Apple und Google

Tech-Giganten sind die grössten Abnehmer grüner Energie

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von Yannick Chavanne und Übersetzung: Milena Kälin

Tech-Giganten sind die Unternehmen, die am meisten erneuerbaren Energien kaufen. Auch Google gehört dazu: Das Unternehmen hat sich verpflichtet, bis 2030 seine gesamte Geschäftstätigkeit überall und jederzeit mit sauberer Energie zu betreiben. Apple investierte seinerseits gerade in zwei riesige Windturbinen in Dänemark.

Apple investiert in den Bau von zwei der weltweit größten Onshore-Windturbinen in der Nähe der dänischen Stadt Esbjerg. (Source: Apple)
Apple investiert in den Bau von zwei der weltweit größten Onshore-Windturbinen in der Nähe der dänischen Stadt Esbjerg. (Source: Apple)

An der dänischen Küste, nahe der Stadt Esbjerg, sollen demnächst zwei riesige Windturbinen errichtet werden. Die Strukturen werden nicht weniger als 200 Meter hoch sein und 62 Gigawattstunden pro Jahr erzeugen. Das ist genug, um fast 20’000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Aber diese Energie wird in erster Linie für den Betrieb eines Rechenzentrums verwendet, das Apple etwa 140 Kilometer weiter nördlich besitzt. Apple hat in diese Windturbinen investiert, um die Produktion erneuerbarer Energien in Dänemark zu ergänzen, wo der iPhone-Hersteller bereits einen riesigen Photovoltaik-Park errichtet hatte. Das in Viborg gelegene Rechenzentrum erstreckt sich über 45’000 Quadratmeter und unterstützt den Betrieb von App Store, Apple Music, iMessage, Siri und anderen Diensten in Europa. Mithilfe dieser Investitionen in grüne Energie will das von Steve Jobs gegründete Unternehmen bis 2030 die Klimaneutralität für alle seine Aktivitäten und seine Lieferkette erreichen.

Eines der grössten Solarmodule Skandinaviens wurde im Frühsommer fertiggestellt, um das Rechenzentrum von Apple in Viborg mit Strom zu versorgen. (Source: Apple)

Google hat im Jahr 2019 2,7 Gigawatt saubere Energie gekauft

Apple sagt, dass der Konzern nun alle seine Rechenzentren zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgt. Doch die Firma ist nur einer der Tech-Giganten. Die Hyperscaler, in dieser Angelegenheit - Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft - haben die Messlatte sehr hoch angesetzt. Sie zeichnen sich als die Unternehmen aus, die am meisten in Sonnen- und Windenergie investieren. Das geht aus den von Bloomberg übermittelten Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor. Im Jahr 2019 lag Google mit einer jährlichen Abnahme von 2,7 Gigawatt (GW) sauberer Energie eindeutig an der Spitze. Das ist mehr als doppelt so viel wie die 1,1 GW von Facebook. Es folgten Amazon mit 0,9 GW und Microsoft mit 0,8 GW.

In den letzten Jahren waren Hyperscaler für die Hälfte aller Käufe erneuerbarer Energien verantwortlich, stellt die IEA fest. Investitionen in genügend grüne Energie, um den jährlichen Strombedarf zu decken, bedeuten aber nicht, dass Rechenzentren zu 100 Prozent permanent mit diesen erneuerbaren Energiequellen betrieben werden. "Wind- und Sonnenenergie sind variable Quellen, die möglicherweise nicht dem Nachfrageprofil eines Rechenzentrums entsprechen, und erneuerbare Energien können aus einem anderen Netz oder einer anderen Region bezogen werden", so die IEA.

Auf dem Weg zu kohlenstofffreien Datenzentren überall und jederzeit

Google ist sich auch darüber im Klaren, dass das Unternehmen nicht in der Lage ist, vorerst auf nicht-erneuerbare Energiequellen zu verzichten. "Obwohl wir im Durchschnitt genug erneuerbare Energie kaufen, um den Stromverbrauch unserer Rechenzentren zu decken, ist dies ein Jahresdurchschnitt. Es kann also sein, dass wir für ein bestimmtes Rechenzentrum zu jeder Zeit zu viel oder zu wenig erneuerbare Energie haben", erklärt der Schweizer Urs Hölzle, Vizepräsident für Infrastruktur bei Google, in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung. In dieser stellte Google seine Pläne für grünen Strom vor.

Der Web-Gigant gibt an, 2007 die Klimaneutralität erreicht zu haben und habe nicht die Absicht, sich zurückzulehnen. Im Gegenteil: Das Unternehmen plant, alle seine Operationen mit sauberer Energie durchzuführen, überall und jederzeit. Google hat sich verpflichtet, dieses Ziel bis 2030 zu erreichen. Dazu gehört eine Kombination von Wind- und Solarenergiequellen, aber auch der Einsatz von mehr Batterien zur Speicherung. "Wir arbeiten auch an Möglichkeiten, KI anzuwenden, um unseren Strombedarf und unsere Prognosen zu optimieren", sagt Sundar Pichai, CEO von Google.

Die Wind- und Sonnenenergiequellen von Google in Schweden, North Carolina, den Niederlanden, Oklahoma und Chile. (Source: Google)

Gesamtverbrauch von Rechenzentren bleibt stabil

"Zunehmend effizientere Hardware und eine grössere Verlagerung zu überdimensionierten Rechenzentren haben dazu beigetragen, den Energiebedarf trotz des exponentiellen Wachstums der Nachfrage nach Dienstleistungen stabil zu halten", heisst es von Seiten der IEA. Sie schätzt, dass im Jahr 2019 der Verbrauch aller Rechenzentren der Welt knapp 1 Prozent des globalen Stromverbrauchs ausmacht.

Die Stabilisierung des Verbrauchs von Rechenzentren und deren Versorgung mit grüner Energie sind lobenswerte Initiativen. Aber sie sprechen nur einige der durch den digitalen Boom aufgeworfenen Umweltprobleme an: Einschliesslich der Umweltverschmutzung im Zusammenhang mit der Gewinnung von Metallen wie Zinn, Kupfer sowie Lithium mit denen PCs, Smartphones, Batterien, Bildschirme, aber auch Windturbinen ausgestattet sind.

Der deutsche Cloudhoster Windcloud hat ein Rechenzentrum mit einer Algenfarm gebaut. Das Ziel dieses Pilotprojekts ist es, Treibhausgase auch abzubauen, statt diese wie andere Rechenzentren lediglich zu produzieren. Mehr darüber erfahren Sie hier.

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