20 Jahre Netzwoche

2017 – vom Freundschaftsnetz zum Feindbild

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Unglaublich, aber wahr: 2017 zieht Donald Trump ins Weisse Haus. Auf der Suche nach einem Schuldigen schiessen sich Kritiker aller Welt auf Facebook ein. Mark Zuckerberg reagiert mal kämpferisch, mal bussfertig – doch bald findet sich ein besserer Bösewicht.

2017 ist der Neujahrskater schlimmer als sonst. Selbst wer nicht zerknittert aufwacht, sieht sich mit einer besonders brutalen Realität konfrontiert. In weniger als drei Wochen wird der ehemalige Reality-TV-Star Donald Trump tatsächlich US-Präsident. "How. The fuck. Did this happen?", fragt sich nicht nur Michael Moore in seinem Film 11/9. Diese Frage treibt wohl auch Mark Zuckerberg um. Schon seit der Wahl im November 2016 plagt sich der Facebook-Gründer mit heftigen Vorwürfen herum. Anfangs streitet er sie ab. Dass die Verbreitung von Fake News die Wahlen beeinflusst habe, nennt er eine "verrückte Idee". Im Februar 2017 setzt er zum Gegenangriff an, indem er das neue Facebook’sche Manifest publiziert. Zuckerbergs Antwort auf eine durch Facebook gespaltene Gesellschaft lautet: mehr Facebook. Mehr Communitys. Und mehr künstliche Intelligenz, die dabei helfen soll, Krankheiten, Kriminalität und Selbstmorde zu verhindern. Die Vision von einer besseren Welt soll auch dem Geschäftsmodell von Facebook dienen.

In finanzieller Hinsicht ist 2017 ohnehin ein flottes Jahr für Facebook. Der Nettogewinn klettert um 56 Prozent auf fast 16 Milliarden Dollar. Doch das Image kommt gehörig unter die Räder. Mehr und mehr Kritiker tun sich hervor. Zum Beispiel Frühinvestor Sean Parker, der das Netzwerk als "soziale Bestätigungsmaschine" bezeichnet, die "Gott weiss was mit den Gehirnen unserer Kinder anrichtet". Oder der renommierte Historiker Niall Ferguson, der im Interview mit der "Zeit" sagt: "Facebook zerstört die Demokratie."

Flatterhaft wie Fähnchen im Wind

Diesen Vorwurf will Facebook entkräften. Im Herbst präsentiert das Unternehmen einen 9-Punkte-Plan, um gegen Wahlmanipulation im sozialen Netzwerk vorzugehen. Und Zuckerberg gibt sich geläutert: Er bereue es, dass er die Vorstellung, Fehlinformationen auf Facebook hätten den Ausgang der Wahl beeinflusst, als verrückte Idee bezeichnete. Vier Tage später bittet er anlässlich des jüdischen Feiertages Yom Kippur um Vergebung und gelobt Besserung.

Tatsächlich unternimmt Facebook einen Anlauf, um das Problem in den Griff zu kriegen. Medienpartner sollten so viele Falschmeldungen wie möglich als solche kennzeichnen und deren Verbreitung eindämmen. Doch im Dezember ist damit Schluss. Der Ansatz, Fake News mit roten Fähnchen zu markieren, habe nicht die erhofften Fortschritte gebracht. Im Gegenteil: Die Kennzeichnungen hätten sogar noch mehr Aufmerksamkeit auf die umstrittenen Inhalte gelenkt, teilt das Unternehmen mit.

Nominiert zum nächsten Bond-Bösewicht

Während sich Zuckerberg mal reumütig, mal heldenhaft zeigt, schafft es ein bislang kaum bekannter britischer Geschäftsmann aus dem Schatten auf die grosse Bühne. Ein gewisser Alexander Nix, der durch die Welt tourt und Werbung macht für seine Firma namens Cambridge Analytica.

Ob man bei ihm einen Wahlsieg kaufen kann, fragt ihn die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Er würde es anders formulieren, sagt er. "In entwickelten Demokratien hat jede Partei das Recht, die beste Technologie zu nutzen, die sie sich leisten kann. Wir bieten sie an."

Nix spricht in Hamburg vor Zehntausenden Zuschauern. Die Besucher der Marketingmesse OMR scheinen ebenso fasziniert wie verstört über seine Ausführungen zu sein. Dasselbe gilt für die Nutzer, die den Vortrag auf Youtube sehen. Im Kommentar mit den meisten Likes heisst es, Nix hätte das Zeug zum nächsten Bond-Bösewicht.

Er wird die Rolle jedoch nicht bekommen. Denn im März 2018 fällt er in Ungnade. Und zwar nicht deswegen, weil seine Firma auf die Facebook-Profile von über 50 Millionen US-Bürgern zugegriffen und so Stimmung für Donald Trump gemacht hatte. Nix verliert seinen Job, weil er vor versteckter Kamera damit prahlt, dass seine Firma nicht davor zurückschreckt, Schmiergelder, Spione und Prostituierte einzusetzen, um Politiker zu diskreditieren und Wahlen zu beeinflussen.

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