Focus: Wie Rechenzentren ihre Energieeffizienz steigern

Abwärme aus Rechenzentren: Vom Nebenprodukt zur strategischen Wärmequelle

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von Romeo Deplazes, Energie 360°

Rechenzentren sind die Kraftwerke der Digitalisierung und grosse Energieverbraucher. Ihre Abwärme, lange ein ­ungenutztes Nebenprodukt, wird nun zur wertvollen Ressource. Unternehmen und Gemeinden entdecken sie zunehmend als strategische Quelle für eine nachhaltige Wärmeversorgung.

Romeo Deplazes, CEO, Energie 360°. (Source: zVg)
Romeo Deplazes, CEO, Energie 360°. (Source: zVg)

Rechenzentren (RZs) zählen zu den unscheinbaren, aber zentralen Infrastrukturen der digitalen Gesellschaft. Sie sichern den Betrieb von Cloud-Diensten, KI-Anwendungen und daten­intensiven Geschäftsmodellen – und verbrauchen dabei erhebliche Mengen Energie. Was oft übersehen wird: Ein grosser Teil dieser Energie fällt in Form von nutzbarer Abwärme an. Genau darin liegt ein wachsendes Potenzial für die nachhaltige Wärmeversorgung.

Da RZs rund um die Uhr betrieben werden, entsteht kontinuierlich Abwärme auf einem Temperatur­niveau von etwa 30 Grad Celsius. Mittels Wärmepumpen kann diese auf rund 70 Grad angehoben und in Fernwärmenetze eingespeist werden. Mit der fortschreitenden Digitalisierung nimmt nicht nur die Zahl der RZs zu, sondern auch deren Leistungsdichte – und damit das verfügbare Abwärmepotenzial.

Der Treiber dieser Entwicklung ist klar: steigende Datenmengen, wachsender Bedarf an Cloud-Lösungen und der rasante Ausbau von KI-Anwendungen. All das führt zu grös­seren und leistungsfähigeren Anlagen, die mehr Strom benötigen und entsprechend mehr Wärme erzeugen. Trotz Effizienzsteigerungen bleibt die physikalische Realität bestehen: Nahezu der gesamte eingesetzte Strom wird letztlich in Wärme umgewandelt.

RZs sind daher strategische Wärmequellen der Zukunft. Der Ansatz besteht darin, frühzeitig in die Projektentwicklung einzusteigen und gemeinsam mit Gemeinden, Betreibern und Planern tragfähige Lösungen zu entwickeln. Ziel sind skalierbare Wärmeverbünde, die langfristig funktionieren und sich auf weitere Standorte übertragen lassen.

Erfahrungen aus Grossprojekten wie den Energieverbünden in Dielsdorf und Volketswil zeigen, dass der Erfolg massgeblich von der Zusammenarbeit aller Beteiligten abhängt. Solche Vorhaben verlaufen selten linear; sie erfordern Flexibilität, iterative Planung und die Bereitschaft, auf neue Rahmenbedingungen zu reagieren. Gleichzeitig wird deutlich, dass Partnerschaften und abgestimmte Interessenlagen entscheidend sind.

Auch technologisch entwickelt sich die Branche dynamisch weiter. Neue Kühlmethoden, etwa die Flüssigkeitskühlung, ermöglichen eine effizientere Nutzung der Abwärme. Moderne Rechenzentren werden zudem so konzipiert, dass sie zukünftige Technologien integrieren können. Ein wichtiger Faktor für die langfristige Wirtschaftlichkeit.
Ein zentraler Aspekt für die Nutzung ist die räumliche Nähe: Abwärme sollte möglichst dort genutzt werden, wo sie entsteht. Da RZs häufig in oder nahe urbanen Räumen gebaut werden, ergibt sich hier ein klarer Vorteil gegenüber anderen Wärmequellen. Seewasser etwa weist niedrigere Temperaturen auf, und Kehrichtverbrennungsanlagen liegen oft ausserhalb der Städte.

Im Vergleich dazu liefern RZs konstant verfügbare, planbare Energie genau dort, wo sie benötigt wird. Entsprechend wird auch politisch über eine Pflicht zur Abwärmenutzung bei neuen Anlagen diskutiert – ein Schritt, der zusätzliche Dynamik in den Markt bringen könnte.
Die Perspektive ist eindeutig: RZs werden künftig eine feste Rolle in der Wärmeversorgung spielen. Projekte, bei denen ihre Abwärme in regionale Netze inte­griert wird, sind bereits Realität. Mit technischem Know-how, starken Partnerschaften und vorausschauender Planung lässt sich so die digitale Transformation mit der Energiewende verbinden – und aus einem Nebenprodukt wird ein zentraler Baustein nachhaltiger Infrastruktur.

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