"Pig Butchering"

Update: Krypto-Betrüger geben sich als unbekannte Schönheiten aus

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von Coen Kaat und Maximilian Schenner und rja; jor

Eine neue Betrugsmasche hat es auch auf internetaffine Schweizer abgesehen. Die Betrüger bauen zunächst eine persönliche Beziehung auf, bevor sie ihre Opfer überzeugen, all ihr Geld in eine angebliche Krypto-App zu stecken.

(Source: dvoriankin / iStock.com)
(Source: dvoriankin / iStock.com)

Update vom 7. März 2023: Krypto-Betrüger geben sich als unbekannte Schönheiten aus

Die Kantonspolizei Zürich warnt auf ihrem Portal "Cybercrimepolice.ch" vor einer neuen Variante des Pig Butcherings. Dabei sollen sich die Betrüger als junge, attraktive Frauen ausgeben, um das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen. In vielen Fällen würden sie professionell gestaltete Social-Media-Accounts mit Fotos asiatischer Models erstellen und die Opfer per Facebook-Freundschaftsanfrage oder Whatsapp-Nachricht kontaktieren. 

Nach dem Nachrichtenaustausch verlangen die vermeintlichen Schönheiten von ihren Opfern, über eine Trading-App oder eine Website Geld zu investieren. Dieses Geld landet schliesslich auf dem Konto der Betrüger.

Die Chatverläufe zwischen den Krypto-Scammern und ihren Opfern. (Source: Screenshot / cybercrimepolice.ch)

Die Kapo Zürich empfiehlt, auf Social Media keine Freundschaftsanfragen von unbekannten Personen anzunehmen sowie auf keine Nachrichten dieser Accounts zu antworten. Zudem solle man genau prüfen, auf welchen Plattformen man Krypto-Investitionen tätigt. Wer bereits auf diesem Wege Geld investiert habe, solle sich bei der örtlichen Polizeistation melden und Anzeige erstatten.


Originalmeldung vom 11. Januar 2023: Kassensturz warnt vor "Pig Butchering"

Es beginnt mit einer Kontaktanfrage auf Facebook und endet mit dem Verlust von 10'000 Franken. Das gesamte Vermögen eines Studenten, wie Kassensturz berichtet. Der Student im geschilderten Fall reagierte zunächst skeptisch. Doch die Anfrage kam von einem Profil, das schon länger existierte, zudem hatten sie gemeinsame Freunde. Also nahm er die Anfrage an.

Die Identität der angeblichen jungen asiatischen Mode-Designerin wurde professionell erstellt, wie der Student heute vermutet. Mitsamt vermeintlichen Alltagsfotos, die sich auch mittels Reverse-Image-Search nicht entlarven liessen.

In den Wochen nach der Annahme der Kontaktanfrage baute die betrügerische Persona ein Vertrauensverhältnis zu dem Studenten auf mit stundenlangen Whatsapp-Chats. Schliesslich brachte sie ihn dazu, sein ganzes Vermögen an der Börse Binance in die Krypto-Währung Tether umzuwandeln. Statt sein Geld in eine Trading-App zu investieren, verlor der Student jedoch all sein Geld an die Kryptobetrüger. Wohin das Geld floss, ist kaum nachverfolgbar.

Wie die Fake-Designerin wirkte auch die App auf den ersten Blick authentisch. "Die App wurde als QR-Scanner-App zugelassen von Apple und nachher zu einer professionell wirkenden Trading-App umfunktioniert. Dies geschah mit einer geänderten Web-Adresse im Hintergrund», zitiert Kassensturz den Sophos-Sicherheitsexperten Jagadeesh Chandraiah. Laut ihm stecken asiatische Verbrecher-Syndikate hinter dem Betrug.

 

 

Zuerst mästen, dann schlachten

Die Betrugsmasche wird als "Pig Butchering" - also "Schweineschlachten" - bezeichnet. Das Schema ist vergleichbar mit einem Romance Scam. Über eine Internetbeziehung wird zunächst Vertrauen aufgebaut, bevor dieses Vertrauen ausgenutzt wird, um das Opfer um sein Geld zu erleichtern. Im Gegensatz zu Romance Scams versuchen die Betrüger beim Pig Butchering nicht immer, eine romantische Beziehung zum Opfer aufzubauen. Hier wollen die Scammer manchmal auch professionell wirkende Beziehungen ausnutzen, um die Opfer zum zahlen zu verlocken.

Teilweise treten die Betrüger auch als Finanzexperten auf. Wer Geld auf die beworbenen Apps einzahlt, kann zunächst vermeintlich verfolgen, wie sich das eigene Vermögen vermehrt. Will man sich die Gewinne auszahlen lassen, soll man plötzlich eine Gewinnsteuer oder Gebühren zahlen - sofern der Kontakt zu den Betrügern nicht komplett abbricht, wie das FBI im Oktober warnte

Wie Kassensturz schreibt, tappen vermehrt auch junge internetaffine Menschen in die Falle. Dies hängt wohl damit zusammen, dass die betrügerische Persona mit viel Aufwand kreiert wurde und - wie der Fall des Schweizer Studenten zeigt - ersten skeptischen Kontrollen widerstehen kann. 

Die betrogene Person, die ihr Geld verliert, ist nicht das einzige Opfer. Die Personen, die per Chat versuchen, das Vertrauen aufzubauen, sollen selbst Opfer von Menschenhandel sein. Sie wurden mit Geldversprechen angelockt und anschliessend festgehalten, wie Kassensturz berichtet. 

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