Mini Maker Faire 2017 im Dynamo

Die Maker treffen sich in Zürich

Uhr

Zum zweiten Mal haben sich Selberbauer und Technik-Tüftler an der Zürcher Maker Faire getroffen. Verschiedene Aussteller zeigten ihre Projekte dem auffallend jungen Publikum. Mit Workshops und einem Roboter-Wettkampf konnten Interessierte auch selbst Hand anlegen.

Am vergangenen Wochenende haben sich Erfinder, Handwerker und ein dem Regen trotzendes Publikum zur zweiten Zürcher Maker Faire im Kulturhaus Dynamo getroffen. Rund 40 Aussteller zeigten eine breite Palette von selber entworfenen und gebauten Produkten. In verschiedenen Workshops konnte das Publikum selbst Hand anlegen. Vorträge gaben Einblick in die Tätigkeiten der Maker-Community.

Vom Möbel bis zum IoT-Netzwerk

Das Foyer und der grosse Saal des Dynamo boten zahlreichen Tüftlern aus der ganzen Schweiz Raum, ihre Projekte vorzustellen. Die Architektin Bergit Hillner etwa stellte selbst designte Möbel aus, die sie in ihrer Werkstatt in Zürich zusammenbaut und per Onlineshop zum Verkauf anbietet.

Was in der Freizeit mit aktueller Technik möglich ist, zeigte der Programmierer Radomir Dopieralski. Seine Mini-Roboter, Spielekonsolen und LED-Gadgets setzen auf erschwingliche und leicht zu programmierende Hard- und Software wie die Open-Source-Plattform Arduino.

Ein selbstgebauter Mini-Roboter von Radomir Dopieralski. (Source: Netzmedien)

Verschiedene Schweiz Fablabs – offene Werkstätten, in denen Tüftler auf Geräte und Know How zurückgreifen können – traten an der Maker Faire auf. An ihren Ständen sahen die Besucher Kits, die den Einstieg in die IT-Bastelwelt erleichtern sollen. Auch 3D-Drucker waren omnipräsent und stellten Objekte in allen Farben und Formen her. Vom Modellflugzeug bis hin zum humanoiden Roboter "Inmoov".

Zu sehen waren viele Hobby- und Kleinprojekte, bei denen der Schwerpunkt auf Kreativität, Selbermachen und Zusammenarbeit liegt. Aber auch breiter angelegten Ideen bot die Maker Faire eine Bühne. Schweizer Mitglieder der Community "The Things Network" etwa zeigten ihre Vision eines globalen Internet-der-Dinge (IoT).

Gonzalo Casas von "The Things Network" stellte das Konzept eines offenen IoT-Netzwerks vor. (Source: Netzmedien)

Mit offener Hard- und Software möchte "The Things Network" User zur Mitarbeit an einem Netzwerk animieren, das unabhängig von Mobilfunk und WLAN Daten über grosse Distanzen transoprtieren könne. Gonzalo Casas, Softwareingenieur an der ETH, erwähnte als Anwendungsbereich die Landwirtschaft. Sensoren könnten beispielsweise die Position von Kühen über das selbstgebaute Netzwerk an einen Bauern übermitteln.

Tipps von Tüftlern für Tüftler

Parallel zur Austellung liefen verschiedene Workshops, an denen das Publikum selbst Hand an Lötkolben, Laser-Cuttern und Leiterplatten legen konnte. Wie sich mit einem IoT-Kit verschiedene Daten messen und Roboter steuern lassen, erklärte Marcel Bernet, der ehemalige Präsident des Open-Source-Verbands CH Open.

Schritt für Schritt zur eigenen IoT-Wetterstation ging es mit dem Softwareingenieur Daniel Eichhorn. Er arbeitet beim Zürcher Softwarehersteller Netcetera und trat als Workshop-Leiter und Referent an der Maker Faire auf. Eichhorn zeigte, wie er seine Selbstbau-Kits mit der Hilfe von chinesischen Herstellern in die ganze Welt versendet, und welche Erfahrungen er dabei machte.

Workshops luden zum Ausprobieren, Lernen und Basteln ein. (Source: Netzmedien).

Eichhorn informierte das Publikum über verschiedene Vertriebskanäle vom Versanddienst Send From China bis hin zu Amazon und Ebay. Er gab Hinweise, wie Maker ihre Projekte in Fernost zusammenbauen und verschicken lassen können. Auf dem Weg zum eigenen Maker-Unternehmen seien aber auch Stolpersteine zu berücksichtigen. Anbieter und Plattformen sollten mit Bedacht ausgewählt werden. Generell riet Eichhorn, nicht zu lange zu warten und ein selbst entworfenes Produkt so früh wie möglich als "Minimum Viable Product" auf den Markt zu bringen.

Roboter, Ruhm und Ehre

Ein Höhepunkt der Maker Faire 2017 war der am Samstagabend durchgeführte Roboter-Wettkampf "Hebocon". Im vom japanischen Sumo inspirierten Kräftemessen versuchten selbstgebaute Gefährte, sich gegenseitig aus dem Ring zu drängen. Der "Hebocon" bot nicht nur einen humorvollen Blick auf die momentan heiss diskutierten Themen Robotik und künstliche Intelligenz. Er zeigte auch, wie stark die Faszination für die Technik und der Erfindungsreichtum beim jungen Publikum sind.

Beim "Hebocon" liessen die Teilnehmer ihre Kreationen gegeneinander antreten. (Source: Netzmedien)

Die meisten Teilnehmer des Robo-Ringens waren noch im Schul- oder sogar Vorschulalter. Viele hatten ihre Roboter während der Messe selbst konstruiert und waren mit viel Enthusiasmus dabei. Die Maker Faire machte so deutlich, dass es im IT-Bereich nicht nur ein breites Angebot für Bastler und Erfinder gibt. Inbesondere bei der Jugend ist auch ein grosses Interesse daran vorhanden. Angst vor Technik besteht hier nicht.

Thomas Amberg vom Veranstalter DIY Kultur Zürich ist mit der Maker Faire 2017 sehr zufrieden. Als Highlights erwähnte er neben dem Hebocon eine Schaumwolken-Maschine, ein Do-it-Yourself-Rasenmäher-Roboter, eine automatische Robo-Bar, eine per Laser geschnittene Murmelbahn sowie verschiedene Projekte von Frauen, die in diesem Jahr im Fokus gestanden seien.

Rund 2000 Besucher waren laut Amberg am vergangenen Wochenende im Dynamo. Auf die Frage der Redaktion, ob denn für das nächste Jahr wieder eine Maker Faire geplant sei, gab er eine klare Antwort: "Definitiv!"

Webcode
DPF8_56757