E-Health-Barometer

Plötzlich unsicher: Die Skepsis gegenüber dem EPD wächst

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Fünf Jahre lang hat die Akzeptanz zugenommen, doch nun kippt die Stimmung: Wenige Monate vor dem Start des elektronischen Patientendossiers herrscht plötzlich Unsicherheit. Die Mehrheit der Bevölkerung weiss nicht mehr, ob sie das EPD überhaupt nutzen will.

(Source: chanut iamnoy / iStock.com)
(Source: chanut iamnoy / iStock.com)

In der Schweizer Bevölkerung häufen sich Vorbehalte gegenüber dem elektronischen Patientendossier (EPD). Zwar empfindet nach wie vor eine Mehrheit von 64 Prozent das EPD als eine gute Sache. Doch im Vergleich zum Vorjahr nahm der Zuspruch um 14 Prozentpunkte ab, wie aus der aktuellen Befragung "Swiss E-Health Barometer" von GFS Bern hervorgeht. Der Anteil Unentschiedener stieg derweil markant an: von 7 Prozent im Vorjahr auf derzeit 26 Prozent.

Kurz vor der Einführung in den Spitälern hat die Bevölkerung plötzlich ein anderes Bild vom EPD: Es werde nicht mehr als abstraktes Konzept, sondern als Instrument mit unmittelbaren persönlichen Anforderungen und Konsequenzen wahrgenommen, stellen die Forscher des GFS fest und ergänzen: Der Aufklärungsbedarf steigt.

(Source: eHealth Barometer 2020 / GFS Bern)

Auch auf die Frage, ob man selbst ein EPD eröffnen und nutzen würde, zeichnet sich dieses Jahr eine Trendwende ab: Zwischen 2015 und 2019 antworteten stetig mehr Befragte mit "Ja"; im vergangenen Jahr lag der entsprechende Anteil bei 55 Prozent. Doch dieses Jahr zeigten sich nur noch 36 Prozent der Befragten bereit, ein EPD zu eröffnen und zu verwenden.

Das heisst jedoch nicht, dass das Lager der Gegner an Zuspruch gewinnt. Vielmehr wuchs der Anteil der Personen, die unsicher sind: von 9 Prozent im Vorjahr auf aktuell 37 Prozent. Die Unentschlossenen machen erstmals seit der Erhebung von GFS Bern die Mehrheit aus.

(Source: eHealth Barometer 2020 / GFS Bern)

Ältere sind skeptischer, Jüngere interessieren sich weniger

Woher kommt diese plötzliche Unsicherheit? Zum einen hätten die aktuellen Schwierigkeiten bei der Einführung für Diskussionen gesorgt. Zum anderen haben bislang nur wenige Leute persönliche Erfahrungen mit dem EPD gemacht, wie die Studien­autoren schreiben.

Als weitere Herausforderung nennen die Autoren eine wachsende Kluft zwischen den Generationen. Jüngere Nutzer sind zwar kompetent im Umgang mit Daten und digitalen Tools, interessieren sich jedoch immer weniger für Gesundheitsfragen. Ältere Personen interessieren sich hingegen für das Gesundheitswesen, zeigen sich aber skeptischer gegenüber elektronischen Lösungen. Ziel sei es nun, den Nutzen des EPD mit neuen Mitteln generationenübergreifend zu vermitteln, schreiben die Autoren.

Für die Studie haben die Forscher von GFS Bern 1200 Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz telefonisch befragt – im Zeitraum vom 3. bis 15. Januar 2020. Auftraggeber der Studie sind die Veranstalter der Infosocietydays. Die kompletten Ergebnisse der Studie finden Sie auf der Website von GFS Bern.

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DPF8_171013

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