Marktbericht: Managed Security Services

Warum es Security-Anbieter freut, dass Firewalls nicht mehr genügen

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von Coen Kaat

Die Gefahren für die IT von Unternehmen nehmen jeden Tag zu. Firewalls und andere klassische Ansätze sind der ­Bedrohungslage immer weniger gewachsen. Eine gute Ausgangslage für das wachsende Geschäft mit Managed Security ­Services – wenn es da nicht ein paar Hürden gäbe.

(Source: James Thew / Fotolia.com)
(Source: James Thew / Fotolia.com)

Ende 2018 sollen Unternehmen weltweit insgesamt rund 114 Milliarden US-Dollar für IT-Security ausgegeben haben. Ein Wachstumsmarkt, wie die Analysten des Marktforschers Gartner vorhersagen. Im Vergleich zum Vorjahr sollen die Ausgaben um 12,4 Prozent zulegen. Und bis Ende 2019 um weitere 8,7 Prozent auf 124 Milliarden Dollar.

Rund ein Viertel der Ausgaben entfallen gemäss Gartner bereits auf Managed Security Services (MSS). Ein Teilmarkt, der allein schon sehr stark in den nächsten Jahren wachsen soll. Gemäss den Marktanalysten von Marketsandmarkets werden die Ausgaben für MSS sogar noch stärker als der Gesamtmarkt zulegen. Die Analysten rechnen für den Zeitraum von 2018 bis 2023 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 14,7 Prozent. In fünf Jahren soll der Markt dann auf ein Volumen von 47,7 Milliarden Dollar geklettert sein.

"Das Geschäft mit MSS nimmt stetig zu, auch in der Schweiz", sagt Miro Ljubicic, Leader des Cyber Defence Competence Center EMEA von NTT Security. "Wir haben in der Schweiz diverse hochvernetzte Schlüsselbranchen, wie etwa das Finanzwesen, die Chemie- und Pharma­industrie oder der Maschinenbau, die sowohl über den Bedarf als auch die Investitionsmittel verfügen, um den Cybergefahren zu begegnen."

Managed Security als Antwort auf mangelnde Security

Unternehmen müssen sich gemäss Ljubicic zunehmend mit Risiken auseinandersetzen, obwohl die IT-Budgets schrumpfen. Früher dämmte man die IT-Risiken mit immer mehr IT-Hardware ein. Doch die Zeiten, in denen einige Firewalls, Anti-Viren-Clients und Back-ups ausgereicht hätten, seien lange vorbei, sagt Ljubicic. Denn den heutigen Bedrohungen wie Advanced Malware, Ransomware, Industriespionage und die hochgradig organisierte Cyberkriminalität könne nur durch eine ganzheitliche und hochwertige Lösung begegnet werden.

"Wo Ressourcen oder Know-how fehlen, sind Managed Security Services sicher eine interessante Option", sagt Mark Stäheli. Der Co-CEO des Zürcher IT-Dienstleisters Avantec sieht jedoch auch potenziellen Hürden, die der Realisierung der goldenen Prognosen der Marktforscher im Weg stehen könnten. "In den neuen Lösungsbereichen braucht es Geduld, bis sich diese Themen auf breiter Front durchsetzen", sagt er. "Viele Unternehmen wollen ihre sicherheitskritischen Systeme weiterhin selbst betreuen." Zudem seien die Kosten für MSS-Lösungen vergleichbar mit anderen Modellen. Mit dem Argument des Preises lässt sich folglich kein IT-Leiter von einem potenziellen Dienstleister überzeugen. "Zu guter Letzt dürfte die Rekrutierung von entsprechendem IT-Personal auch für MSS-Betreiber nicht einfach sein", sagt Stäheli.

Auch Ljubicic sieht den Fachkräftemangel als die wohl grösste Herausforderung für MSS-Anbieter – und auch für die IT-Branche als Ganzes. "Unsere Kunden suchen nach den besten Talenten für ihre tendenziell schrumpfende interne IT und Anbieter suchen die besten Talente für einen wachsenden MSS-Markt", sagt er. "Entsprechend stark umworben werden die Fachkräfte."

Das Problem des Vertrauens könne müsse man derweil mit einer klaren und offenen Kommunikation angehen. "IT-Sicherheit ist ein derart sensibles Thema, dass viele Unternehmen immer noch zögern, die Leistungen externer Partner in Anspruch zu nehmen", sagt er. "Hohe Transparenz, hochwertige Services, verständliche Service-Level-Agreements (SLA) und die Darstellung der Erfolge bestehender Kunden sind die wichtigsten Aspekte, die MSS-Anbieter dabei kommunizieren können."

Kritische Masse für ein Stück Kuchen

Eine Investition in die IT-Security lohne sich jedoch, denn die Cyberabwehr sei immer weniger eine rein reaktive Massnahme. "Sie wird vielmehr zum Enabler, damit Unternehmen störungsfrei am Markt agieren können", sagt Ljubicic. MSS spiele dabei eine zentrale Rolle. Entsprechend wachse auch der Bedarf an zuverlässigen und umfassenden MSS-Lösungen.

Wer sich ein Stück dieses Kuchens abschneiden will, braucht gemäss Stäheli von Avantec eine gewisse kritische Masse an Kunden und Dienstleistungen, die angeboten werden können. "Zudem sollte man sich zunächst auf ein überschaubares Portfolio von Lösungen fokussieren und dafür eine hohe Servicequalität anbieten können", sagt er. Der erfolgreiche Ausbau von neuen zusätzlichen Services und die dafür erfolgreiche Marktbearbeitung dürften dann für den kommerziellen Erfolg entscheidend sein.

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