EFK lobt und bemängelt

Fiscal-IT auf Kurs

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Die Eidgenössische Finanzkommission hat den Insieme-Nachfolger Fiscal-IT unter die Lupe genommen. Einiges könnte besser sein. So fehlt etwa ein Risikomanager.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat zum dritten Mal das Insieme-Nachfolgeprojekt Fiscal-IT unter die Lupe genommen. Mit dem Projekt Fiscal-IT soll die Informatik der Eidgenössischen Steuerverwaltung ersetzt werden.

Es könnte teurer werden

Während der vergangenen drei Jahre wurden 42 Millionen Franken in das Projekt investiert. Bis 2018 sind gemäss eines Bundesratsantrags 85,2 Millionen Franken budgetiert, wie die EFK in ihrem Bericht mitteilt. Sie fügt zudem an: Es könnte teurer werden. Die EFK begründet ihre Vermutung mit Mehrkosten für den Aufbau von Infrastruktur und Wissen. Neue Technologien für die Architektur des Systems hätten dies erfordert. Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT), zuständig für die Umsetzung, habe wenig Erfahrung. Das geplante System sei aussergewöhnlich komplex, und die neue IT-Landschaft soll 2019 ihren Betrieb aufnehmen. Doch die EFK schätzt, dass dies möglich sei.

Erste Systeme in Betrieb

Vergangenes Jahr seien bereits erste Applikationen in Betrieb genommen worden. Für Interesse habe die Anwendung zur Mehrwertsteuer-Einreichung gesorgt. Über die Software können Steuerpflichtige ihre Mehrwertsteuerabrechnung eigenständig erfassen. Im Frühjahr dieses Jahres wurde laut dem Bericht das elektronische Formularlese- und Informationssystem (Efim) durch das Nachfolgesystem Mefas (Mehrwertsteuer Fachsystem) abgelöst.

Mefas basiert auf neun Teilsystemen und gilt laut EFK als Bewährungsprobe für die Inbetriebsetzung von komplexeren Releases. Zudem werde der Rollout zeigen, ob das Deployment sowie die Supportstrukturen in der ESTV und im BIT bereits in der Lage seien, dies zu bewältigen. Der Aufbau der neuen Abläufe und Fähigkeiten hierfür sowie der reibungslose Support sind nach Angaben der EFK die grössten Herausforderungen für das Programm. Schliesslich folgen weitere komplexe Applikationen.

Interne Kontrollen könnten besser sein

Lob gibt es für die Anpassung der Projektorganisation. Diese Massnahme sei notwendig geworden, da sich das Projekt nun nicht mehr in Konzeptphase befindet.

Aktuell sind viele Projekte in der Realisierungs- oder Einführungsphase. Das macht die Projekte komplexer. Deshalb wurden die Projekte in drei Gruppen eingeteilt.

Die Anforderungen an das interne Kontrollsystem für die Informatikprojekte sind nur teilweise erfüllt, wie die EFK anmerkt. Es könnte deshalb passieren, dass bei der Betriebsaufnahme der verschiedenen Projekte noch nicht alle Kontrollmassnahmen greifen. Zwar könnten Zugriffsrechte verwaltet werden. Dennoch gebe es Potenzial für Verbesserungen. Etwa beim Reporting-Tool und beim Change Management. Das Programm sei eng geführt. EFK bemängelt, dass die Rolle des Risikomanagers auf Steuerungsstufe, der den Auftraggeber direkt berät, noch immer nicht besetzt ist.

Fiscal-IT, Nachfolger von Insieme

Das Informatikprojekt Insieme sorgt schon seit Jahren für Diskussionen. Öffentlich ausgeschrieben wurde das Projekt bereits 2005. "Insieme" sollte die zwei veralteten Informatiksysteme "Molis" und "Stolis" ersetzen, mit denen die Eidgenössische Steuerverwaltung arbeitet. Ziel wären Einsparungen in Millionenhöhe. Leider gingen diese Pläne bis heute nicht auf. Unter anderem kritisierte die Finanzdelegation der eidgenössischen Räte das IT-Projekt in ihrem Jahresbericht.

Die damalige Vorsteherin des Eidgenössischen Finanzdepartements, Eveline Widmer-Schlumpf, stoppte das Projekt. Bis dahin hatte das Projekt über 100 Millionen Franken gekostet. (gsa)

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