Unter der Leitung der ETH Lausanne

Forscher bekämpfen Covid-19 mit digitalen Zwillingen

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von Yannick Chavanne und Übersetzung von René Jaun, pbe

Um schwere Covid-19-Erkrankungen besser voraussagen zu können, wollen Wissenschaftler einen digitalen Zwilling von Patienten erzeugen. Die Methode könnte auch nach der Coronapandemie nützlich sein.

(Source: Pixabay)
(Source: Pixabay)

Wissenschafter wollen digitale Zwillinge für die Covid-19-Forschung nutzen. Die ETH Lausanne leitet dafür das interdisziplinäre Forschungsprojekt Digipredict, an dem sich auch diverse europäische Einrichtungen, die ETH Zürich und die Universität Bern beteiligen. Dabei sollen digitale Abbilder von an Covid-19 erkrankten Patienten erforscht werden. Dadurch lassen sich schwere Krankheitsverläufe besser voraussagen, heisst es in einer Mitteilung.

Pflaster sammelt Daten

Die Daten, auf denen der digitale Zwilling aufbaut, greift ein mit Nanosensoren bepacktes Pflaster von realen Patienten ab. Es überwacht Sauerstoffgehalt, Atmung und Körpertemperatur, kann aber auch den Beginn einer hohen Zytokinproduktion anzeigen. Der menschliche Körper erhöhe die Produktion von Zytokin, um auf das Coronavirus zu reagieren, heisst es in der Mitteilung. Eine zu hohe Zytokinproduktion könne jedoch auch das Herz-Kreislauf-System schädigen, erklärt Wolf Hautz, Professor am Inselspital Bern.

Man wolle die besten Biomarker für die Datenerfassung nutzen und zudem auf eine weitere Innovation der Medizintechnik setzen, nämlich den "Organs-on-Chips", einer Art künstlicher Organsysteme.

Nicht nur für Corona

Die gesammelten Daten sollen danach mithilfe eines KI-basierten Algorithmus ausgewertet werden. Man wolle objektive und quantitative Analysen liefern und damit helfen, medizinische Entscheidungen mit möglichst wenig Fehlern zu treffen, schreibt die ETH Lausanne. Der digitale Zwilling ermögliche es, den Krankheitsverlauf in Echtzeit zu überwachen und die jeweils am besten geeignete Behandlung einzuleiten.

Die Technologie könne auch über Covid-19 hinaus genutzt werden. Künftig könnte sie ganz allgemein dabei helfen, den Verlauf von Entzündungskrankheiten besser zu bestimmen und zu behandeln, unterstreicht die ETH Lausanne.

Das Konzept der digitalen Zwillinge spielt auch im Internet der Dinge eine immer wichtigere Rolle. Es beschreibt das technologische Prinzip, möglichst alles in der physischen Welt auch digital abzubilden. Lesen Sie, welchen Mehrwert dies dem Markt konkret bringt.

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DPF8_201736

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