20 Jahre Netzwoche

2012 – schöne neue Tablet-Welt und das böse Erwachen der Bundes-IT

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Im Markt für Tablets und exotischen Quasi-Notebooks geht es bergauf. Und die Telko-Welt freut sich auf eine Mobilfunk-Revolution. Die öffentliche Hand hingegen kommt im Jahre 2012 im informationstechnologischen Tal der Tränen an.

(Source: Netzmedien)
(Source: Netzmedien)

Ohne Apple wäre es nie soweit gekommen. Das iPad war für die Verbreitung von Tablets ein Game Changer – von anderen Herstellern oft kopiert, aber nie erreicht. Doch dieses Jahr tut sich was: Microsoft-CEO Steve Ballmer stellt am 18. Juni die Tablet-PC-Familie unter dem Namen Surface vor. Und Samsung bringt juristische Schwierigkeiten hinter sich, die dem Tablet-Geschäft des Herstellers zu schaffen machten: Apple hatte in Deutschland wie auch in den USA ein Import- und Verkaufsverbot für das Samsung Galaxy Tab durchgeboxt. Der Vorwurf: Samsung imitiere das iPad-Design und nutze so den "Kultstatus" des Apple-Produkts für sich aus. In beiden Ländern hatten Gerichte den Vorwurf zunächst bestätigt – ihn aber wenige Monate später fallengelassen.

Samsung hat den Rechtsstreit zwar gewonnen – doch im Markt schafft es der südkoreanische Hersteller nicht, Apple auf die Pelle zu rücken. Denn im Geschäft mit Tablets kommt der kalifornische Hersteller gemäss Digitimes Research auf einen globalen Marktanteil von knapp 60 Prozent. Und auch die Schweiz ist fest in Apples Hand: Gemäss dem "Weissbuch" des Schweizer Marktforschungsveterans Robert Weiss sind hierzulande 84 Prozent aller Tablets iPads.

Doch die Konkurrenz gibt sich nicht geschlagen. Microsoft bläst zum Angriff und verkündet in einem Fachbeitrag: Jetzt ist die Bühne frei für Tablets, die dank Windows 8 mehr Produktivität ins Unternehmen bringen. Zudem steht eine neue Produktkategorie am Start. Ist es ein Tablet? Ist es ein Laptop? Nein, es ist ein Tablet-Notebook-Mischgerät – also ein Touchscreen, der mit einer abnehmbaren Tastatur zum Quasi-Notebook wird. Das weckt Aufbruchstimmung am Markt. Auf der staatlichen Seite macht sich hingegen Katerstimmung breit.

Das Kartenhaus bricht zusammen

Der gesamten Schweizer ICT-Branche war schon längst klar geworden, dass das Informatikprojekt Insieme aus dem Ruder gelaufen ist. Im Herbst kommt es zum Eklat. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlump zieht im September die Notbremse und bricht das Projekt ab. Damit setzt der Bund über 100 Millionen Franken in den Sand. Das bringt selbst gestandene Politiker auf die Palme.

Mitte November spricht Bundesrätin Doris Leuthard Klartext. Am E-Government-Symposium in Bern stellt sie eine Frage, die so manchem CIO sicherlich bekannt vorkommt: "Warum steigen die IT-Budgets und der Bedarf an IT-Personal beim Bund jährlich, obwohl man immer wieder zu hören bekommt, dass die IT alles einfacher, effizienter und leichter macht? Wo genau sind denn diese Effizienzgewinne?" Das Problem verortet sie natürlich nicht beim Bund, sondern beim Kantönligeist. Föderalismus sei nicht immer nur eine Wohltat, sagt sie in diplomatischer Manier, aber hörbar not amused.

Immerhin haben die Telkos gut lachen – allen voran die Swisscom, die Ende Jahr als erste Anbieterin in der Schweiz mit der brandneuen Mobilfunk-Generation LTE startet. Für die Nutzer bedeutet das: endlich anständiges Internet für unterwegs. Zunächst winken Geschwindigkeiten von bis zu 150 Megabits pro Sekunde, später soll es sogar doppelt so schnell werden. Und was man in nicht allzu ferner Zukunft kaum glauben mag: Die Aussicht auf 4G freut alle Welt – keine Spur von Widerstand, Ängsten und renitenten Aluhutträgern.

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