Simsa Late Afternoon Talk

Über Online-Doktoren, Kampagnen und ein Universum der Popmusik

Uhr | Aktualisiert
von Nathanael Neuhaus arbeitet in der Kommunikationsstelle der Simsa

Die Sieger der Best of Swiss Web Awards haben am Simsa Late Afternoon Talk über ihre Erfolgsrezepte gesprochen. Die besten Webprojekte des Jahres haben alle etwas gemeinsam: Sie stellen den Kunden und Endnutzer ins Zentrum.

Am Abend des 15. Mai haben die Sieger der Best of Swiss Web Awards 2018 beim Simsa Late Afternoon Talk (Simsa LAT) über ihre Erfolgsgeheimnisse gesprochen. Die Veranstaltung fand wie schon im Vorjahr im Zunfthaus zur Saffran in Zürich statt.

Nach einer kurzen Begrüssung durch Simsa-Vizepräsident Claudio Dionisio wurde auch die anstehende geplante Fusion von Simsa mit Swico kurz thematisiert. Simsa-Präsident Andrej Vckovski plädierte für die Fusion mit dem Wirtschaftsverband der digitalen Schweiz Swico, um der ständig wachsenden digitalen Branche in der Schweiz politisch und gesellschaftlich mehr Gehör zu verschaffen. Auch sollen Synergien für alle Mitglieder der Verbände direkter nutzbar gemacht werden. Am 18. Juni stimmen die Simsa-Mitglieder an der Generalversammlung über die Fusion ab.

Simsa-Vizepräsident Claudio Dionisio (Source: Simsa)

Simsa-Präsident Andrej Vckovski warb für die Fusion des Verbands mit dem Swico. (Source: Simsa)

SBB Relaunch

Es ist an den Simsa LATs fast schon Gewohnheit, dass Christof Zogg, Director Digital Business bei den SBB, eines seiner Projekte präsentieren darf. Nach dem Master of Swiss Apps für SBB Mobile im Jahr 2016 konnte sich der Relaunch von SBB.ch in diesem Jahr den Master of Swiss Web sowie den Sieg in der Kategorie Usability sichern.

Christof Zogg, Director Digital Business bei den SBB (Source: Simsa)

Obwohl heute deutlich mehr Besucher den Fahrplan über die mobile App anschauen und auch Billette bevorzugt über das Telefon gekauft werden, bleibt SBB.ch, nach einzelnen Besuchern bewertet, die wichtigste Website der Schweiz, wie Zogg sagte. Mit der Überarbeitung der Technik und der benutzerfreundlichen und responsiven Neugestaltung hätten die SBB zuvor stagnierende Benutzerzahlen und Absätze im Webshop wieder deutlich steigern können. Mit neuen Angeboten zu Freizeitgestaltung, Mobilität, Ferien- sowie Geschäftsreisen orientierten sich die SBB heute an einem breiten Kundenservice. Ausgeführt wurde das Projekt zusammen mit Unic und Inside Solutions (One Inside).

CSS Herbstkampagne 2017

Roger Oberholzer von Notch Interactive präsentierte als Nächstes sein Siegerprojekt in der Kategorie Business. Er konnte sich ein Schmunzeln in Richtung Christof Zogg nicht verkneifen, denn bereits am Best of Swiss Apps Award 2016 mussten sich Notch Interactive und die MyCSS-App im Kampf um den Master-Titel den SBB geschlagen geben.

Nichtsdestotrotz können bei Notch Auftragnehmer wie Kunde zufrieden sein. Die überaus erfolgreiche Herbstkampagne der Krankenversicherung 2017 führte zu einer Steigerung von 38 Prozent mehr Offerten an Kunden und zu 17 Prozent weniger Krankenkassenwechseln im Vergleich zum Vorjahr. Die gesamte Kampagne war mit datengesteuerten Algorithmen auf unterschiedlichste individuelle Personas ausgelegt, die alle ihren ganz persönlichen "Journey" durchliefen, im echten Leben, aber auch durch ihr Klickverhalten. Insgesamt konnten so über 800 kombinierte Möglichkeiten an Botschaften vermittelt werden, die ihre Wirkung beim Kunden nicht verfehlten, wie Oberholzer betonte.

Online-Doctor-Plattform

Laura Orlando und Dina Dändliker von Dreipol erklärten, wie ihr "Mobile first"-Webprojekt entstanden ist. Auftraggeber waren zwei HSG-Absolventen und ein Dermatologe. Ihr Ziel sei eine Lösung gewesen, mit der Patienten mit Hautproblemen schnell und unkompliziert eine Handlungsempfehlung für ihre Beschwerde erhalten sollten. Gerade bei Spezialisten wie Dermatologen könne es unter Umständen Wochen dauern, bis ein Termin zustande komme und im schlimmsten (oder besten) Fall sei der Ausschlag beim Arztbesuch bereits wieder abgeklungen.

Durch die Triage von akuten und geringen Leiden erspare die Plattform Patienten und Ärzten wertvolle Zeit, wie auch nervenaufreibende Ungewissheit. Anstelle von lästigen Formularen zur allgemeinen Einschätzung des Zustands eines Patienten, setzt die Online-Doctor-Plattform auf ein Conversational UI. Bilder (etwa von einem Hautausschlag) können direkt hochgeladen werden. Der Prozess ist komplett für den mobilen Gebrauch optimiert. Innerhalb von 48 Stunden erhält der Nutzer eine Handlungsempfehlung für sein Hautproblem.

