Advanceing 2017

Schweizer Firmen kommen an der IT nicht mehr vorbei

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An der Jobmesse Advanceing suchten Firmen aus der Technologiebranche nach neuen Arbeitskräften. Die Digitalisierung stellt Unternehmen und Mitarbeiter vor besondere Herausforderungen. IT-Fachkräfte sind gefragt.

Rund 800 Besucher kamen laut Veranstalter an die Advanceing 2017. (Source: Netzmedien)
Rund 800 Besucher kamen laut Veranstalter an die Advanceing 2017. (Source: Netzmedien)

Am vergangenen Dienstag fand in Zürich die Jobmesse Advanceing statt. An der Veranstaltung zeigten sich Technologiefirmen, Bildungsinstitute und Personaldienstleister potentiellen Arbeitnehmern aus dem MINT-Bereich (Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker). War sie in der Vergangenheit auf Ingenieure spezialisiert, legte die Advanceing in diesem Jahr zum zweiten Mal den Fokus auch auf ICT-Berufe.

Und das mit gutem Grund, wie ein Rundgang auf der Messe zeigte. Eine breite Palette von ICT-Ausstellern war zugegen. Von mittelständischen Unternehmen wie Noser Engineering über bekannte Schweizer Industriefirmen wie Ems Chemie bis hin zu internationalen Konzernen mit zehntausenden Angestellten wie T-Systems oder EY. Sie alle hatten eines gemeinsam: Sie suchen nach Informatik-Fachleuten.

 

Die Messe bot den Besuchern eine kostenlose Karriere- und Rechtsberatung. (Source: Netzmedien)

 

Auf der Jagd nach IT-Spezialisten

Industrie ohne IT-Fähigkeiten sei heute gar nicht mehr denkbar, machten verschiedene Referenten an der Messe deutlich. "Wir müssen uns mit den digitalen Möglichkeiten auseinandersetzen", meinte etwa David Gemmet, Studiengangsleiter für den MAS Industrie 4.0 an der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS). Allerdings sei vielen Unternehmen nicht klar, was Digitalisierung konkret bedeute.

Gemmet zeigte deshalb Branchen auf, in denen der digitale Wandel bereits im vollen Gange sei, und andere, denen die grossen Veränderungen noch bevorstünden. Etwa Banken, das Gesundheitswesen oder Autofirmen. Für Industrieunternehmen bedeute Digitalisierung in erster Linie die intelligente Vernetzung von Komponenten zu einem neuen Ökosystem. Ideen, die unter dem Begriff "Industrie 4.0" Verbreitung fänden.

 

Um die Stolpersteine der Digitalisierung ging es bei David Gemmet von der FFHS. (Source: Netzmedien)

 

Der Begriff "Industrie 4.0" bereite vielen Führungskräften in KMUs Kopfzerbrechen, sagte Gemmet. Es fehle an ausgebildetem Personal, an Knowhow und an Klarheit über die notwendigen Schritte zum Ziel. An der IT komme die Branche aber nicht mehr vorbei. Neue Berufsbilder und Geschäftsmodelle entstünden. Fazit des Referenten: "Schweizer Unternehmen müssen umdenken und sich transformieren".

Die FFHS präsentierte deshalb ihren Studiengang "MAS/CAS Industrie 4.0". Die Ausbildung zeichne sich durch eine interdisziplinäre Denkweise, Kundenorientierung und Praxisnähe aus, warb Gemmet. Studenten könnten die Probleme ihrer Arbeitgeber in den Lehrgang einbringen und aus verschiedenen Vertiefungen wählen. Zielgruppe seien Berufstätige, die sich berufsbegleitend neue Kompetenzen im Bereich der digitalen Industrie erarbeiten wollten.

 

Mut und Quereinsteiger erwünscht

Dass die Advanceing den Fokus auf Arbeitnehmer legt, die bereits berufstätig sind, bestätigte Lothar Schmidt, Gesellschafter der Dr. Schmidt & Partner Group, die als Personaldienstleister Veranstalter der Messe ist, welche in diesem Jahr bereits zum fünften Mal stattgefunden hat. Wie erwartet mit rund 800 Besuchern.

Viele Schweizer Industriefirmen suchten aktuell nach IT-Fachleuten, sagte Schmidt. Ihnen empfiehlt er, sich bekannt zu machen und sich ein attraktives „Employer Branding“ zu geben. Sie haben laut Schmidt interessante Stories zu erzählen und bieten spannende Aufgaben, die IT-Fachkräfte ansprechen. Nicht jedes KMU könne eine Anziehungskraft wie Google entwickeln, aber mit etwas Mut könnten auch sie "Visionen, die Erfolg versprechen" vermitteln.

Auf die Grösse käme es dabei gar nicht so sehr an. KMUs zeichneten sich oft durch weniger Hierarchien und schnellere Entscheidungen aus. Grossunternehmen könnten sich dagegen jahrelang transformieren, ohne dass es konkrete Resultate gäbe, meint Schmidt.

Auch Quereinsteiger bieten sich laut Veranstalter im MINT-Bereich viele Möglichkeiten. Der Schweizer Arbeitsmarkt sei vergleichsweise offen für Leute, die aktiv nach neuen Herausforderungen und alternativen Arbeitsmodellen suchten. 2018 fände die Advanceing zum sechsten Mal statt: am Dienstag, den 9. Oktober 2018, sagte Schmidt.

 

Verschiedene Schweizer MINT-Unternehmen warben um neue Mitarbeiter, auch Noser Engineering. (Source: Netzmedien)

 

Arbeitnehmer zu halten ist eine Kunst

Auch Denis Druzic "Business-Unit Leiter Projekte" bei Noser Engineering sagte, dass es spannende Projekte brauche, um Ingenieure zum Einstieg ins Unternehmen zu motivieren. Noser Engineering sei heute zum zweiten Mal an der Advanceing und stark daran interessiert, neue Mitarbeitende zu finden.

Die Auftragslage der Firma sei sehr gut, es bestünde allerdings grosse Nachfrage nach Experten, um Projekte professionell umzusetzen, meinte Druzic. Noser suche nicht nur nach erfahrenen Entwicklern mit Mobile-, .net-, Java- und Embedded-Knowhow, sondern kümmere sich auch mit viel Leidenschaft um die Weiterbildung seiner Belegschaft. Erst kürzlich war die ganze Firma gemeinsam für eine Woche für die Weiterbildung auf einem Kreuzfahrtschiff, wie Druzic sagte.

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