"Weibliche Vorbilder zeigen, dass es nicht 'den' Weg in die Security gibt"
Frauen sind in der Cybersecurity noch immer unterrepräsentiert – dabei stehen ihre Karrierechancen gut. Monika Stucki, Beraterin für Informationssicherheit und Trainerin bei der Digicomp Academy, spricht im Interview über Sichtbarkeit, Vorbilder und die Kompetenzen, die im KI-Zeitalter gefragt sind.
Cybersecurity gilt nach wie vor als Männerdomäne. Welche Voraussetzungen braucht es, damit mehr Frauen in der Branche tätig werden?
Monika Stucki: Die Cybersecurity-Branche ist breit und bietet auch Frauen, die nicht im technischen Bereich tätig sein möchten, vielfältige Einstiegsmöglichkeiten. Diese Vielfalt muss stärker sichtbar gemacht und durch Entwicklungsmöglichkeiten unterstützt werden. Es braucht verschiedene Karrierewege für Frauen, die sowohl eine fachliche Spezialisierung als auch die Übernahme von Führungsverantwortung ermöglichen. Ebenso wichtig sind Netzwerke, Veranstaltungen und Weiterbildungen, die gezielt Frauen ansprechen. Denn im Gegensatz zu Männern fällt es Frauen in der Security schwerer, Präsenz zu zeigen und als Expertinnen sichtbar zu werden. Und wir sollten bei der Suche und Förderung von Fachkräften stärker auf Soft Skills wie analytisches Denken, Kommunikation und Empathie achten. Viele Frauen bringen solche Fähigkeiten mit, die für eine erfolgreiche Tätigkeit in der Cybersecurity ebenso wichtig sind wie technisches Wissen.
Wie schätzen Sie die Karrierechancen für Frauen in der Cybersecurity-Branche ein?
Die Karrierechancen sind derzeit ausgezeichnet, nicht nur für Frauen, sondern für alle motivierten Fachpersonen. Unternehmen suchen händeringend Expertinnen und Experten. Da Cybersecurity zunehmend mit Themen wie Data Governance, Datenschutz, Compliance und künstlicher Intelligenz zusammenwächst, dürfte der Bedarf weiter steigen.
Welche Tipps können Sie Cybersecurity-Expertinnen mit auf den Weg geben, um in der Branche Fuss zu fassen?
Netzwerken. Niemand kann in diesem breiten Feld alles wissen. Ein starkes Netzwerk ergänzt das eigene Wissen, eröffnet neue Perspektiven und hilft, als Expertin wahrgenommen zu werden. Mir selbst halfen zudem konkrete Meilensteine, um Schritt für Schritt in neue Themen und Rollen hineinzuwachsen. Auch Kreativität ist in der Security ein Vorteil: Ansätze aus anderen Disziplinen schaffen neue Perspektiven und sind gerade bei Quereinstiegen wertvoll. Auch sollte man negative Reaktionen nicht persönlich nehmen. Security ist für viele kein Lieblingsthema, und als Frau begegnet man manchmal Vorurteilen. Entscheidend ist, offen und positiv zu bleiben. Kompetenz zeigt sich in der Zusammenarbeit, nicht in den Erwartungen anderer.
Welche Rolle spielen weibliche Vorbilder dabei, mehr Frauen für die Cybersecurity zu begeistern?
Vorbilder zeigen, dass es nicht den einen Weg in die Security gibt. Zudem können sie beim Netzwerkaufbau unterstützen. Es gibt bereits grossartige Initiativen für Frauen in der Cybersecurity, wie "Women in Cyber" oder "SheLeadsTech von ISACA". Trotzdem kostet der erste Schritt oft Überwindung. Wenn erfahrene Expertinnen neue Kolleginnen an Veranstaltungen mitnehmen, senkt das diese Hürde enorm.
Künstliche Intelligenz verändert die Cybersecurity derzeit rasant – sowohl auf Angreifer- als auch auf Verteidigerseite. Welche entsprechenden Kompetenzen vermitteln Sie Ihren Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern?
Ich vermittle vor allem die Fähigkeit, Veränderungen der Bedrohungslage zu verstehen, Risiken angemessen einzuordnen und daraus die richtigen Massnahmen abzuleiten. Im Umgang mit KI gilt dasselbe wie bei anderen technologischen Entwicklungen: Ruhe bewahren, systematisch analysieren und sich kontinuierlich weiterbilden. Wer diese Kompetenzen mitbringt, kann auch neue Bedrohungen fundiert beurteilen, ohne sich von jeder Schlagzeile verunsichern zu lassen.
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