HP Studie "KI & Security"

Warum Schulungen und Richtlinien der KI-Nutzung hinterherhinken

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von Dylan Windhaber und rja

KI-Tools gehören für viele Büroangestellte in der Deutschschweiz längst zum Arbeitsalltag. Eine Studie von HP Schweiz zeigt jedoch, dass Schulungen und klare Richtlinien mit der rasanten Verbreitung nicht Schritt halten - mit Folgen für den sicheren Umgang mit KI.

V.l.: Roland Zeindler von Marketagent, Patrick Schläpfer von HP und Peter Zanoni, HP-Schweiz-Chef, haben die neue Studie gemeinsam an einer Medienkonferenz präsentiert. (Source: zVg)
V.l.: Roland Zeindler von Marketagent, Patrick Schläpfer von HP und Peter Zanoni, HP-Schweiz-Chef, haben die neue Studie gemeinsam an einer Medienkonferenz präsentiert. (Source: zVg)

Über die Hälfte der Büroangestellten in der Deutschschweiz - rund 54 Prozent - nutzen KI-Tools mindestens einmal pro Woche. Insgesamt greifen sogar 88 Prozent im Job auf Anwendungen wie Chatbots oder KI-gestützte Text- und Recherchetools zurück. Das zeigt die Studie "KI & Security" (PDF) von HP Schweiz, durchgeführt vom Marktforschungsunternehmen Marketagent Schweiz. Befragt worden seien dafür zwischen dem 11. und 19. Dezember 2025 insgesamt 1367 Personen aus der Deutschschweiz mit einem Büroarbeitsplatz.

Das Bild zeigt HP-Schweiz-Chef Peter Zanoni während der Medienkonferenz zur neune HP-Studie

HP-Schweiz-Chef Peter Zanoni. (Source: zVg)

Bei der Studie wollte man nicht Spekulationen nachgehen, wie Peter Zanoni, Managing Director bei HP Schweiz, bei der Medienkonferenz zur Studie betonte. Vielmehr ging es darum, aufzuzeigen, "wie KI in der heutigen Welt genutzt wird, wie wir wirklich damit arbeiten - und wo Handlungsbedarf besteht". 

Die Akzeptanz von KI am Arbeitsplatz ist hoch: Drei Viertel der Befragten (76,4 Prozent) hätten den Einsatz von KI als sehr oder eher positiv bewertet. Vor allem jüngere Mitarbeitende zeigen sich laut Studie aufgeschlossen: 91 Prozent der Generation Z und rund 80 Prozent der Millennials stehen KI im Job positiv gegenüber. Am häufigsten werde die Technologie dabei für die Recherche und Informationssuche (64,9 Prozent), Textarbeiten (62,6 Prozent) sowie Übersetzungen (46,9 Prozent) eingesetzt.

Bei der Unternehmensgrösse gibt es laut Studienergebnissen nicht sehr grosse Unterschiede, hingegen bei den Branchen schon eher. Am wenigsten häufig werden KI-Tools demnach in öffentlichen Verwaltungen und im Bildungsbereich (44,8 Prozent) sowie im Gesundheitswesen (45,8 Prozent) genutzt - am häufigsten in der IT-Branche (63,8 Prozent). 

Schulungen können nicht Schritt halten

Trotz der breiten Nutzung künstlicher Intelligenz zeigt sich in Sachen Schulungen ein deutlicher Rückstand. Nur etwa 45 Prozent der Befragten haben angegeben, dass ihr Unternehmen KI-Schulungen anbietet. Lediglich 17 Prozent würden regelmässig - mindestens zweimal pro Jahr - zum Thema geschult. 