Gemeinschaftliche Informationsplattformen Naturgewalten GIN

Benedikt Heil von Zeix stellte als Nächstes die Informationsplattform GIN vor, Sieger in der Kategorie "Public Affairs" und heute Vorzeigeprojekt in der Konsolidierung von dezentralen und föderalen Informationssystemen.

Im Interview mit Claudio Dionisio erklärte Heil, wie auch bei dieser Website das vorrangige Ziel gewesen sei, den Wünschen von Endnutzer von unterschiedlichen Wetterinformationen weitestgehend entgegenzukommen. Gerade Rettungskräfte in Unwettergebieten oder im Hochgebirge seien oftmals auf eine Vielzahl von unterschiedlichen Indizien und Messungen angewiesen, um zu entscheiden, wie ein Einsatz ausgeführt werden könne. GIN sammle alle relevanten Daten an einem zentralen Ort und stelle diese grafisch dar, sodass Rettungskräfte in der Provinz genauso schnell auf Daten aus ihrer Region zugreifen könnten wie Rettungskräfte bei der Zermatt-Air.

Migros iMpuls Gesundheitsplattform

Auch die Migros verfolgte mit ihrer neuen Gesundheitsplattform iMpuls den Ansatz einer komplett auf die einzelnen Nutzer abgestimmten User Experience. Durch die Integration von bestehenden Migros-Plattformen wie den Migros-Fitnessparks, Famigros oder Migipedia will iMpuls seinen Nutzern ein ganzheitliches Erlebnis eröffnen. Dies reicht vom persönlichen Fitness-Coaching über gesunde Rezepte und Entspannungsübungen bis hin zur aktiven Freizeitgestaltung.

Mark Burow von Namics stellte das Projekt iMpuls vor, das in der Kategorie Marketing gewann. Das Marketingkonzept der neuen Migros-Plattform wurde von der Firma Aperto erstellt und zielt auf ein personalisiertes Erlebnis jedes einzelnen Kunden, wie Burow sagte. Die unterschiedlichen Kanäle des Migros-Konzerns eigneten sich hervorragend für ein breites Cross-Channel-Marketing. Mit personalisierten Videos von iMpuls-Kunden an den in der Website integrierten Volksläufen konnten sich die Nutzer der Plattform direkt und persönlich auf der Website inszenieren und so ihre Bekannten und Freunde auf die neue Gesundheitsplattform aufmerksam machen.

Made Visible

Zum ersten Mal wurden in diesem Jahr an der Award Night von Best of Swiss Web auch der "Goldbach Crossmedia Award" verliehen. Die Gewinner von Farner Consulting, Michael Grunder und Philipp Skrabal, liessen es sich nicht nehmen, am LAT auch ihr Siegerprojekt Made Visible vorzustellen. Die mit öffentlichen Geldern finanzierte Awareness-Kampagne für mehr Sicherheit im nächtlichen Strassenverkehr war für die Kommunikationsagentur Farner ein voller Erfolg.

Mit Made Visible wurde ein eigener Brand ins Leben gerufen, der so funktioniert, dass er nie alleine steht. Durch die Integration von bestehenden Kleidermarken und prominenten Vertretern an Bekanntheit gewinnt er an Bedeutung. Mit einem Video einer skatenden Bulldogge wurde die Kampagne zuerst international zum viralen Hit, bevor auch der Schweizer Markt auf die Kampagne einging. Mit gezielten "non-paid-endorsements" von Schweizer Instagram Influencern wie Christa Rigozzi oder Tamynique konnte die Marke Made Visible in kürzester Zeit einen starken Wiedererkennungswert aufbauen und das Problem der hässlichen Neon-Leuchtwesten im nächtlichen Strassenverkehr durch reflektierende modische Kleidungsstücke unterschiedlichster Marken salonfähig machen. Die Nachhaltigkeit, der Wiedererkennungswert und die Wirkung der Kampagne auf die Verkehrssicherheit waren bereits nach kurzer Zeit messbar.

50 Jahre Schweizer Hitparade

Zum Abschluss des diesjährigen LAT präsentierten Michael Hinderling von Hinderling Volkart und Christian Erni von D1 Solutions ihre Website zur 50-Jahr-Feier der Schweizer Hitparade. Das Projekt gewann an den Best of Swiss Web Awards 2108 in der Kategorie Technology.

Die Website basiert auf den Songdaten von 50 Jahren Schweizer Hitparade, die angereichert wurden mit verschiedenen Attributen wie Tanzbarkeit, Stimmung oder Länge des Titels. Insgesamt entstand so ein Datenbündel von über 10'900 Songs mit insgesamt 4500 Datensätzen. Da eine normale Website diese Menge von Daten nicht darstellen könnte, mussten die kreativen Köpfe bei Hinderling Volkart von Anfang an neue Wege gehen. Heraus kam am Ende eine visuelles musikalisches Universum, durch das sich der Nutzer mit Lichtgeschwindigkeit bewegt und an seinen Lieblingssongs und Erinnerungen aus 50 Jahren Hitparade andocken kann. In unterschiedlichen Darstellungen und Gewichtungen unterstreicht die technisch versierte Webseite vor allem eins: Data is beautiful.

Nach den Vorträgen ging es zum informellen Teil des Abends. Die durch die Vorträge intellektuell gesättigten Gäste konnten beim Apéro Riche im Anschluss auch ihren Hunger stillen und den Rest des Abends zum Networking und Austausch nutzen.

Webcode
DPF8_92711

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