Focus: Wie Rechenzentren ihre Energieeffizienz steigern

Energieeffizienz in Rechenzentren: Wo der wahre Hebel liegt

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von Marco Reinhard, Swiss Data Center Association

Der Energieverbrauch von Rechenzentren steht zunehmend im Fokus. Dabei ist es wichtig, zu verstehen: Nicht die ­Rechenzentren selbst forcieren den Verbrauch, sondern die stetig wachsende Nachfrage nach digitalen Dienstleistungen, sowohl von Unternehmen wie auch von Privatpersonen. Moderne Rechenzentren sind heute hochoptimierte Infrastrukturen und damit Teil der Lösung.

Marco Reinhard, Vorstand Swiss Data Center Association, ­Geschäftsführer des ­Rechenzentrum Stollen Luzern von EWL. (Source: zVg)
Marco Reinhard, Vorstand Swiss Data Center Association, ­Geschäftsführer des ­Rechenzentrum Stollen Luzern von EWL. (Source: zVg)

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Enterprise-Rechenzentren (für den Eigenbedarf eines Unternehmens), Colocation-Rechenzentren (Infrastruktur für mehrere Kunden) und Hyperscalern (globale Cloud-Anbieter mit sehr gros­sen Anlagen). Im Folgenden werden primär Colocation-­Rechenzentren beleuchtet, wie sie in der Schweiz weit verbreitet sind.

Effizienz messen und verstehen

Die Energieeffizienz eines Rechenzentrums wird häufig mit dem PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) gemessen. Dieser setzt den Gesamtenergieverbrauch ins Verhältnis zur tatsächlich für die IT genutzten Energie. Auch wenn der PUE-Wert nicht alle Aspekte abbildet, bleibt er ein etabliertes Instrument zur Messung von Fortschritten in der Infrastruktur. Ergänzend entwickelt die Swiss Data Center Efficiency Association (SDEA) umfassendere Modelle, die auch den IT-Load berücksichtigen und so eine ganzheitlichere Bewertung ermöglichen.

Technische und betriebliche Massnahmen

Die Effizienzsteigerung beginnt beim Design und Betrieb der Infrastruktur. Bewährte Massnahmen sind etwa das konsequente Einhausen der Racks zur gezielten Luftführung oder der Einsatz von Freecooling, bei dem Aussenluft zur Kühlung genutzt und der Betrieb von energieintensiven Kältemaschinen reduziert wird. In HPC- oder KI-Umgebungen zeichnet sich ein weiterer Trend ab: Direct Liquid Cooling. Dies ermöglicht eine deutlich effizientere Wärmeabfuhr direkt am Server.

Zunehmend zur Pflicht wird zudem die Nutzung der Abwärme. Rechenzentren können ihre entstehende Wärme in nahegelegene Wärmenetze einspeisen und so einen direkten Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung leisten.

Der unterschätzte Faktor: Auslastung

Ein zentraler Punkt wird oft übersehen: Je höher die Auslastung eines Rechenzentrums, desto effizienter arbeitet es. Besonders in Colocation-Umgebungen liegt hier eine Herausforderung, da die Server von den Kunden betrieben werden und deren Auslastung häufig infolge Überprovisionierung suboptimal ist. Genau hier liegt jedoch der grösste Hebel: Nicht die Infrastruktur, sondern der IT-Load selbst bestimmt massgeblich den Gesamtverbrauch.

Fazit

Insbesondere moderne und nachgerüstete Rechenzentren erreichen heute bereits eine hohe Energieeffizienz. Der Schlüssel zur weiteren Steigerung der Effizienz liegt in der intelligenten Nutzung der IT-Ressourcen, und damit in der Verantwortung von uns allen, die digitale Dienste nutzen und betreiben. Der Schweizerische Rechenzentrumsverband SDCA setzt sich gemeinsam mit seinen Mitgliedern, Partnern und Kunden intensiv dafür ein, dass Rechenzentren in der Schweiz kontinuierlich effizienter werden und sich technologisch stetig weiterentwickeln.

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