Stabilisierung noch im Gang

Update: Seco präzisiert Ursachen der missglückten IT-Umstellung

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von Dylan Windhaber und Coen Kaat und shu, jor

Nach der problematischen Einführung des IT-Systems Asal 2 hat das Seco weitere Details zu den technischen Störungen bekannt gegeben. Trotz weiterhin bestehender Probleme sieht die Behörde die fristgerechte Auszahlung der Arbeitslosenentschädigungen derzeit nicht gefährdet.

(Source: kite_rin / Fotolia.com)
(Source: kite_rin / Fotolia.com)

Update vom 29.01.2026: Die Umstellung auf das IT-System Asal 2 beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist offenbar missglückt. Dies soll dazu geführt haben, dass Arbeitssuchende ihre Taggelder nicht erhielten. Auf Anfrage nannte das Seco weitere Details zu den Vorfällen.

Die Ursache seien technische Probleme, die in der "Komplexität der IT-Landschaft mit zahlreichen Schnittstellen sowie in punktuell sehr hohen Systemlasten nach der Wiederaufnahme des Betriebs" liegen.

Nach der Einführung von Asal 2 Anfang Januar 2026 kam es laut Seco zu zehn sogenannten "Major Incidents" - neun habe man bereits beheben können. Es handelte sich dabei um schwerwiegende Informatikvorfälle, die zu "zeitweise spürbaren Auswirkungen auf den Betrieb" führten. Das Staatssekretariat nennt unter anderem Performance-Probleme des IT-Systems, Rückstau bei der Scan-Verarbeitung im Scan-Center, mangelhafte Dokumentenzuordnung in der Eingangsverarbeitung oder den Ausfall der Stellenplattform "Job-Room". 

Die Behörde arbeitet, wie sie weiter schreibt, "mit hoher Priorität an der Stabilisierung und an der raschen Behebung der verbleibenden Störungen". Behoben sei das Problem bislang jedoch noch nicht.

Folgende Massnahmen habe man umgesetzt:

  • Verstärkte Supportorganisation mit klaren Eskalations- und Entscheidungswegen
  • Gemeinsame Task Force mit Durchführungsstellen
  • Priorisierung zentraler Zahlungsprozesse und kritischer Systeme
  • Laufende technische Optimierungen zur Stabilisierung und Performance-Verbesserung
  • Kontinuierliches Monitoring der Systeme und Schnittstellen

Trotz des weiterhin bestehenden technischen Problems gehe das Seco davon aus, dass die Auszahlung der Arbeitslosenentschädigungen innerhalb der gesetzlichen Frist erfolgt - in der Regel im Folgemonat. Auch betont die Bundesbehörde, dass es bei den Auszahlungen im Dezember 2025 "nicht zu verbreiteten Verzögerungen bei der Auszahlung gekommen" sei - die meisten Arbeitslosenkassen hätten alle zahlungsreifen Anträge bearbeitet sowie ausbezahlt.

 

Originalmeldung vom 26.01.2026:

IT-Umstellung sorgt für Verzögerung bei der Auszahlung von Taggeldern

Die Ablösung einer Software aus den 1980er-Jahren sorgt derzeit bei den Arbeitslosenkassen - und insbesondere den darauf angewiesenen Personen - für grosse Probleme. Auslöser ist das neue IT-System Asal 2, das von allen 33 Arbeitslosenkassen genutzt wird, wie der "Tages Anzeiger" (Paywall) berichtet. Die IT-Ablösung erfolgte zum Jahreswechsel. 

Über dieses System wickeln die Arbeitslosenkassen die Auszahlung von Taggeldern ab. Die technischen Probleme betreffen vor allem die Plattform Job Room. Arbeitssuchende nutzen diese, um Dokumente hochzuladen, damit sie ihre Taggelder erhalten. Aufgrund der Schwierigkeiten sei derzeit ungewiss, ob alle Versicherten ihre Leistungen im Januar fristgerecht erhalten. Einige Arbeitssuchende sollen wegen der Umstellung schon im Dezember kein Geld erhalten haben. Diese erneute Verzögerung sei daher existenzbedrohend, zitiert der Bericht eine nicht namentlich genannte Quelle.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) wollte schon mehrmals einen Nachfolger für das jahrzehntealte System einführen. 2015 scheiterte ein Projekt mit einem Budget von 26 Millionen Franken. 2016 lancierte das Seco das Nachfolgeprojekt Asalfutur mit einem geplanten Einführungstermin in 2020. Dieser musste mehrfach verschoben werden, wie es im Bericht heisst. Das Budget schwoll auf mittlerweile 201 Millionen Franken an. 

EFK bemängelte das Projekt mehrmals

Während dieser Zeit erschienen sechs Prüfberichte der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) zum Projekt. Die Bilanz fiel generell negativ aus. Es gebe etwa keine belastbare Planung, Risiko- und Qualitätsmanagement seien schwach und Konflikte zwischen Internen und Externen würden die Problemlösung unnötig komplizierter machen.

Im vergangenen Mai habe die EFK noch bemängelt, dass kein Konzept für die Datenmigration vom alten zum neuen System vorliege. Auch zur Tauglichkeit der Software habe damals noch kein Prüfungsbericht vorgelegen. 

Auf Anfrage des "Tages Anzeigers" räumte ein Sprecher ein, dass es grössere Probleme gebe. An deren Lösung arbeite man mit Hochdruck. Verzögerungen bei der Auszahlung könnten nicht ausgeschlossen werden. Das Seco wies die Arbeitslosenkassen laut dem Bericht an, anspruchsberechtigten Versicherten Vorschüsse zu gewähren. Die Berner Ständerätin Flavia Wasserfallen (SP) reichte derweil einen Antrag ein; dieser fordert das Seco auf, über das Ausmass der Probleme und darüber, wie diese behoben werden sollen, zu informieren. 

 

Übrigens: Nicht nur die IT der Arbeitslosenkassen erhält schlechte Noten von der EFK. Auch die Digitalisierung der 1. Säule weist gemäss einem Prüfbericht Mängel auf. Lesen Sie hier mehr dazu

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