Swico ICT-Index Q2

Schweizer ICT-Branche verliert an Schwung

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von Valentina Graziano und rja

Die ICT-Branche in der Schweiz wächst weiter. Doch steigende Kosten, intensiver Wettbewerb und zunehmender Preisdruck fordern die Unternehmen heraus. Deshalb sinkt der Swico ICT-Index um 7,7 Punkte und das Segment IT-Technology fällt unter die 100-Punkte-Marke.

(Source: Adam Śmigielski / Unsplash.com)
(Source: Adam Śmigielski / Unsplash.com)

Nach dem schwungvollen Start in das Jahr 2026 gerät die Schweizer ICT-Branche ins Stocken. Im zweiten Quartal sinkt der Swico ICT-Index um 7,7 auf 106,2 Punkte. Das ist laut dem Wirtschaftsverband Swico noch klar über der Wachstumsgrenze. Dennoch würden steigende Kosten, intensiver Wettbewerb und zunehmender Preisdruck das Wachstum behindern. Dagegen stärke der ungebremste Einsatz von KI den Transformationsdruck in Unternehmen - vor allem bei neuen Skills, Services und Geschäftsmodellen. 

Das Bild zeigt ein Liniendiagramm.

Die Stimmung des ICT-Index bis März 2026. (Source: zVg)

Drei von vier ICT-Segmenten im Plus

Das Segment Software übernimmt im zweiten Quartal 2026 innerhalb der ICT-Branche mit 110,4 Punkten die Spitzenposition. Das sind aber 3,5 Punkte weniger als im ersten Quartal. Laut Swico sollen Umsatz, Auftragseingang und Bruttomarge weiter moderat steigen. Die Akquise von neuen Projekten wird zudem anspruchsvoller und der Druck auf Preise und Margen spürbarer.

Im ersten Quartal verzeichnete das IT-Technology-Segment ein Plus von 20,6 auf 116,4 Punkte. Im 2. quartal fällt das Segment wieder auf 97,7 Punkte, das entspricht einem Rückgang von 18,7 Punkten. Swico führt den Fall unter die Wachstumsgrenze auf stagnierende Umsätze, sinkende Margen, vorsichtige Investitionsentscheide auf Kundenseite und intensiven Preiswettbewerb zurück. Ausserdem verlangsame sich die Konversion von der Sales Pipeline in echte Aufträge deutlich. 

Consulting (106,9 Punkte) und IT-Services (105,7 Punkte) bleiben beide trotz Punktverlust (-5,7 und -7,8) weiterhin über der Wachstumsgrenze. Auch wenn die Nachfrage im Consulting-Bereich steigt, treffen Kundinnen und Kunden Entscheidungen zurückhaltender. Zudem würden die Margen unter Druck stehen, während die Anbieter weiterhin Personal aufbauen, wie der Swico weiter schreibt.    

CE und IPF erholen sich

Die Consumer-Electronics- (CE-) Branche konnte sich im zweiten Quartal um 3,4 auf 107,1 Punkte verbessern. Dennoch hat die Branche laut Swico weiterhin mit stagnierenden Preisen, rückläufigen Margen und Graumarktaktivitäten zu kämpfen. Umsätze und Auftragseingänge steigen, doch die Nachfrage bleibe volatil. 
Das Segment Imaging, Printing und Finishing (IPF) schafft es erstmals seit 2023, mit einer Steigerung von 38,4 Punkten auf insgesamt 104,4 Punkte, wieder über die Wachstumsgrenze hinaus. Die Erholung ist dem Umsatz, Auftragseingang und Sales Pipeline zu verdanken, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Trotzdem bleibe die Branche aufgrund steigender Kosten, stagnierender Margen und struktureller Herausforderungen im Übergangsbereich zwischen Profitabilität und Unrentabilität.

Das Bild zeigt eine Portfolio-Matrix mit den Achsen Rentabilität und Umsatz.

Rentabilität und Umsatz der Segmente. (Source: zVg)

Auch wenn das Wachstum der Branchen an Dynamik verliert, bleibt der Swico ICT-Index für das zweite Quartal insgesamt positiv. Im weiteren Verlauf des Jahres 2026 werde laut Swico entscheidend sein, "wie rasch und effizient die Unternehmen KI-Kompetenzen aufbauen, Margen stabilisieren und ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln". Ausserdem würde der Wettbewerbsdruck durch internationale Online-Plattformen und Währungsschwankungen hoch bleiben.  

Fehlende Skills bremsen den Arbeitsmarkt 

Das Bild zeigt einen fröhlich lächelnden Mann mit Glatze und dunkler Brille. Er trägt ein hellblaues Hemd und blickt direkt in die Kamera. Der Hintergrund ist in einem einfarbigen Rosa gehalten.

Giancarlo Palmisani, Leiter Verbandsdienstleistungen bei Swico. (Source: Thomas Entzeroth)

Die intensive KI-Nutzung habe laut Swico auch Einfluss auf den ICT-Arbeitsmarkt, der nach Jahren kräftigen Wachstums nun auch an Tempo einbüsse. "KI wird zunehmend zum strategischen Faktor - gleichzeitig fehlen vielerorts die nötigen Skills, um konkrete Use Cases und angepasste Geschäftsmodelle umzusetzen", sagt Giancarlo Palmisani, Leiter Verbandsdienstleistungen beim Swico. Die Folgen seien rückläufige Personalbestände, was die Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte schwierig mache. "Nicht die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber, sondern fehlende oder falsche Fähigkeiten sind momentan das Problem."

 


Übrigens: Ein Drei-Punkte-Plan von Swico soll der Schweiz bei der digitalen Entrümpelung helfen. Lesen Sie hier mehr dazu.

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