Wie Schweizer Rechenzentren ihre Energieeffizienz verbessern können
Schweizer Rechenzentren beanspruchen rund 3,6 Prozent des gesamtschweizerischen Stromverbrauchs. Während die Rechenzentren selber in den vergangenen Jahren ihre Energieeffizienz verbesserten, sehen die Autoren einer Studie noch viel Potenzial bei den RZ-Kunden.
Im Jahr 2024 haben Schweizer Rechenzentren (RZ) rund 2,1 Terawattstunden Strom verbraucht. Das entspricht rund 3,6 Prozent des gesamtschweizerischen Stromverbrauchs. Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer Studie im Auftrag von Energie Schweiz, einer Plattform des Bundesamtes für Energie (BFE).
Etwa 0,91 Terawattstunden davon (44 Prozent des Bedarfs aller Rechenzentren) entfallen dabei auf kommerzielle RZ-Dienstleister, wie Colocation- und grosse RZ-Standorte für Cloud-Anbieter und Hyperscaler. Die übrigen 1,2 Terawattstunden entfallen auf dedizierte RZ-Dienstleister und unternehmensinterne Rechenzentren.
Kommerzielle Rechenzentren brauchen mehr Strom
Zum Vergleich: Im Jahr 2019, dem Jahr, auf dessen Zahlen die vorangehende BFE-Studie basiert, beanspruchten hiesige Rechenzentren noch etwa 3,1 Prozent des gesamten Stromverbrauchs, mit einem Verbrauch von etwa 1,77 Terawattstunden - bei gleichgesetzter Systemgrenze wie für die jetzige Studie, wie die Autoren anmerken.
Bis 2024 sei der Stromverbrauch hiesiger Datacenter um 18 Prozent gestiegen, heisst es in der Studie, wobei insbesondere kommerzielle Rechenzentren zulegten. Derweil stagnierte der Verbrauch interner Rechenzentren. Das liege teils an Effizienzsteigerungen, teils aber auch an IT-Auslagerungen, erklären die Autoren.
KI spielt kaum eine Rolle
Dass kommerzielle Rechenzentren heute mehr Strom verbrauchen, hat übrigens wenig mit künstlicher Intelligenz zu tun. Oder wie es im Kurzbericht zur Studie heisst: "Die Künstliche Intelligenz spielt derzeit in der Schweiz aus energetischer Sicht eine untergeordnete Rolle." Das Training grosser Modelle, welches besonders viel Energie benötigt, finde kaum im Inland statt. Und dies dürfte auch so bleiben: "Die Hyperscaler-Anbieter und ihre Dienstleister erachten die Bedingungen für das Trainieren grosser LLM (Large Language Models) in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern in Europa als zu wenig attraktiv", erklären die Autoren. Und: "Die Anschaffung von KI-spezifischer Software erscheint den befragten Unternehmen in der Regel als zu kostspielig gemessen an der Anwendungsintensität und -häufigkeit".
Das Stromverbrauchs-Plus kommerzieller Datacenter hänge vielmehr mit der Migration von internen RZ hin zu Colocation RZ und in die Cloud zusammen, die wiederum eine Stabilisierung bis hin zu einer leichten Reduktion bei den unternehmensinternen RZ ermögliche, heisst es im Bericht.
RZ-Kunden können sparen helfen
In jüngster Zeit steigerten viele Rechenzentren ihre Energieeffizienz mit gezielten Massnahmen, wie die Autoren feststellen. Als Beispiele dazu nennen sie Warm-/Kaltgangeinhausung, höhere Betriebstemperaturen und Free Cooling.
Doch es geht noch effizienter. Die Studie beziffert das verbleibende Energieeffizienzpotenzial auf rund 0,78 Terawattstunden - also 38 Prozent des Gesamtverbrauchs.
Um dieses Potenzial auszuschöpfen, können Rechenzentren zwar noch einiges beitragen. Deren Anteil am Einsparpotenzial schätzen die Autoren aber nur auf zwei Fünftel.
Die übrigen drei Fünftel des Einsparpotenzials entfallen auf den IT-Bereich, konkret auf Storage- und Compute-Technologien sowie auf IT-Management Massnahmen wie beispielsweise Virtualisierung. Somit liegt der Ball insbesondere bei den Kunden der Rechenzentren, wie Martin Jakob, Geschäftsführer von TEP Energy und Projektleiter der Studie, unlängst in einem Netzmedien-Webinar ausführte.
Worst Case: 70 Prozent mehr in 5 Jahren
Dass der Stromverbrauch von Rechenzentren steigt, darüber hegen die Autoren keinen Zweifel. Bis 2030 erwarten sie einen Anstieg auf 2,5 bis 3,2 Terawattstunden – das wäre ein Plus von zwischen 20 und 54 Prozent im Vergleich zu heute. In der Studie skizzieren sie aber auch ein "Hochszenario". Dabei rechnen sie mit einem Anstieg um 70 Prozent auf 3,5 Terawattstunden.
Rechenzentren sehen sich auf gutem Weg
Der Rechenzentren-Verband Swiss Datacenter Association (SDCA) kommentiert in einer Mitteilung, die Studie liefere "eine wichtige Grundlage für eine faktenbasierte Debatte". Der Verband plädiert dafür, den Stromverbrauch der Rechenzentren nicht isoliert zu betrachten, sondern im Verhältnis zu dem, was die Datacenter ermöglichten. Die SDCA betont, Datenvolumen, Cloud-Nutzung und digitale Dienstleistungen hätten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, "ohne dass der Stromverbrauch mitgewachsen wäre".
Roger Süess, neuer Präsident der SDCA, kommentiert: "Die BFE-Studie zeigt ein deutlich nüchterneres Bild, als viele Schlagzeilen vermuten lassen. Schweizer Rechenzentren stehen nicht für einen unkontrollierten Stromanstieg, sondern für professionelle, zunehmend effiziente digitale Infrastruktur." Der Standort Schweiz könne Digitalisierung und Energieeffizienz sehr wohl zusammenbringen, ergänzt Süess.
Lesen Sie auch: Mit Alps betreibt das Swiss National Supercomputing Centre (CSCS) einen der mächtigsten Supercomputer Europas. Zu seinen ersten Erfolgen gehört das KI-Modell Apertus, wie CSCS-Direktor Thomas Schulthess sagt. Im Interview erklärt er, warum er Apertus nicht als Schweizer KI-Modell sieht und warum man zwar digital souverän, aber nicht autonom sein kann.
Einladung zum Webinar: Next-Gen Threat Hunting - wie KI Detection & Response transformiert
Betrüger locken mit falscher Serafe-Rückerstattung
Bundesrat bessert beim Informationssicherheitsgesetz nach
Bob Lord: «Secure by Design» – wir müssen bei den Entwicklern ansetzen
Die KI-Revolution kühlen | Wie innovative Lösungen die Herausforderungen der RZs von morgen lösen
Wie Schweizer Rechenzentren ihre Energieeffizienz verbessern können
Vom Interface zum Dialog – so definiert KI die User Experience neu
Warum Private-Cloud-Plattformen zum strategischen Faktor werden