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Das Schweizer IT-Bootcamp drei Jahre nach seiner Feuertaufe

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Seit drei Jahren bietet die Propulsion Academy in Zürich ihre zwölfwöchigen Ausbildungen an. Die IT-Branche vertraue dem Angebot, sagt der Gründer. Fast 300 Studenten haben die Kurse mittlerweile abgeschlossen. Man erhalte nicht nur Wissen, sondern auch Zugang zu einer hilfreichen Community, sagt einer von ihnen.

Das Team der Propulsion Academy um Gründer Laurent Meyer (3. v. r.). (Source: zVg)
Das Team der Propulsion Academy um Gründer Laurent Meyer (3. v. r.). (Source: zVg)

Im Januar 2017 hat die Propulsion Academy in Zürich ihren ersten Kurs gestartet. Das Ziel: Innert zwölf Wochen sollten Studenten zu IT-Spezialisten ausgebildet werden. Inzwischen verzeichne man fast 300 Absolventen, sagt Gründer Laurent Meyer, und ergänzt: "Für uns war es super zu sehen, dass das Bildungskonzept funktioniert."

Vertrauen gewinnen und Partner finden

Ursprünglich komme das Konzept der Propulsion Academy aus den USA und anderen Ländern in Europa, sagt Meyer. Als er in der Schweiz anfing, habe es hierzulande nichts Vergleichbares gegeben. Anfangs sei es nicht nur darum gegangen, die Propulsion Academy bekannt zu machen, sondern auch das Misstrauen zu überwinden: "Einige Firmen glaubten nicht, dass unser Angebot funktioniert", erklärt er.

Dank regelmässiger Partnerschaften sei das inzwischen anders. "Unsere Studenten absolvieren Praktika oder bekommen Festanstellungen bei diversen Firmen, oder arbeiten für ihre Abschlussprojekte mit ihnen zusammen." Meyer möchte aber sein Angebot auch richtig verstanden wissen: "Wir machen keine Experten", stellt er klar, "sondern Juniors, also Einsteiger". Die Propulsion Academy sei ein erster Schritt in der Karriere zum IT-Experten. Und man sei auch keine Konkurrenz zu einem längeren Informatikstudium an der Uni.

Mehr als Wissen

Einer der ehemaligen Studenten der Propulsion Academy ist Flurin Conradin. Der heute 35-Jährige arbeitete früher unter anderem als Versicherungsanalyst. "Ich habe immer schon gerne nebenbei programmiert und Dinge automatisiert", erzählt er. Daraus sei der Wunsch entstanden, Softwareentwickler zu werden. Vor zweieinhalb Jahren habe er zum ersten Mal vom Konzept der Bootcamps gehört und sich dann nach passenden Angeboten erkundigt. Die Alternative zur Propulsion Academy wäre ein Bootcamp im Ausland oder ein Teilzeitangebot in der Schweiz gewesen.

Das Studium an der Propulsion Academy habe ihm Spass gemacht, sagt Conradin. "Es war aber auch anstrengend und brachte mich manchmal nahe an meine Grenzen." Unterstützung erhielt er jeweils von den Teaching Assistants. "Die waren extrem hilfsbereit, kümmerten sich oft auch an Wochenenden oder bis spät Abends." Er berichtet aber auch von Studenten, die sich mehr Unterstützung gewünscht hatten.

Aufgrund seines Vorwissens musste Conradin nicht erst die Grundlagen des Programmierens lernen. Die Propulsion Academy habe ihm aber sehr viel über Frameworks beigebracht. Lobend erwähnt er zudem die Community der Studenten. Auch Ehemalige nehmen oft an den Meetups teil, tauschen sich aus und geben Tipps - an regulären Unis sei dies möglicherweise anders.

Schon während des Kurses war er zuversichtlich, ein Anschlusspraktikum zu finden: "Alle paar Wochen kamen Firmen vorbei, die sich interessiert daran zeigten, Bootcamp-Abgänger einzustellen." Tatsächlich erhielt er nach seinem Abschluss bei einem dieser Unternehmen ein Praktikum. Heute ist Conradin Software Engineer bei Liris Tech, einem Softwareanbieter für Augenärzte.

Zwei Fachrichtungen, keine Teilzeit

Das Kursangebot hat sich in den letzten drei Jahren nicht verändert. Zur Auswahl stehen "Full-Stack Web Development" oder "Data Science". Eine Klasse besteht aus 12 bis 16 Studenten. Bis jetzt hätten Leute im Alter zwischen 17 und 45 Jahren teilgenommen, erklärt Meyer. Für einen Kurs fallen Kosten von 11 000 bis 12 000 Franken an.

Nicht alles, was sich die Institution vorgenommen hatte, konnte sie umsetzen. Staatlich anerkannt ist die Ausbildung zum Beispiel noch nicht. Derzeit arbeite die Academy daran, das "Eduqua"-Zertifikat des Schweizerischen Verbandes für Weiterbildung (SVEB) zu erlangen, sagt Julia Pizzolato, Head of Business Development. Ein paar der Studenten werden zudem von der regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) unterstützt.

Auch Teilzeitkurse offeriert die Propulsion Academy nach wie vor keine: "Es gibt eine hohe Nachfrage und wir möchten sie gerne anbieten", sagt Meyer, "aber uns fehlt im Moment schlicht der Platz dafür." Derzeit führt das Unternehmen Gespräche mit Investoren, deren Beitrag den Umzug an einen grösseren Ort ermöglichen könnten.

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