KI-Agenten erledigen bei Early Adopters jeden dritten IT-Arbeitsschritt
KI-Agenten erledigen bereits knapp ein Drittel der erfassten IT-Arbeitsschritte - zumindest bei Unternehmen, die die Technologie früh einsetzen. Über die Ausführung entscheiden weiterhin Fachpersonen.
KI-Agenten übernehmen bei einigen Unternehmen bereits einen beträchtlichen Teil der IT-Arbeitsschritte. Das zeigt eine Auswertung des US-Anbieters Fixify, der Produktionsdaten von mehr als 40 Unternehmen analysiert hat, die agentische KI bereits im IT-Betrieb einsetzen.
Die Analyse umfasst rund 13 Wochen von Mitte März bis Mitte Juni 2026. In dieser Zeit erfasste Fixify 17'929 von KI-Agenten erstellte Pläne mit insgesamt 147'351 vorgesehenen Aktionen sowie 88'493 tatsächlich ausgeführte Aktionen. Zudem wertete Fixify 52'689 Ausführungen sogenannter Skills aus, also automatisierte Aktionen in angebundenen Systemen.
Die untersuchten Unternehmen beschäftigen weniger als 100 bis mehr als 2000 Personen und stammen unter anderem aus der Technologie-, Finanz- und Gesundheitsbranche. Fixify weist selbst darauf hin, dass diese Early Adopters nicht repräsentativ für IT-Teams insgesamt sind.
Wie viel Arbeit die KI-Agenten übernehmen, hängt stark von der Aufgabe ab. Bei Software und Anwendungen führten sie 37,9 Prozent der Aktionen aus, bei Sicherheitsaufgaben 37,7 Prozent und bei Kollaborationswerkzeugen 35,5 Prozent. Beim Identitäts- und Zugriffsmanagement lag der Anteil bei 28,7 Prozent, bei Hardware bei 26,6 Prozent und beim On- und Offboarding bei 22,9 Prozent.
Fixify führt die Unterschiede darauf zurück, dass Fachpersonen bei schwer rückgängig zu machenden Eingriffen stärker eingebunden bleiben. Die Daten zeigen zwar niedrigere KI-Anteile in diesen Bereichen, belegen diese Erklärung aber nicht.
Fachpersonen lehnen weniger KI-Vorschläge ab
Die menschliche Kontrolle bleibt zentral. Über den gesamten Untersuchungszeitraum lehnten Fachpersonen rund 23 Prozent der von der KI vorgeschlagenen Aktionen ab.
Diese Quote sank deutlich: Im März lag sie bei 27 Prozent, im Juni bei 16 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der von KI-Agenten ausgeführten Aktionen von 23 auf 41 Prozent. März und Juni umfassen allerdings jeweils nur einen Teil des Monats.
Fixify wertet die sinkende Ablehnungsquote als Zeichen dafür, dass die Vorschläge der Agenten zunehmend dem entsprechen, was Fachpersonen akzeptieren. Nach Angaben des Anbieters dienen Freigaben und Ablehnungen zudem als Lernsignale für das System.
Ob tatsächlich bessere KI-Vorschläge hinter der sinkenden Ablehnungsquote stehen, lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Dafür ist der Beobachtungszeitraum zu kurz.
Ein Schwerpunkt der Automatisierung liegt beim Identitäts- und Zugriffsmanagement. Von 3147 erfassten Änderungen in diesem Bereich betrafen 76,6 Prozent die Mitgliedschaft in Gruppen oder Kanälen. Weitere 14,8 Prozent entfielen auf das Zurücksetzen von Zugangsdaten und 8,5 Prozent auf die Verwaltung von Konten und Anwendungen. 84,4 Prozent dieser Änderungen liefen über Okta.
Bei Identitätsprozessen häufen sich Fehler
Gerade bei identitätsbezogenen Abläufen verzeichnete Fixify vergleichsweise hohe Fehlerquoten bei Skill-Ausführungen. Über alle 52’689 Skill-Ausführungen hinweg lag die Fehlerquote bei 9,6 Prozent. Beim On- und Offboarding erreichte sie 18,5 Prozent, beim Identitäts- und Zugriffsmanagement 13,5 Prozent.
In 48,5 Prozent der Fehlerfälle fand das System die gesuchte Person, Gruppe oder Ressource nicht dort, wo der Agent sie erwartete. Weitere 29,3 Prozent gingen auf Eingaben zurück, die nicht dem erwarteten Format entsprachen. Fixify sieht darin vor allem ein Datenproblem. Allerdings bedeutet ein nicht gefundenes Ziel laut Anbieter nicht zwingend einen technischen Fehlschlag - die gewünschte Änderung könnte etwa bereits erfolgt sein.
Die Zahlen zeigen dennoch, wie stark solche Systeme von aktuellen Verzeichnissen, konsistenten Namenskonventionen und funktionierenden Integrationen abhängen.
Auch die Pläne der Agenten veränderten sich während des Untersuchungszeitraums. Ihre mediane Länge sank von 18 auf 13 Aktionen, während der Anteil bedingter Schritte von 48 auf 25 Prozent zurückging. Gleichzeitig planten die Agenten häufiger neu, wenn der tatsächliche Ablauf vom vorgesehenen Szenario abwich. Fixify wertet dies als Zeichen dafür, dass die Systeme flexibler auf Veränderungen reagieren.
Insgesamt liefert die Auswertung vor allem eine Momentaufnahme aus Unternehmen, die agentische KI bereits intensiv einsetzen. Von vollständiger Autonomie kann aber auch dort keine Rede sein: KI-Agenten übernehmen zwar einen wachsenden Teil der Arbeitsschritte, Fachpersonen behalten jedoch die Kontrolle über deren Ausführung.
Übrigens: Welche Risiken unkontrollierte KI-Agenten für Unternehmen bergen und warum menschliche Aufsicht wichtig bleibt, lesen Sie hier.
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