | Aktualisiert
von Christoph Grau

Die Konsortien um Paymit und Twint haben mit Sondierungsgesprächen begonnen. Eine gemeinsame Lösung für die Schweiz könnte entstehen. Noch gibt es aber keine konkreten Entscheidungen.

(Quelle: stock.xchng)
(Quelle: stock.xchng)

Paukenschlag in der Schweizer Mobile-Payment-Szene. Die bisherigen Hauptkonkurrenten Paymit und Twint haben mit Gesprächen für eine Zusammenarbeit begonnen. Wie die Unternehmen mitteilen, beteiligen sich die Schweizer Grossbanken Credit Suisse, Postfinance, Raiffeisen, UBS und ZKB, wie auch Six, Coop, Migros und Swisscom an den Gesprächen.

Im ergebnisoffenen Austausch wollen die Unternehmen die Möglichkeiten für eine "gemeinsame Lösung für digitale Zahlungsverkehrsleistungen in der Schweiz" prüfen. Dabei treffen unterschiedliche Interessen aufeinander. So habe etwa die Post mit der Tochter Postfinance den Auftrag des Bundesrats eine Schweizweite Zahlungsverkehrs-Infrastruktur bereitzustellen. Hingegen haben Six und die Banken eher das Erbringen einer Dienstleistung für ihre Kunden im Fokus.

Offene Lösung angepeilt

Mit den Gesprächen wollen die Parteien daher ausloten, welche "an die schweizerischen Anforderungen angepassten Lösung sinnvoll und notwendig sind". Die Gespräche sollen auch darum gehen, wie ein "mobiles Zahlungssystem kanalübergreifend, flächendeckend und rasch in der Schweiz verbreitet werden kann".

Die mögliche gemeinsame Lösung werde für alle Händler, Banken, Herausgeber von Zahlkarten und andere Marktteilnehmer offen sein. Auch die bestehenden Kundenverträge sollen in die Lösung überführt werden können. Damit sei der Investitionsschutz garantiert, heisst es in der Mitteilung weiter.

Spätestens Anfang Mai wollen die Gesprächspartner über die ersten Ergebnisse informieren. Bis dahin soll die Entwicklung von Paymit und Twint unabhängig von einander weiter gehen.

Kommentar:

Die Bezahllösungen Paymit und Twint verfolgten zunächst unterschiedliche Strategien. Für das Bezahlen mit Twint ist beispielsweise eine eigene Hardware-Infrastruktur nötig, wie sie in Coop-Filialen zu sehen ist. Auch musste bis vor Kurzem das Geld vor dem Bezahlen auf ein Konto aufgeladen werden. Mit der Twint-App kann schon heute in fast allen Coop-Filialen und in zahlreichen Geschäften bezahlt werden.
Paymit hat hingegen mit einer Peer-to-Peer-Lösung gestartet. Damit lies sich zu Beginn nur Geld zwischen Privatpersonen und registrierten Nutzern austauschen. Dafür ist die Lösung technologieneutral. Die Authentifizierung erfolgt über das Scannen eines QR-Codes. Eine Kreditkarte oder Konto der beteiligten Banken kann zudem direkt an Bezahl-App angebunden werden. In den letzten Monaten bauten sowohl Paymit wie auch Twint ihre Bezahllösungen deutlich aus. Dabei näherten sich die Lösungen immer mehr an. So ermöglicht Twint nun auch die direkte Bankanbindung. Kürzlich hat Paymit mit dem Test für das Bezahlen am Point of Sale begonnen und plant dies bald auch auf Ladengeschäfte in der ganzen Schweiz auszurollen.
Vor diesem Hintergrund erscheinen die Gespräche für eine engere Kooperation nur folgerichtig. Insbesondere, da grossen Konkurrenten wie Apple Pay, Samsung Pay oder auch Google Pay bald in der Schweiz starten könnten. Ein grosser Schweizer Player mit starker lokaler Verankerung könnte diesen Unternehmen Paroli bieten.

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