Vernetzte Spitäler – wenn IT, IoT und Cybersecurity zusammenwachsen
Vom medizinischen Gerät bis zur Cloud entsteht im Spital eine neue digitale Kette. Für die IT stellt sich die Frage, wie daraus mehr Transparenz und effizientere Prozesse entstehen, ohne dabei zusätzliche Komplexität zu schaffen.
Geräte, Sensoren und Systeme liefern immer mehr Daten aus dem Spitalbetrieb. Entscheidend ist, diese Informationen für Prozesse und Ressourcen nutzbar zu machen. Dafür müssen IoT und bestehende IT sicher, integrierbar und zuverlässig zusammenspielen.
Wenn Daten Prozesse verbessern
IoT schafft Transparenz über Geräte, Prozesse und Umgebungsbedingungen. Im Spital reicht das von der Lokalisierung von Patienten und Ressourcen über die Überwachung von Reinigungsprozessen und Kühlketten bis hin zur Optimierung von Lagerbeständen oder der Einhaltung von Hygienestandards.
Der relevante Schritt erfolgt jedoch erst danach: Daten müssen dort verfügbar sein, wo sie Prozesse verbessern oder Entscheidungen unterstützen. Der Nutzen entsteht nicht durch die Information selbst, sondern wenn Suchzeiten sinken, Ressourcen effizienter eingesetzt, Fehler reduziert oder Patienten auch ausserhalb des Spitals betreut werden können. Damit verschiebt sich auch die Erfolgsfrage von IoT-Projekten: Nicht wie viele Geräte angebunden sind, sondern wie gut sich ihre Daten in bestehende Abläufe integrieren lassen, entscheidet über ihren Wert.
Keine neue technologische Insel
Die Herausforderung für die IT beginnt bei der Integration. Spitäler verfügen über gewachsene Systemlandschaften, unterschiedliche Gerätegenerationen, Schnittstellen und Datenmodelle. Ein neuer IoT-Use-Case darf deshalb nicht zur nächsten Insellösung werden.
Modulare Plattformen schaffen hier Flexibilität. Die Lösungen von Axians beispielsweise basieren auf Standardmodulen, von denen nur die tatsächlich benötigten eingesetzt und bei Bedarf individuell erweitert werden können. In Verbindung mit Gateways lassen sich zudem komplexe Datenstrukturen integrieren. So lassen sich neue Use Cases schrittweise ergänzen, statt für jede Anforderung eine neue technologische Insel aufzubauen.
Vernetzung braucht Resilienz
Je stärker Geräte, Netzwerke, Plattformen und Cloud-Dienste verbunden sind, desto wichtiger werden Sicherheit und Verfügbarkeit. Cybersecurity muss deshalb bereits bei der Architektur beginnen: von Zugriffsrechten und Netzwerksegmentierung bis zur kontinuierlichen Überwachung.
Für Spitäler reicht Prävention jedoch nicht aus. Kritische Prozesse müssen auch bei technischen Störungen oder Cybervorfällen weiter funktionieren beziehungsweise schnell wiederhergestellt werden können. Zu Protect und Detect gehören deshalb auch Respond und Recover: Security Monitoring und Incident Response ebenso wie Backup, Recovery und Business Continuity.
Die Schnittstellen entscheiden
Das vernetzte Spital verbindet Disziplinen, die lange getrennt betrachtet wurden: IoT schafft Transparenz, Connectivity und Cloud ermöglichen die Übertragung und Verarbeitung von Daten, während Cybersecurity sowie Backup- und Recovery-Konzepte den sicheren Betrieb unterstützen.
In der Praxis zeigt sich, dass erfolgreiche Vernetzungsprojekte nicht an einzelnen Technologien scheitern, sondern häufig an den Schnittstellen zwischen ihnen. Deshalb sollten Aspekte wie Datenintegration, Netzwerkarchitektur, Sicherheitsanforderungen, Betriebsprozesse und Wiederherstellungskonzepte von Beginn an gemeinsam betrachtet werden.
Denn der Erfolg eines vernetzten Spitals misst sich nicht an der Zahl angebundener Geräte, sondern daran, ob Ressourcen transparenter, Prozesse effizienter und die zugrunde liegende IT langfristig beherrschbar bleiben.

