Thomas Malone an der Uni Zürich

Wie die Digitalisierung Mensch und Maschine zum Supergehirn vernetzt

Uhr | Aktualisiert

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Das schafft ökonomische Chancen, löst aber auch Ängste vor Jobverlust und Konkurrenzdruck aus. MIT-Professor Thomas Malone zeigte an der Uni Zürich seine Vision einer intelligenten Partnerschaft von Mensch und Maschine.

Thomas Malone, Professor für Management am Massachusetts Institute of Technology, sprach in der Aula der Universität Zürich. (Source: Netzmedien)
Thomas Malone, Professor für Management am Massachusetts Institute of Technology, sprach in der Aula der Universität Zürich. (Source: Netzmedien)

Was ist eigentlich das Revolutionäre an der Digitalisierung? Ist es die künstliche Intelligenz, die Automatisierung oder gar die Blockchain? Nein, sagte Thomas Malone, Professor für Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT), vergangene Woche an der Uni Zürich. Seiner Meinung nach findet die digitale Transformation weniger in der Technologie als in der Gesellschaft statt. In Zukunft würden Menschen und Computer nämlich zusammen "Superminds" (Supergehirne) bilden.

Superminds, das sind laut Malone Gruppen von Menschen, die gemeinsam an der Lösung von Problemen arbeiten. Das sei grundsätzlich nichts neues. Superminds trieben die Welt bereits seit langer Zeit an - mit ganz unterschiedlichen Resultaten. Was sich in den vergangenen Jahren geändert habe, sei die Vernetzung der Menschen mittels digitaler Technik. "Hyperconnectivity" nannte Malone das.

Computer hätten die Superminds also stark verändert, das habe sich aber nicht nur positiv ausgewirkt, sagte Malone. Die Herausforderung bestehe deshalb darin, Computer so in die Mensch-zu-Mensch-Interaktion zu integrieren, dass die Gruppe am Ende bessere Entscheidungen treffe.

Gemeinsam intelligenter

Wie das gehen könnte illustrierte der Forscher anhand von mehreren Beispielen. Im "Good Judgement"-Wettbewerb hätten per Internet zusammengeführte Internet-User am Ende bessere Vorhersagen über die Zukunft getroffen, als Geheimdienst-Profis. Sogenannte "Prediction Markets" könnten nach dem Prinzip von Online-Wettbörsen Ereignisse recht zuverlässig vorhersagen. Und im "Human Diagnosis Project" werde versucht, die Qualität medizinischer Diagnosen mittels Machine Learning zu verbessern.

Für Unternehmen sei das Prinzip der Mensch-Maschine-Superminds in der Strategiefindung interessant, sagte Malone. Statt Business-Entscheidungen in Sitzungen auf der Chefetage zu treffen, könnten Firmen dereinst Ideen-Wettbewerbe unter ihren Mitarbeitern veranstalten und deren Auswirkungen mittels Big Data testen. Eine Art "Cyber-Human Strategy Machine" könnte die Planung des Geschäfts unterstützen.

Maschinen und Menschen als Partner

Was bedeutet die zunehmende Mitarbeit von Computern für unsere Arbeitswelt? Malone sieht der Entwicklung gelassen entgegen. Künstliche Intelligenz (KI) sei bei ganz spezifischen Aufgaben stark, für andere werde der Mensch aber auf absehbare Zeit unentbehrlich bleiben. Generell neigten die Menschen dazu, die Fähigkeiten von KI zu überschätzen. Seit einem halben Jahrhundert prophezeiten Wissenschaftler, dass Computer in 20 Jahren so intelligent wie Menschen seien, sagte Malone. Ob die aktuellen Prognosen richtig liegen, müsse sich also erst noch zeigen. Die Wirkung der Hyperconnectivity - namentlich des Internets - auf unser Leben werde dagegen unterschätzt.

Eine langfristige Massenarbeitslosigkeit durch die Automatisierung hält Malone deshalb für unwahrscheinlich. Wie in der Geschichte mehrfach geschehen, werde technische Innovation auch im digitalen Zeitalter Jobs, Geschäftsmodelle, Effizienzgewinne und dadurch unter dem Strich mehr Wohlstand schaffen. Trotzdem könne es Verlierer geben, räumte Malone ein. Um Menschen, die durch die vierte industrielle Revolution in ihrer Existenz bedroht würden, müsse sich die Gesellschaft kümmern. Staat und Unternehmen seien gefordert, in ihre Ausbildung zu investieren, ihnen neue Arbeit zu verschaffen und die sozialen Folgen der Digitalisierung abzufedern.

Maschine und Mensch seien keine Rivalen, sondern Partner, war Thomas Malone überzeugt. Wenn beide Seiten es schaffen, ihre Stärken und Fähigkeiten auf die richtige Weise zu vernetzen, könnten wir am Ende nicht nur intelligente, sondern auch kluge Entscheidungen treffen.

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