Nach Angriffen auf mehrere Unternehmen

Update: Ransomware-Erpresser kassiert über 12 Jahre Gefängnis

Uhr
von Yannick Chavanne und René Jaun und Tobias Seefeld und Filip Sinjakovic und tse, jor, Übersetzung: Dylan Windhaber, nki

Die Zürcher Justiz hat einen Ransomware-Entwickler zu 12 Jahren und 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht sieht den 52-Jährigen als zentrale Figur hinter Angriffen auf Unternehmen wie Stadler Rail, Meier Tobler und Crealogix.

(Source: helmutvogler / AdobeStock.com)
(Source: helmutvogler / AdobeStock.com)

Update vom 15.09.2026: Der Prozess gegen den ukrainischen Softwareentwickler, der an Ransomware-Angriffen auf mehrere Unternehmen beteiligt gewesen sein soll, ist vorerst abgeschlossen. Das Bezirksgericht Zürich hat ihn zu 12 Jahren und 9 Monaten Gefängnis verurteilt, wie unter anderem "NZZ" (Paywall) berichtet. Zudem werde der mittlerweile 52-Jährige für zehn Jahre aus der Schweiz verwiesen.

Laut Bericht sah das Gericht den Beschuldigten als zentrale Figur hinter den Angriffen auf Stadler Rail, Meier Tobler und Crealogix. Es betrachtet ihn demnach als Hauptentwickler der Schadprogramme Lockergoga, Megacortex und Nefilim. Diese seien zum Einsatz gekommen, um Daten der angegriffenen Unternehmen zu verschlüsseln und Lösegeld zu fordern.

Im Fall von Stadler Rail seien rund 500 Gigabyte vertrauliche Daten gestohlen worden. Der Schienenfahrzeughersteller weigerte sich, Lösegeld zu zahlen, wie es weiter heisst. Der durch die Angriffe entstandene Gesamtschaden wird auf 100 Millionen Franken geschätzt.

Der Beschuldigte habe bestritten, von der kriminellen Verwendung seiner Software gewusst zu haben, und forderte einen Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann angefochten werden.

 

Update vom 19.08.2026:

Mutmasslicher Ransomware-Erpresser bestreitet alle Vorwürfe

Der ukrainische Softwareentwickler, dessen Fall aktuell am Zürcher Bezirksgericht verhandelt wird, weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Wie "Cash" berichtet, bestritt der Beschuldigte, an Cyberangriffen und Erpressungsversuchen beteiligt gewesen zu sein oder die dafür genutzte Ransomware entwickelt zu haben.

Wie der "Tages-Anzeiger" (Paywall) ausführt, stellt die Verteidigung die von der Staatsanwaltschaft vorgebrachte Beweiskette in Frage. So seien Rohdaten teilweise gelöscht und Akten zurückgehalten worden. Die Verteidigung fordert einen Freispruch.

 

Update vom 17.08.2026:

Mutmasslicher Cyberkrimineller steht in Zürich vor Gericht

Ein ukrainischer Softwareentwickler steht vor dem Bezirksgericht Zürich. Der 52-Jährige soll an der Entwicklung und dem weltweiten Einsatz von Ransomware beteiligt gewesen sein. Wie "Cash" berichtet, waren auch Schweizer Unternehmen Ziel seiner Angriffe, darunter etwa Stadler Rail.

Die Anklageschrift enthält laut Bericht Vorwürfe wegen gewerbsmässiger Erpressung, mehrfacher schwerer Datenbeschädigung, schwerer Geldwäscherei und des Besitzes von Kinderpornografie. Die Staatsanwaltschaft fordere deshalb zwölf Jahre Haft sowie einen zwölfjährigen Landesverweis. Knapp fünf Jahre Haft hat der Beschuldigte laut "Cash" aber schon hinter sich: Er wurde bereits im Oktober 2021 festgenommen und befindet sich seither in Haft.

 

Originalmeldung vom 07.08.2025:

Zürcher Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen mutmasslichen Cyberkriminellen

Die Zürcher Staatsanwaltschaft II erhebt beim Bezirksgericht Zürich Anklage gegen einen 51-jährigen Ukrainer. Dem Mann wird massgebliche Beteiligung an Ransomware-Angriffen auf Unternehmen in mehreren Ländern zwischen Dezember 2018 und Mai 2020 vorgeworfen. Zu den Anklagepunkten zählen gewerbsmässige Erpressung, Cyberangriffe mit den Schadprogrammen "Lockergoga", "Megacortex" und "Nefilim", Geldwäscherei, Pornografie sowie weitere Straftaten, wie es in einer Mitteilung heisst.

Grossflächige Ransomware-Angriffe

Auslöser des Verfahrens war eine Serie von Ransomware-Angriffen auf Zürcher Firmen ab Juli 2019. Die Ermittlungen führten zu einer international koordinierten Aktion mit Behörden aus Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, der Ukraine und den USA. Im Oktober 2021 wurden zwölf Mitglieder einer weltweit tätigen Gruppe von Cyberkriminellen verhaftet. In der Schweiz erfolgte die Festnahme des nun angeklagten Ukrainers.

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, zur Entwicklung der eingesetzten Schadprogramme massgeblich beigetragen zu haben. Demnach soll er sich von seinem Wohnort in der Schweiz aus direkt an Angriffen auf zehn Unternehmen in der Schweiz, Frankreich, Norwegen, Schottland, Kanada, den Niederlanden und den USA beteiligt haben. Für seine Beteiligung habe der Mann Anteile von Lösegeldern erhalten, die meist in Bitcoin erfolgten. Diese habe er durch eine Vielzahl von Transaktionen verschleiert, um so die Einziehung zu verhindern.

Hoher finanzieller Schaden für Betroffene

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft belaufen sich die wirtschaftlichen Schäden der Angriffe auf über 130 Millionen Franken. Die Kosten entstanden vor allem aus Umsatzeinbussen durch Betriebsunterbrüche und den Aufwand für die Wiederherstellung der IT-Systeme. In einigen Fällen hätten Unternehmen Lösegelder in Bitcoin gezahlt, um von den Tätern Programme zur Entschlüsselung ihrer Daten zu erhalten. Die höchste Zahlung betrug laut der Mitteilung 450 Bitcoin – heute rund 41 Millionen Franken.

Die Staatsanwaltschaft fordert eine zwölfjährige Freiheitsstrafe und Landesverweisung für den Beschuldigten. Weitere Auskünfte könne sie derzeit nicht geben.

 

Europol hat im Juli 2025 eine koordinierte Aktion gegen die prorussische Hackergruppe "Noname057(16)" eingeleitet, die DDoS-Angriffe auf westliche Server – darunter auch kritische Infrastrukturen in der Schweiz – durchgeführt hat. Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat im Rahmen der Ermittlungen drei Haftbefehle erlassen. Mehr dazu können Sie hier lesen.

Wenn Sie mehr zu Cybercrime und Cybersecurity lesen möchten, melden Sie sich hier für den Newsletter von Swisscybersecurity.net an. Auf dem Portal lesen Sie täglich News über aktuelle Bedrohungen und neue Abwehrstrategien.

Webcode
bJBVZezC