"Cyberresilienz braucht eine umfassende Planung – weit über die IT hinaus"
Mit der zunehmenden Vernetzung steigen in Spitälern auch die Anforderungen an die Cyberresilienz. Im Interview erklären Christoph Zingg und Martin Buck von Axians, welche Rolle IoT-Plattformen dabei spielen und warum eine vorausschauende Planung so wichtig ist. Interview: Dylan Windhaber
Welche Eigenschaften sollte eine IoT-Plattform mitbringen, damit Spitäler diese Entwicklung flexibel und langfristig gestalten können?
Christoph Zingg: Damit IoT-Initiativen über einzelne Use Cases hinaus wachsen können, braucht es eine modular aufgebaute Plattform, die sich ohne grundlegende Änderungen an der Architektur erweitern lässt. Genau hier liegt eine der Stärken der AX IoT Suite. Jeder Use Case beginnt mit einem Dateninput, etwa über Sensoren, Video- oder Audiosysteme. Diese Daten fliessen in eine Zeitreihendatenbank, werden verarbeitet und zu Datenprodukten verdichtet, die dem Spital einen konkreten Mehrwert liefern. Neue Datenquellen, Geräte, Anwendungen oder Analysen lassen sich dabei schrittweise integrieren, ohne das bestehende Architekturprinzip anpassen zu müssen. Dass die Plattform dem Spital gehört, schafft Investitionssicherheit, unterstützt Datenschutzanforderungen und reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern. So entsteht eine skalierbare Grundlage für die langfristige Weiterentwicklung von IoT-Anwendungen.
Wo entstehen durch die zunehmende Vernetzung Risiken, die IT-Verantwortliche heute möglicherweise noch unterschätzen?
Martin Buck: Mit dem Ausbau der Vernetzung entstehen neue Schnittstellen, die unter Umständen für Cyberattacken genutzt werden können. Gerade medizinische Geräte können nicht wöchentlich gepatcht werden, da sie komplizierten Zulassungsprozessen unterliegen. Somit weisen sie meist bekannte Schwachstellen auf, die sich für die Ausbreitung von Malware eignen. Daher ist die strikte Kontrolle der Schnittstellen mit einem Zero-Trust-Ansatz wichtig für die Verteidigung. Gleichzeitig sollte das Kommunikationsaufkommen auch auf ungewöhnliche Ereignisse hin automatisiert überwacht werden, um Angriffe frühzeitig erkennen und abwehren zu können. Durch automatisierte KI-Attacken verschärft sich das Problem gerade noch und die Früherkennung sowie automatische Reaktion werden immer wichtiger.
Im Gesundheitswesen ist Verfügbarkeit entscheidend. Wann wird aus klassischer Cybersecurity echte Cyberresilienz?
Buck: Die Cyberresilienz kann nicht durch technische Security-Produkte erzielt werden. Sie entsteht durch eine vorausschauende Planung und ein entsprechendes Design der IT- und IoT-Architektur sowie durch Notfallpläne und Übungen dazu. Bei einem Zürcher Spital konnten wir durch ein geschicktes Design eine resiliente Netzwerkarchitektur realisieren. Dies war nur in enger Abstimmung mit der Bauleitung möglich und ist in bestehenden Gebäuden oft durch die Bauphysik nachträglich schwer realisierbar. Dieses Beispiel zeigt, dass Cyberresilienz eine sehr umfassende Planung benötigt, die weit über die IT hinausreicht.
Medizinische Geräte und IoT-Komponenten haben oft andere Lebenszyklen als klassische IT. Was bedeutet das für eine zeitgemässe Cybersecurity-Strategie?
Buck: Die Cybersecurity-Strategie als mittelfristige Planung muss die zu erwartende Verwundbarkeit der IoT-Geräte im Auge behalten. Das ist auch schon beim Design der Use Cases zu berücksichtigen. Der Ansatz, IoT-Geräte zu isolieren, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Komponenten zu filtern und über besser abzusichernde IT-Systeme zu koppeln, trägt dazu bei, die Exposure zu reduzieren. Damit müssen die Clients der Mitarbeitenden nicht mehr direkt mit den IoT-Geräten kommunizieren, und deren Verwundbarkeiten können wirksam gekapselt werden. Moderne IoT-Plattformen ermöglichen dabei nicht nur die Isolation von Datenströmen und Netzwerken, sondern auch die kontrollierte Trennung der Geräte von direkter physischer Interaktion. Sicherheitsstandards wie CRA und IEC 62443 werden mit Plattformen wie der AX IoT Suite zusätzlich unterstützt. Dafür braucht es eine langfristige Strategie, die neue medizinische Geräte von Beginn an in eine sichere Architektur integriert.
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