Das Bild zeigt Roland Zeindler, Geschäftsführer bei Marketagent, während der Medienkonferenz zur neuen HP-Studie

Roland Zeindler, Geschäftsführer bei Marketagent. (Source: zVg)

Diese Ergebnisse der Studie verdeutlichen "wo noch grosses Potenzial vorhanden ist", wie Roland Zeindler, Geschäftsführer bei Marketagent, an der Medienkonferenz betonte. Es gebe "viele Branchen, in denen Schulungen noch vernachlässigt werden". Am stärksten etabliert sind KI-Schulungen laut Umfrage in der Finanz- und Versicherungsbranche (71,7 Prozent) sowie in der IT- und Telekommunikationsbranche (62,3 Prozent). Im Gesundheitswesen würden hingegen nur 25 Prozent der Unternehmen entsprechende Weiterbildungen anbieten - obwohl dort fast die Hälfte der Befragten KI-Tools mindestens einmal pro Woche nutze. 

Sensible Daten landen regelmässig in KI-Tools

Der Mangel an Schulungen spiegelt sich auch im teils fahrlässigen Umgang von Mitarbeitenden mit KI-Tools wider. Rund 40 Prozent der Befragten der Studie haben angegeben, zumindest gelegentlich sensible Inhalte wie Kundendaten und persönliche Informationen in KI-Tools einzugeben. Ein Drittel lade zudem mindestens mehrmals pro Monat unternehmensinterne Dokumente oder Verträge hoch. Gleichzeitig berichten laut der Studie lediglich 48 Prozent von klaren Regeln zur KI-Nutzung in ihrem Unternehmen. 

Auch hier zeigen sich branchenabhängig deutliche Unterschiede. Während in der Finanz- und Versicherungsbranche rund 70 Prozent über klare KI-Regeln verfügen, sind es im Gesundheitswesen nur knapp ein Drittel. Laut HP erhöht dies das Risiko von Schatten-KI - einer unkontrollierten Nutzung ausserhalb definierter Sicherheitsvorgaben.

Trügerische Sicherheit im Umgang mit KI

Die unzureichenden Richtlinien und Schulungen bergen auch ein grosses Potenzial für Gefahren. Immerhin sei man aber bei klassischen Cybersecurity-Themen deutlich weiter: Rund sechs von zehn Befragten berichten von Phishing-Tests oder Cybersicherheitsschulungen in ihrem Unternehmen. 

Gleichzeitig zeigt die Studie aber eine auffällige Diskrepanz zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Sicherheit im Umgang mit KI. 52,8 Prozent der Befragten schätzen ihr Wissen über KI-gestützte Cyberangriffe als sehr oder eher hoch ein. Ähnlich viele - rund 67 Prozent - glauben, KI-basierte Betrugsversuche gut erkennen zu können.

Das Bild zeigt Patrick Schläpfer, der über das Thema Security und KI spricht

Patrick Schläpfer, Principal Threat Researcher beim HP Security Lab. (Source: zVg)

Laut der Studienpräsentation stellt genau diese Selbsteinschätzung jedoch eine potenzielle Sicherheitslücke dar. KI-gestützter Betrug sei zunehmend schwieriger zu erkennen, da Angriffe immer "besser, schlauer und realistischer" würden, wie Patrick Schläpfer, Principal Threat Researcher, HP Security Lab, betonte. Etwa der Einsatz von Bewegung, Animationen oder personalisierten Inhalten trage zu dieser Entwicklung bei. Gleichzeitig würden sich Angriffsmethoden schneller weiterentwickeln, als Schulungen nachziehen könnten.

"KI steigert Effizienz und Produktivität - aber nur, wenn Unternehmen auch die Spielregeln definieren", sagt HP-Schweiz-Chef Zanoni. Neben klaren Richtlinien und Schulungen brauche es auch technische Massnahmen wie isolierte Umgebungen oder lokal betriebene KI-Lösungen, um sensible Daten zu schützen.

 

Der HP Work Relationship Index 2025 hat übrigens gezeigt, dass KI für höhere Zufriedenheit im Büroalltag sorgt. Trotzdem haben nur wenige eine gesunde Beziehung zur eignen Arbeit, wie Sie hier lesen können.

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