Swico zum Geschäftsjahr 2019

Cloud treibt Schweizer Hard- und Softwaremarkt zu Höchstleistungen

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von Coen Kaat

Der Schweizer ICT-Wirtschaft ist es 2019 glänzend gegangen. An ihrer Jahresmedienkonferenz präsentierten Swico und EITO ein stolzes Umsatzwachstum, das deutlich über der Gesamtwirtschaft und dem europäischen Mittel liegt. Auch 2020 soll sehr erfreulich werden – wenn es da nur nicht ein paar ernste Probleme hätte.

(Source: andresr / iStock.com)
(Source: andresr / iStock.com)

Am 21. Januar hat Swico zu seiner Jahresmedienkonferenz geladen, um "erfreuliche Zahlen" zu präsentieren. "Die Schweizer Wirtschaft hat sich 2019 sehr gut entwickelt", sagte Andreas Knöpfli, Präsident des Wirtschaftsverbands der Schweizer ICT- und Online-Branche.

Andreas Knöpfli, Swico-Präsident. (Source: Netzmedien)

Der Schweizer ICT-Markt wuchs 2019 um 4 Prozent auf 33,8 Milliarden Franken, wie die Zahlen von EITO zeigen. Das Wachstum lag deutlich höher als das der Gesamtwirtschaft, sagte Axel Pols, Geschäftsführer von EITO. Die Schweizer Gesamtwirtschaft legte nämlich um etwa 1 Prozent zu im Vergleich zum Vorjahr. Die Schweiz wuchs zudem auch stärker als der europäische Gesamtmarkt. Dieser legte 2019 um 3,4 Prozent zu auf 717 Milliarden Euro.

Für das Wachstum im ICT-Markt ist vor allem das IT-Geschäft verantwortlich. Dieses legte 2019 in der Schweizer um 6,1 Prozent auf 22,4 Milliarden Franken zu. Insbesondere das Segment IT-Hardware entwickelte sich bemerkenswert gut. Das Segment steigerte sich 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 11,8 Prozent. Bemerkenswert sei dies vor allem, weil die Analysten einen leichten Rückgang erwartet hatten, sagte Pols.

Windows 10 kurbelt Markt an

Gemäss Pols war es unter anderem der Windows-Austauschzyklus, der den Prognosen einen Strich durch die Rechnung machte. Der Upgrade-Druck auf Windows 10 sorgte demnach 2019 für gute Geschäfte. Insgesamt wurden in der Schweiz 2019 rund 2,3 Millionen PCs verkauft – 10,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Notebooks verdrängen dabei zunehmend die anderen Kategorien, also Desktop-PCs und Tablets. Der Marktanteil von Notebooks liege schon jetzt bei 46,2 Prozent und nehme stetig zu.

Der wohl wichtigste Treiber im vergangenen Jahr war aber wohl die Cloud. So werden etwa immer mehr Rechenzentren eingerichtet, sagte Pols. Auch im Bereich Storage und Server sehe er mehr Investitionen. Die Cloud trieb aber nicht nur das Hardwaregeschäft an. Laut dem Analysten kurble der Trend hin zur Cloud alle Segmente an: Hardware, Software und auch Services.

Der Schweizer Telekommunikationsmarkt entwickle sich hingegen unterm Strich annähernd stabil. 2019 legte der Markt um 0,2 Prozent zu – eine gute Nachricht im Vergleich zu den 0,4 Prozent, um die der Markt 2018 geschrumpft ist.

Das stärkste Wachstum stellte EITO im Segment "Equipment" fest. Dieses legte um 4,7 Prozent im Jahresvergleich zu. Festnetz- und Mobilfunkdienste gingen derweil um 1,7 beziehungsweise 5,2 Prozent zurück.

Das Segment Equipment wird klar von einer Produktkategorie geprägt: das Phablet. Nutzer in der Schweiz hätten den starken Wunsch, immer das neueste Gerät zu haben. Darum hätten Phablets (also Smartphones ab einer Bildschirmdiagonale von 5,5 Zoll) die kleineren Smartphones bereits fast vollkommen verdrängt.

ICT-Index erreicht fast Rekordwerte

Auch das laufende Jahr stimmt Swico positiv. "Die Digitalisierung ist überall angekommen", sagte Knöpfli. In allen Branchen werde optimiert und automatisiert. Das heisst, dass auch viel in IT investiert werde – vor allem in IT-Services.

Der ICT-Index von Swico spiegelt diesen Optimismus wieder. Für das erste Quartal 2020 verzeichnete der Index sogar den 4. höchsten Wert der vergangenen 10 Jahre – also seit dem Start des Index, wie Giancarlo Palmisani, Leiter Verbandsdienstleistungen bei Swico, sagte. Der Index liege aktuell bei 117,6 Punkten.

