Wir zahlen keine Löhne in Bitcoin

Wie die Krypto-Szene auf unseren Aprilscherz hereinfiel

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Nein, die Netzmedien werden keine Löhne in Bitcoin auszahlen. Viele Medien fielen trotzdem auf unseren Aprilscherz rein. Ein Überblick.

Quelle: Screenshot von news.google.com
Quelle: Screenshot von news.google.com

"Die Netzmedien zahlen neu alle Löhne in Bitcoin aus" - diese Meldung hat die Redaktion am 1. April publiziert. Sie war absichtlich so formuliert, dass es fast nicht möglich war, den Aprilscherz nicht zu erkennen. Es gab gleich mehrere Hinweise:

  • 30 Mitarbeiter eines Verlags beschliessen einstimmig, ihre Löhne in Bitcoin zu beziehen - wie realistisch ist das?

  • Verleger Heinrich Meyer sagt, dass die Netzmedien einen "Added Value" in Bitcoin einbauen wollen. Dafür müsste der Verlag Bitcoin "forken" und den Quellcode selbst weiterentwickeln.

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Schweizer Verlag bis 2022 die Hälfte seiner Aktiven in Blockchain-Währungen umwandelt?

  • Die Mitarbeiter sollen ihren Lohn auf Wunsch bald auch in Jesus Coin beziehen können. Welches Unternehmen zahlt Löhne in Form eines Satire-Coin aus?

Etliche internationale Medien und Krypto-Blogs verstanden diese Hinweise aber nicht und griffen den Text trotzdem auf. Hier einige der Artikel:

Newsbtc.com

"Swiss Media Giant Dumps Fiat To Pay Wages in Bitcoin" (offline)

Newsbtc.com entdeckte den Scherz zuerst und bezeichnete unseren Verlag als "Swiss Media Giant" - Danke für das Lob! Das Portal fügte neue "Fakten" hinzu: Die Netzmedien würden ihre Publikationen ab Mitte 2019 auch gegen Bitcoin verkaufen. Ohne diese danach in klassische Fiat-Währungen umzutauschen, so wie es viele andere "Online Merchants" handhaben. "Die Netzmedien treten offenbar als Spekulant in den Bitcoin-Markt ein", hiess es im Artikel. Und was machte das Portal, als es den Aprilscherz bemerkte? Es nahm den Artikel kommentarlos vom Netz.

Btcwires.com

"Netzmedian, A Swiss Publishing House To Pay Wages In Crypto"

Auf btcwires.com hiess unser Verlag plötzlich nicht mehr Netzmedien, sondern Netzmedian. Auch hier steht im Artikel, dass die Netzmedien ihre Publikationen ab Mitte 2019 auch gegen Bitcoin verkaufen. "Es scheint, als ob das Team der Netzmedien vom lang andauernden Bärenmarkt nicht tangiert ist", heisst es im Artikel. "Their crypto aspirations are stronger than ever."

Coinrevolution.com

"Swiss Company Pays Staff in Bitcoin & more"

Auch Coinrevolution.com griff den Artikel auf. Die News war kurz und knackig, enthielt aber einen Fehler: Laut dem Portal sind die SBB, die wir in der Originalmeldung auch erwähnten, eine Bank. Dafür erstellte das Portal noch folgende Grafik:

Quelle: Screenshot von coinrevolution.com

Forexcrunch.com

"Switzerland-based media giant are looking at full migration to Bitcoin (BTC)"

Investing.com

"Switzerland-based media giant are looking at full migration to Bitcoin (BTC)"

Laut forexcrunch.com sind die Netzmedien "scharf darauf, ihre operativen Kosten auf Bitcoin umzulagern". Der Verlag plane eine "vollständige Migration auf Bitcoin und Kryptowährungen". Fast der gleiche Wortlaut fand sich auch auf Investing.com.

U.today

"Bitcoin News - Swiss Media Giant Now Pays Its Employees in Bitcoin"

U.today bezeichnete unseren Verlag als "Switzerland-based media behemoth" (Medien-Gigant) und sprach von einer Wette auf Bitcoin.

Coincierge.de

"Schweizer Mediengigant Netzmedien zahlt Löhne in Bitcoin"

Im Artikel von coincierge.de finden sich kuriose Sätze wie "Die zinsbullische Tendenz des CEO folgt auf einen berüchtigten Kryptowährungscrash, bei dem der aufstrebende Markt in über einem Jahr ein Drittel seiner Bewertung verlor." Die Redaktion fragt sich, ob ein schlechter Bot diesen Artikel verfasst hat.

Blockchain-hero.com

"Schweizer Medienhaus Netzmedien AG bietet Gehalt in Bitcoin (BTC) an"

Für blockchain-hero.com sind die Netzmedien "ein bedeutender Teil der Schweizer Medien". Der Verlag werde die Mitarbeiter "in mehreren Monaten oder Mitte 2019" in Bitcoin bezahlen. In unserer Originalmeldung stand eigentlich unmissverständlich: "ab heute". "Es mag nicht völlig überraschen, dass die Netzmedian AG in Bezug auf die Kryptowährung optimistisch ist, wenn man bedenkt, dass sie ihren Sitz in der Schweiz hat", schreibt blockchain-hero.com. Schliesslich würden viele die Schweizer Stadt Zug als “Crypto Valley” betrachten. Das Portal machte "Fabian Poschl" zudem zum Chefredakteur der Netzmedien und bezeichnete unseren wirklichen Chefredaktor Marc Landis als "Top-Manager des Unternehmens".

Thenextweb.com

"No, a Swiss media ‘giant’ is not paying salaries in Bitcoin"

Thenextweb.com fiel zwar nicht auf unseren Aprilscherz rein, fand ihn aber gar nicht lustig. Der Humor sei "tonedeaf" und es sei nicht richtig, dass ein Medienunternehmen in der Fake-News-Ära eine Fake-News-Kampagne lanciere. Dass so viele Newsportale darauf reinfielen, sei noch weniger richtig, so Thenextweb.com.

Und hier noch weitere Artikel:

Crypto-economy.net:
"Los empleados de la editorial suiza Netzmedien AG prefieren cobrar en Bitcoin"

Kryptoszene.de:
"Schweizer Verlag bezahlt Angestellte mit Bitcoin – Aprilscherz, aber…!"

Coingape.com:
"April Fool’s Day Bitcoin Joke By Swiss Media Giant Excites Crypto Market"

Cryptonewsz.com:
"Swiss Media Giant Netzmedien AG Decides to Pay Employees in Bitcoin"

Assodigitale.it:
"Swiss Media Giant sceglie di pagare gli stipendi in Bitcoin, aumentando l’adozione crittografica"

Ambcrypto.com:
"Netzmedian pulls April Fools’ Day prank; will not pay its employees in Bitcoin"

Br.cointelegraph.com:
"Gigante editora suíça, Netzmedien começa a pagar salários em Bitcoin" (offline)

Koinbulteni.com:
"İsviçreli Medya Devi, Maaşları Bitcoin ile Ödeyecek"

Koinbox.net:
"İsviçreli Medya sirketinden Bitcoin hamlesi"

Zwei Krypto-Portale und ein Krypto-Dienstleister fragten sogar auf der Redaktion nach und baten um ein Interview. Lobenswert!

Übrigens: Die Netzmedien lösten ihren Aprilscherz rund 24 Stunden nach der Publikation auf, wie Sie zum Beispiel auf dem ICTjournal nachlesen können.

Webcode
DPF8_133852

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