Fokus: Managed Services

Neue Chancen dank den Hyperscalern

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von Hanspeter Gehring

Die grossen Cloud-Anbieter kommen ab 2019 mit ihren Services in die Schweiz. Was bedeutet das für die lokalen ­IT-Infrastrukturanbieter, Integratoren und Unternehmen? Eine Vielzahl neuer Möglichkeiten, wenn sich die Anbieter das passende Wissen über Lösungsdesign und Vernetzung aneignen.

Hanspeter Gehrig, ProductManagement B2B, Green. (Source: ZVG)
Hanspeter Gehrig, ProductManagement B2B, Green. (Source: ZVG)

Für die Benutzer bedeutet der Markteintritt von Megacloud-Anbietern/Hyperscalern wie Amazon (AWS), Microsoft (Azure) oder Google (Google Cloud) erst einmal eine breitere Auswahl an Services auf höchstem Niveau. Die Qual der Wahl hat aber auch ihre Schattenseiten: Wenn zu viele Services und Provider in eine hybride Architektur eingebunden werden müssen, verkompliziert dies das Management. In der Beratung und im Lösungsdesign eröffnen sich deshalb für Systemintegratoren neue Geschäftsmodelle. Den hiesigen Infrastructure-as-a-Service(IaaS)-Anbietern ihrerseits bietet sich mit einfach handhabbaren Lösungen eine Möglichkeit, ihre lokalen Services von den Megacloud-Angeboten der neuen Konkurrenz zu differenzieren.

Mega oder nicht mega: Welche Cloud passt?

Angesichts der Vielfalt der Nutzerbedürfnisse gibt es auf die Frage nach dem idealen Lösungsdesign keine allgemeingültige Antwort. Bei der Umsetzung einer Cloud-Strategie sollte man sich zunächst bewusst werden, welche Applikationen und Dienste bereits aus der Cloud bezogen werden. Danach gilt es, die eigene IT – das heisst Systeme, Daten und Netzwerkzugänge – nach dem jeweiligen Sicherheitsbedürfnis zu segmentieren. Ist diese grundlegende Arbeit getan, kann mit der eigentlichen Suche nach geeigneten Cloud-Angeboten begonnen werden. Dabei kann unter Umständen auch der Betrieb lokaler Server weiterhin Sinn ergeben.

Die Plattformen der Hyperscaler sind vor allem dann geeignet, wenn die Zuweisung von Rechenleistung automatisch geschehen soll. Zwar ermöglichen auch viele lokale Provider Ressourcenskalierung, diese muss aber meist manuell vorgenommen werden. Tatsächlich werden es vor allem Unternehmen mit einer gut ausgestatteten IT-Abteilung sein, die sich der IaaS-Angebote der Hyperscaler bedienen. Für die meisten KMUs ist das Aufsetzen einer virtuellen Infrastruktur in den Megaclouds mit der Vielzahl an Einstellungen und Optionen für Server, Disks, LAN und Connectivity hingegen zu komplex. Hier leisten externe Dienstleister wie Systemintegratoren wertvolle Hilfe beim Aufsetzen, dem Betrieb und dem Support.

Vernetzung von Hyperscalern benötigt spezielles Know-how

Die Gestaltung der Vernetzung der einzelnen Architekturkomponenten hängt von der benötigten Bandbreite und Latenz ab. Noch hat hierzulande nur eine kleine Anzahl Anbieter spezialisierte Erfahrung in der Einbindung von Hyperscalern. Da sich deren Rechenzentren im Ausland befinden, haben auch nur wenige Anbieter – vornehmlich Datacenter-Betreiber – schon heute Verbindungen zu den Megaclouds im Angebot.

Eine spezielle Art der Anbindung an die Megacloud mit besonders geringer Latenz stellt die Colocation im selben Rechenzentrum mit Direktverbindung zum entsprechenden Hyperscaler dar. Solche Angebote stammen in aller Regel nicht vom Cloud-Anbieter, sondern vom Betreiber des Rechenzentrums, wo der Hyperscaler sein Angebot unterhält. Ob solche Services mit dem Markteintritt der Hyperscaler auch in der Schweiz angeboten werden, bleibt abzuwarten.

Noch verfügen nicht alle hiesigen Anbieter über umfangreiches Know-how für die Verwendung und die Einbindung von Hyperscaler-Services. Sie sollten sich jetzt mit den Möglichkeiten der Megacloud vertraut machen und entscheiden, auf welches IaaS-Angebot sie fokussieren, um sich selbst nicht im riesigen Angebot zu verzetteln.

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