Alle vier Segmente zeigen einen Aufwärtstrend. Die Spitzenposition mit einem Wert von 122,5 Punkten nimmt die Kategorie Software ein – der zweithöchste Wert seit Messbeginn. Consulting erreichte einen Indexwert von 118,3 Punkten. Darauf folgen IT-Services mit 115,6 und IT-Technology mit 112,8 Punkten.

Giancarlo Palmisani, Leiter Verbandsdienstleistungen bei Swico. (Source: Netzmedien)

Weniger rosig, aber durchaus auch positiv, sieht es gemäss Palmisani in der CE-Branche und im Bereich IPF (Imaging, Printing und Finishing) aus. Beide hätten sich zwar erholt und seien beide wieder über 90 Punkte. Die Werte von 90,7 (CE) und 91,2 (IPF) zeigten jedoch, dass die negative Stimmung und die Erwartung einer Degenration weiterhin anhalten.

Insgesamt zeige die Schweizer Wirtschaft jedoch eine hohe Investitionsbereitsschaft. Dies führe entsprechend zu gut gefüllten Sales Pipelines. Der Index spiegelt die Erwartungen der befragten Swico-Mitglieder wieder. Die Werte für das erste Quartal 2020 basieren auf den Antworten von etwa 250 der rund 600 Mitglieder.

Die Prognosen von EITO decken diese Einschätzung grösstenteils. Auch 2020 soll der Schweiz ICT-Markt wieder wachsen. Aber mit 2,2 Prozent liegt das Wachstum deutlich tiefer als das von 2019 und auch das von 2018.

"Der für 2019 erwartete Rückgang im Bereich Hardware verschiebt sich auf 2020", sagte Pols. Laut dem Analysten werde das Segment 2020 um 2,1 Prozent schrumpfen. Die Bereiche Software und IT-Services werden sich hingegen mehr oder weniger wie auch schon 2019 entwickeln. Auch im Telekommarkt werde sich nicht viel ändern.

Axel Pols, Geschäftsführer von EITO. (Source: Netzmedien)

Swicos Beitrag zur Abfederung des Fachkräftemangels

Gründe für diesen Pessimismus trotz den guten Vorzeichen gibt es durchaus. "Der Arbeitsmarkt ist Pain Point Nummer 1 bei all unseren Mitgliedern", sagte Judith Bellaiche, seit Mai die neue Geschäftsführerin von Swico. "Der Fachkräftemangel ist ein echter Wachstumshemmer."

Das Problem sei vielschichtig. Einerseits fehle es an Fachkräften aus dem Ausland, weil man diese nicht immer ins Land holen kann. Gemäss Knöpfli führt diese dazu, dass IT-Projekte häufig ins Ausland abwandern.

Judith Bellaiche, Geschäftsführerin von Swico. (Source: Netzmedien)

Andererseits fehle es in der Schweiz auch an Nachwuchs. Am 25. Januar eröffnet Swico darum einen ICT Campus in Zürich. Dieser soll ICT-Fachkräfte für die Zukunft ausbilden. "Wir leisten damit unseren Beitrag zur Abfederung des Fachkräftemangels", sagte Bellaiche. Lesen Sie hier mehr zum ICT-Campus von Swico.

Schweiz sägt am eigenen Ast

Ein weiteres Thema, das Swico weit oben auf seinem Politradar hat, ist Recycling. "Das Bundesamt für Umwelt will das Thema an sich reissen", sagte Bellaiche. An der Konferenz warnte sie vor einer Quasi-Verstaatlichung des Recycling-Themas. Für den Verband, der sich nach eigenen Angaben stets für die Selbstverantwortung einsetzt, sei dies "unverständlich".

Das dritte und letzte Top-Thema auf dem Politradar ist das neue Datenschutzgesetz (DSG) in der Schweiz. "Für unsere Mitglieder ist die EU-Equivalenz sehr wichtig", sagte Bellaiche. Gemeint ist, dass das neue Schweizer Gesetz sich der bestehenden EU-DSGVO möglichst annähern sollte. Andernfalls müssten Unternehmen, die Handel mit Kunden in EU-Ländern betreiben, weiterhin zwei unterschiedliche Anforderungssysteme erfüllen.

Ferner werden auch die Begrenzungs- und die verschiedenen 5G-Initiativen die Swico 2020 beschäftigen. "Wir müssen schauen, dass wir nicht am eigenen Ast sägen und uns so selbst das Leben schwer machen", mahnte Knöpfli. Mittelfristige könnte dies schwere Konsequenzen für die Schweizer Wirtschaft haben.

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