IT-Vergaben beim Bund: Leitender Seco-Mitarbeiter unter Korruptionsverdacht
Dem Tages-Anzeiger liegen Dokumente vor, die einen Korruptionsfall im Staatssekretariat für Wirtschaft Seco belegen sollen: Ein leitender Angestellter habe einer Firma überteuerte IT-Aufträge zugeschanzt, um sich persönliche Vorteile zu verschaffen. Das betroffene Unternehmen weist die Vorwürfe gegenüber dem "Tagi" allerdings zurück.
Der Tages-Anzeiger berichtet über einen Ressortleiter des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco, der sich mit korrupten Methoden jahrelang persönliche Vorteile verschafft haben soll. Die Person, die "zuständig für bestimmte Informatiksysteme" sei und kurz vor ihrer Pensionierung stehe, habe überteuerte IT-Aufträge für Weiterentwicklung, Betrieb und Unterhalt an Freunde vergeben und als Gegenleistung unter anderem Flug, Hotel und einen VIP-Tribünensitzplatz für die Fussball-WM 2006 in Deutschland erhalten. Für die Heimspiele der Berner Young Boys sollen der Person zudem bis zu sechs VIP-Jahreskarten zur Verfügung gestanden haben, und auch ein Konzertticket für Herbert Grönemeyer gab es. Bezahlt habe dies alles eine nicht genannte Schweizer Informatikfirma.
In einer Sitzung mit der besagten IT-Firma soll die Person beim Seco geschildert haben, wo es Schlupflöcher bei der Abwicklung von IT-Aufträge nach Bundesvorgaben gebe. Zudem habe sie das Versprechen abgegeben, über einen Zugangscode Informationen zu Rahmenverträgen zu beschaffen, die das Bundesamt für Bauten und Logistik mit einem IT-Hersteller abschloss.
"Bei Dienstleistungen dürfte die Hans Muster AG dem Seco unzählige Stunden verbucht haben, die gar nicht erbracht wurden. Bei Stundenansätzen von bis zu 200 Franken kommt so schnell viel Geld zusammen", schreibt der Tages-Anzeiger. Für die Abrechnung seien Bilanztricks genutzt worden.
Im Seco-Organigramm liege die Stelle der Person drei Stufen unter Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch und ihrem Vorgänger Jean-Daniel Gerber. Das habe Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann dazu veranlasst, eine Untersuchung anzuordnen, schreibt der "Tagi" weiter.
Gegenüber dem Tages-Anzeiger weisen die Beschuldigten alle Vorwürfe von sich.
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