Debatte um Mobilfunk

5G – Neues mit Umsicht wagen

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von Peter Grütter, Präsident, Asut

5G erhitzt zurzeit die Gemüter. In der Debatte vermischen sich Wahres und Falsches, diffuse Gesundheitsbedenken und grundsätzliche Kritik am Tempo der Digitalisierung. Dabei droht auf der Strecke zu bleiben, was die Schweiz seit Beginn der Industrialisierung zur Erfolgsgeschichte gemacht hat: ihr Pioniergeist im Umgang mit technologischen Neuerungen.

Peter Grütter, Präsident, Asut. (Source: privat)
Peter Grütter, Präsident, Asut. (Source: privat)

Ihrem Pioniergeist im Umgang mit dem technologischen Fortschritt verdankt die Schweiz ihren Wohlstand, einen für ein kleines Land beneidenswerten Rang im globalen Standortwettbewerb und, unter anderem, eine sichere Stromversorgung, eine Top-Verkehrsinfrastruktur und eines der leistungsfähigsten Gesundheitswesen der Welt.

Dass dem so ist, hat jedoch nicht allein damit zu tun, dass die Schweiz neuen Technologien seit Beginn der Industrialisierung mit bemerkenswerter Offenheit gegenübersteht. Genauso wichtig ist, dass sie es immer wieder verstanden hat, die Einführung neuer Technologien mit Verantwortung voranzutreiben, Risiken transparent zu machen und eine breite gesellschaftliche Debatte darüber zu führen, wie und wo das Neue am sinnvollsten eingesetzt werden kann. Und zwar nicht nur für die Wirtschaft, sondern für die Gesellschaft ganz allgemein.

Kein blinder Fortschrittsglaube

Auch bei 5G geht es mitnichten darum, sich blindlings in eine neue Technologie zu stürzen, sondern darum, die neue Mobilfunkgeneration zum besten Nutzen von Wirtschaft und Gesellschaft zum Tragen zu bringen. Die von Offenheit, Pragmatismus und Verantwortung geprägte Grundhaltung, die uns in der Vergangenheit regelmässig gute Dienste geleistet hat, dürfen wir in der gegenwärtigen Aufregung rund um 5G nicht einfach über Bord werfen. Genau deshalb hat das Parlament ja ein Monitoring für nichtionisierende Strahlung im neuen Fernmeldegesetz verankert.

Doch in der Öffentlichkeit droht die Möglichkeit eines solchen Abwägens von Vor- und Nachteilen und even­tuell zu ergreifenden Begleitmassnahmen im allgemeinen Getöse unterzugehen. Moratorien, parlamentarische Vorstösse, Antennenverbote – gegen 5G wird zurzeit mit grobem Geschütz geschossen. Und weil die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) eine komplexe Angelegenheit ist, deren Feinheiten sich nicht wirklich für Schlagzeilen oder Kurzkommentare eignen, wird munter vereinfacht und vieles, wenn nicht vollkommen falsch, so eben doch auch nicht richtig dargestellt, bis hin zu völlig abstrusen Behauptungen, etwa dass wegen 5G Vögel tot vom Himmel fallen würden.

Aufgabe der Branche ist es, darzulegen, was an 5G tatsächlich neu und anders ist, welche Frequenzbereiche heute und morgen betroffen sind und – vielleicht der wichtigste Punkt – was sich in Bezug auf die Strahlung ändern wird, wenn in Verbindung mit 5G adaptive Antennen zum Einsatz kommen. Antennen also, die vom Giesskannenprinzip Abschied nehmen und die Sendeleistung gezielt nur dorthin richten, wo Bedarf besteht und nicht einfach rundum senden. Doch wer die Frage stellt, ob die heutige Verordnung dieser neuen Funktionalität gerecht wird, sieht sich im gegenwärtigen aufgeheizten Umfeld sogleich dem Vorwurf ausgesetzt, nichts anderes im Schilde zu führen, als die Gesundheitsvorsorge durch die Hintertür lockern zu wollen, was nicht stimmt.

5G – Rückgrat der vernetzten Welt von morgen

Dass die Telekombranche den Nutzen von 5G in den Vordergrund stellt und darauf verweist, dass die Gegner bei den Gesundheitsrisiken masslos übertreiben, kann ihr kaum verübelt werden. Für viele 5G-Kritiker geht es jedoch längst nicht mehr um Gesundheitsbedenken allein. Vielmehr ist die neue Mobilfunkgeneration zum Symbol für die Umbrüche geworden, die die Digitalisierung im Alltag und in der Arbeitswelt mit sich bringt und die viele Menschen verunsichert. Es geht die Furcht um, von der Technologie überrollt zu werden. Das verengt den Horizont, und wir sollten uns darum bemühen, Zukunftsangst in Sorge um die Zukunft zu wandeln. Ein Volk, das sich fürchtet, hat keine Zukunft; eines, das Sorge trägt, eine vielversprechende.

5G hat das Potenzial, zum Rückgrat der vernetzten Welt von morgen zu werden, zur Grundlage des Internets der Dinge. Das lässt sich in Zahlen ausdrücken: Eine von Asut in Auftrag gegebene Studie beziffert den Produktionszuwachs eines raschen 5G-Rollouts mit über 40 Milliarden Franken im Jahr und gegen 140 000 neuen ­Arbeitsstellen. Doch Zahlen allein werden weder dem durch 5G ermöglichten Schub für die Wirtschaft noch den Einwänden der 5G-Kritiker gerecht und helfen wenig, die verhärteten Fronten aufzulösen. Asut, als Stimme der Telekombranche und ihrer Anwender, kommt hier die wichtige Aufgabe zu, mit transparent erklärten Fakten und verständlich aufbereiteten Grundlagen dazu beizutragen, die Debatte wieder auf eine sachliche Ebene zurückzuführen.

Denn für Asut darf das Vorsorgeprinzip nicht bedeuten, stehen zu bleiben und sich nicht mehr bewegen zu dürfen. Vorsorge und Mut für Neues schliessen sich nicht aus – sie ergänzen sich. Asut wird sich in nächster Zeit deshalb mit Nachdruck für ein Vorsorgeverständnis einsetzen, das neue Technologien nicht verhindert, sondern ihre Einführung sorgfältig begleitet, die Entwicklung im Auge behält und mögliche Risiken eindämmt.

5G hat zu einer grundsätzlichen Diskussion darüber geführt, wie wir in der Schweiz mit Technik und technologischem Fortschritt umgehen. Es ist eine wichtige Diskussion und wir sollten sie führen, aber dabei nicht Angst und Emotionen ins Zen­trum stellen, sondern rationale Argumente. Und daran denken, dass es genau diese, von Potenzialnutzung und verantwortungsbewusstem Abwägen geprägte Innovationspolitik war, dank der die Schweiz immer wieder und zum Wohl ihrer ganzen Bevölkerung zu den Pionieren des technologischen Fortschritts gehört hat.

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