Nach Anzeige von Abacus

Update: Klara-Chef Renato Stalder bezieht Stellung und nennt erstmals Zahlen

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von Saray-Lien Keser und kfi; jor

Nachdem Abacus-Chef Claudio Hintermann verschiedene Vorwürfe gegen den Zukauf von Klara durch die Post äusserte, bezieht Klara-Chef Renato Stalder nun Stellung.

(Source: Gina Sanders / Fotolia.com)
(Source: Gina Sanders / Fotolia.com)

Update vom 17. November 2021: Klara-Chef Renato Stalder äussert sich in einem Interview mit der "Luzerner Zeitung" zu der kürzlich eingereichten Beschwerde von Abacus. Das Unternehmen äusserte wettbewerbsrechtliche Bedenken und reklamierte die Gefahr eines Verstosses gegen das Kartellgesetz sowie Intransparenz, berichtet "Inside-Channels".

Abacus-Chef Claudio Hintermann sprach von einer "Bekämpfung" der Software-Industrie durch "unfaire" Mittel. Der Klara-CEO Renato Stalder teilt im Interview seine Sicht der Dinge und widerspricht den Aussagen des Abacus-Chefs "Es stimmt, dass Klara den Markt aufmischt, aber nicht mit unfairen Mitteln. Wir bieten ein durchaus marktübliches Freemium-Modell an, bei dem ein Basisprodukt kostenlos angeboten wird, während Erweiterungen kostenpflichtig sind“, heisst es in der Meldung.

Zudem ging der Klara-Chef auch auf den Vorwurf von Hintermann ein, dass Klara vorrangig von "Söldnern" in Vietnam entwickeln lässt. Man beschäftige ausser den 70 Software-Spezialisten in Ho-Chi-Minh-Stadt auch 25 in der Schweiz. Hierzulande sei die Wertschöpfung zudem viel grösser, da die Programmierung nur einen Teil der Firma ausmache. Im Zuge des Wachstums werde vor allem der Kundensupport in der Schweiz ausgebaut, sagte Stalder gegenüber "Inside-Channels".

Erstmals konkrete Zahlen

Stalder nannte ausserdem konkrete Zahlen sowie zukünftige Ziele des Unternehmens. Im Jahr 2020 machte Klara demnach rund drei Millionen Franken Umsatz, was sich bis 2024 weiter auf 30 Millionen steigern soll, schreibt das Nachrichtenportal. Zudem würden von rund 30'000 Firmenkunden bereits 9000 eine Bezahlversion nutzen.

Der Softwareentwickler hofft, 2024 den Break-Even-Point zu erreichen und plant, bis dahin noch rund 20 Millionen Franken zu investieren, heisst es weiter. Des Weiteren wolle das Unternehmen zusätzlich zur KMU-Plattform ein zweites Angebot für Privatpersonen unter dem Namen ePost aufbauen.

Originalmeldung vom 7. Oktober 2021: Abacus zieht Klara-Kauf der Post vor die Weko

Der St. Galler Softwareentwickler Abacus hat in einem Gutachten rechtliche Probleme in Bezug auf den Zukauf von Klara durch die Post reklamiert. Das berichtet "Inside-channels.ch" unter Berufung auf ein ihm vorliegenden Papier. Abacus mahne in dem Papier die gesetzlichen Grundlagen an, welche die Post benötige, wenn diese im Software-Markt zur intelligenten Datenverwaltung unternehmerisch tätig wird. Abacus äussere wettbewerbsrechtliche Bedenken, reklamiere Gefahren, gegen das Kartellgesetz zu verstossen und kritisiere die Intransparenz des Zukaufs durch die Post.

"Wir sind an der Vorbereitung einer Anzeige bei der Weko", sagt Abacus-Chef Claudio Hintermann. Zudem spreche er sich für eine demokratische Entscheidung des Parlaments aus, um eine formelle Anpassung des Postgesetzes sicher zu stellen. Der Klara-Zukauf zeige für Hintermann auch, wie "unfair" die Software-Industrie "bekämpft" wird, wie es weiter heisst. Es bestehe "jetzt die absurde Situation, dass ausgerechnet die Schweizer Post vietnamesische 'Söldner' anheuert, um die hiesige Softwareindustrie mit einem gratis Angebot platt zu walzen", so der Abacus-Chef. Auch wenn Hintermann Verständnis habe, dass die Post den digitalen Wandel adressieren wolle, könne sie nicht einfach ohne transparente Einkaufsstrategie zukaufen. Das Risiko bei einer solchen Einkaufstour liege beim Steuerzahler. Zudem habe die Post ein Monopol und besitze Informationen, die häufig einen Vorteil im Wettbewerb bedeuten würden.

Die Post baut ihren Service künftig auch für Auslandsbestellungen aus. Ab Oktober 2021 sind Importkosten und Pakete direkt online bezahlbar. Mehr dazu finden Sie hier.

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