IT-Management

Wie die Sourcing-Strategie Agilität im Gesundheitswesen schafft

Uhr | Aktualisiert
von Christian Hitz, Leiter der Fachstelle IT-Strategy and Management an der ZHAW

Die ZHAW hat für ein Studentenprojekt 32 IT-Organisationen von Spitälern zu ihrer Sourcing-Strategie befragt. Dabei kam heraus, dass die richtige IT-Strategie die Agilität und das Leistungspotenzial steigern kann. Es kommt dabei aber auf den Sourcing-Mix an.

Christian Hitz, Leiter der Fachstelle IT-Strategy and Management an der ZHAW (Source: zVg)
Christian Hitz, Leiter der Fachstelle IT-Strategy and Management an der ZHAW (Source: zVg)

Die Digitalisierung habe unlängst das Gesundheitswesen erreicht, sagen verschiedene Studien. Die Herausforderungen einer Spital-IT sind längst bekannt, denn Automatisierung war im Spital weit früher ein Thema als in manch anderer Branche. Die ersten Computer kamen in den späten 1950er-Jahren in Spitälern in den USA zum Einsatz. Pionier-Spitäler nutzten damals Computer, um erste Applikationen zu erstellen. Zwischen 1958 und 1959 untersuchte der Computer-Visionär John Diebold in einer Machbarkeitsstudie erstmals den Einsatz von Computern in der Krankenhausdatenverarbeitung.

IT für Spitäler ist komplex

Digitalisierung ist also definitiv kein neues Thema für das Gesundheitswesen. Allerdings verändern sich die Einflussfaktoren und Treiber des Gesundheitswesens ständig. Ein Spital betreibt ein komplexes Geschäftsmodell, was die Bereitstellung von IT nicht einfach macht. Die IT eines Spitals erbringt Leistungen für Anspruchsgruppen, die fachlich wie kulturell unterschiedlicher nicht sein könnten. Mit einer Welle der Auslagerung von einzelnen Services glaubte so manches Spital, die Komplexität abfedern zu können. Gleichzeitig steigen die Erwartungen bei allen Beteiligten, vor allem was den Preis der Leistung anbelangt.

Weitere Artikel zum Thema IT-Management finden Sie im Dossier der Netzwoche 17/2018.

Von der Rezeption über die Abrechnung bis zu den Gerätschaften im OP wird alles technischer. Ein Fakt, der manches Spital dazu bewegt, sich mit Beschaffungs- und Outsourcing-Strategien zu beschäftigen. Genau dies war Gegenstand des Forschungsprojektes einer Master-Arbeit an der ZHAW. Befragt wurden 32 IT-Leiter von Spitälern in der Deutschschweiz. Davon gaben nur 62 Prozent an, überhaupt eine IT-Strategie zu haben. Gerade kleinere Spitäler befassen sich mangels kritischer Grösse überhaupt nicht mit dem Thema. Beim Vorhandensein einer Sourcing-Strategie als Teil einer IT-Strategie schlägt sich denn auch die Grösse des Unternehmens nieder. Und bei Spitälern, die eine Sourcing-Strategie haben, gibt es bei 20 Prozent ein Backsourcing. Der Sourcing-Partner kann die Erfüllung des Leistungsauftrags oft nicht zufriedenstellend gewährleisten. Grosse Unternehmen verzichten auch bewusst auf eine Sourcing-Strategie, weil die bestehende Organisation eine solche Option gar nicht zulässt.

Ungenügender Expertise soll mit Sourcing-Strategie begegnet werden

Zusätzlich zu den unternehmerischen Einflussfaktoren gibt es zu viele technologische IT-Trends und unterschiedliche Leistungsfaktoren, welche die IT-Organisationen berücksichtigen müssen, um ihren Wertbeitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten oder als Business-Enabler zu wirken. Befragt nach diesen Enabling-Faktoren wird klar, dass ein Hauptgrund für eine Sourcing-Strategie die fehlende Expertise in den vielen gefragten Disziplinen darstellt. Zu vielseitig gestaltet sich das Anwendungsgebiet einer Spital-IT.

Ein Teufelskreis tut sich auf. Der technologische Wandel bietet zwar wertvolle Hilfestellungen, er gibt aber auch das Tempo von Geschäftsprozessen vor und erhöht die Komplexität. Dies wirkt sich auf IT-Organisationen aus. Sie müssen ihre Produkte und Dienstleistungen immer schneller und flexibler erbringen. Auch die Spital-IT muss ihre Wertschöpfungsaktivitäten agiler ausrichten. Gerade bei den agilen Faktoren sahen die Befragten mit durchschnittlich 36,4 Prozent über alle Enabling-Faktoren ein sehr grosses Potenzial im Vorhandensein einer Sourcing-Strategie.

Erstaunlich ist die Einschätzung der Kosten. Die Befragten wollen mit ihrer Sourcing-Strategie nicht primär Kosten sparen. Das höchste Potential wird der Effizienzsteigerung sowie der Beherrschung des technologischen Wandels beigemessen. Dabei spielen auch agile Faktoren eine bedeutende Rolle. Die Studie hat gezeigt, dass Potentiale im Gesundheitswesen brach liegen und mit verhältnismässig einfachen Massnahmen realisiert werden könnten. Die richtige Gewichtung der Ziele scheint unumgänglich zu sein. Erfolgreiche Umsetzungen zeichnen sich dadurch aus, dass ein guter Mix zwischen eigener Organisation und gut eingebundenem Sourcing-Partner stattgefunden hat. In diesen Fällen wurde eine gute Sourcing-Strategie zum Schlüssel für mehr Flexibilität und mehr Effizienz.

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DPF8_114392

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