Rückblick - 20 Jahre Netzwoche

2002 oder: Mit dem Internet verdient man jetzt endlich Geld

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An dieser Stelle blickt die Redaktion auf 20 Jahre Netzwoche zurück. In jeder Ausgabe des Jahres finden Sie die Highlights, Kuriositäten und führenden Köpfe aus zwei Jahrzehnten Schweizer IT-Geschichte. Heute: Das Jahr 2002.

Streit um Handy-Antennen: Déjà-vu im Jahr 2002.
Streit um Handy-Antennen: Déjà-vu im Jahr 2002.

Es herrscht Streit um den Schweizer Mobilfunk. Die Telkos und Economiesuisse propagieren den raschen Ausbau des Handynetzes im Sinne der wirtschaftlichen Entwicklung des IT-Standorts. Eine Volksinitiative hält dagegen. Sie fordert ein Moratorium für Mobilfunk-Antennen. Es werden Schäden für die Gesundheit befürchtet. Und zwischen den Fronten: der Bund. Die Behörden versuchen, einen Mittelweg zwischen den Interessen der Unternehmen und dem gesetzlichen Schutzauftrag zu finden. All diese Sätze erinnern an die aktuelle Debatte um 5G. Doch sie entstammen nicht der Gegenwart. Sie erschienen in den Netzwoche-Ausgaben 9 und 11 des Jahres 2002. Der Zankapfel war damals UMTS beziehungsweise der Mobilfunk-Hoffnungsträger 3G. Und auch sonst ist die Netzwoche 2002 gespickt mit Themen und Ereignissen, die 18 Jahre später nichts an Aufmerksamkeit verloren haben.

 

Alles wird anders, vieles bleibt gleich

Die Geschichte scheint sich zu wiederholen: An E-Government-Symposien werde eifrig über die Digitalisierung der Verwaltung theoretisiert, schreibt Redaktor Michael Fritschi im April. Resultate seien indes noch rar, es fehle an Standards. Im Herbst heisst es dann: "Ein Fall für Dr. IT". E-Health soll laut Felicitas Graf die Kostenexplosion im Gesundheitswesen dämpfen. Mit dem elektronischen Patientendossier und der Vernetzung von Spitälern müsse hier Dampf gemacht werden. Ob mobiles Arbeiten, digitale Zahlungsmethoden, Datenschutz, Big Data, Open Source, Wearables oder elektronische Identität. Bei manchen Artikeln beschleicht den Leser heute das Gefühl, dass sich die Branche während zweier Jahrzehnte im Kreis drehte. Sogar die unsäglichen Micro Scooter beschäftigen die Netzwoche schon 2002. Allerdings noch nicht motorisiert.

Aber natürlich hat die Netzwoche 2002 auch viel Neues zu bieten. Apple bringt zum Jahresbeginn "eine Neuauflage des Erfolgskistchens iMac auf den Markt". Google stellt wenig später eine Hardware-Suchmaschine für Unternehmen vor. Und Microsoft wagt sich gleich in mehrere Märkte: ERP (Navision), CMS (Content Management Server 2002), Finanzen (MSN Wallet) und Smartphones (Orange SPV). In der Schweiz geben derweil die neue Onlinegewerkschaft "//syndikat", die "glänzende Zukunft" des Multimedia Messaging Services MMS, Paid Internet Content der Schweizer Medien und eine neue Gattung Anwendungen für Mobiltelefone, die Instant Messenger, zu reden.

Noch nicht überwunden ist 2002 das Platzen der Dotcom-Blase. Das zeigt sich etwa da­ran, dass ein Kampf der IT-Fachkräfte um die raren Stellen herrscht. Das Internet leidet derweil unter "Seitenschwund", die grossen Schweizer IT-Messen Internet Expo und Orbit/Comdex ziehen deutlich weniger Besucher an. Bei den Telkos stellt die Netzwoche im Herbst sogar eine globale Krise fundamentaler Natur fest.

Doch es geht auch wieder aufwärts. Nirgends zeigt sich das stärker als im E-Commerce. Start-ups werden gegründet, die Umsätze im Onlinehandel wachsen, ebenso die Palette an Produkten, die man im Internet kaufen kann. Die Netzwoche berichtet unter anderem über Wein, Reisen, Tickets, Bücher, CDs, Lebensmittel, Socken und Fotos. IDC kürt 2002 zwar noch zum schwärzesten Jahr der IT-Geschichte – der E-Commerce-Boom kündigt den Aufschwung aber bereits an.

 

Die bisherigen Rückblicke auf 20 Jahre Netzwoche können Sie hier nachlesen:
2000: Das Jahr vor dem Crash
2001: Jetzt schlägt die Stunde der Überlebenden

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