Wie Rechenzentren ihre Energieeffizienz steigern
Der Siegeszug der KI treibt den Energiebedarf in die Höhe, womit Rechenzentren als Fundament dieser Entwicklung zunehmend unter Druck geraten. Die öffentliche Debatte über ihre Effizienz greift dabei oft zu kurz. Sie fokussiert auf die Gebäudeinfrastruktur, während der eigentliche Verbrauchstreiber – die Auslastung der IT und die Anwendungen selbst – häufig im Verborgenen bleibt. Die Frage ist also nicht, ob wir Rechenzentren brauchen, sondern wie wir ihren Betrieb von Grund auf neu bewerten und ihre Rolle im Energiesystem intelligenter gestalten.
Einen ersten Hebel zur Neubewertung zeigt Marco Reinhard von der Swiss Data Center Association auf. In seinem Fachbeitrag macht er deutlich, dass der alleinige Fokus auf Gebäude-Kennzahlen wie den PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) zwar Fortschritte bei der Kühlung brachte, aber am Kernproblem vorbeizielt: der oft ineffizienten Nutzung der Server selbst. Reinhard analysiert, wie durchdachte Massnahmen von der Einhausung der Racks bis zur Flüssigkeitskühlung die Infrastruktur optimieren. Der grösste, aber meist unterschätzte Faktor bleibt für ihn jedoch der IT-Load.
Diesen Gedanken der unzureichenden Messung führt Matthias Haymoz von der Swiss Datacenter Efficiency Association konsequent weiter. Er kritisiert, dass selbst neuere regulatorische Ansätze die IT-Effizienz ausblenden, obwohl diese für über 80 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich ist. Ein Rechenzentrum mit exzellentem PUE-Wert kann demnach eine massive Energieverschwendung sein, wenn seine Server im Leerlauf laufen. Im Fachartikel fordert Haymoz deshalb ein Umdenken: Ein valides Effizienzmodell muss vier Dimensionen systematisch erfassen: die Gebäudeinfrastruktur, die IT-Auslastung, den CO2-Fussabdruck des bezogenen Stroms und den Wasserverbrauch.
Eine dritte Perspektive eröffnet Romeo Deplazes von Energie 360°, indem er den Blick nach aussen richtet. Er analysiert, wie die Abwärme, ein physikalisch unausweichliches Nebenprodukt, von einer Entsorgungsaufgabe zu einer wertvollen Ressource für die lokale Wärmeversorgung wird. Da Rechenzentren konstant Energie liefern und oft in urbaner Nähe stehen, sind sie als Wärmequellen strategisch wertvoller als andere. Deplazes beschreibt anhand von Projekten in Dielsdorf und Volketswil, wie durch Partnerschaften und technische Integration das Rechenzentrum systemisch in die städtische Energieinfrastruktur eingebunden wird und die digitale Transformation mit der Wärmewende verknüpft.
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