Cloud-Services vereinfachen die Entwicklung von Business-Apps
Anwendungen an ein ERP-System anzubinden oder einen Notification-Dienst zu programmieren, zählen nicht zu den spannendsten Aufgaben. Nun füllen Anbieter mit Mobile-Backend-as-a-Service-Lösungen diese Lücke und machen Entwicklern mit Out-of-the-Box-Diensten das Leben einfacher.
Jede Woche, wenn Herr X sein Warenlager wieder auffüllen muss, läuft er mit dem Tablet-PC in der Hand durch seinen Laden und tippt die Bestellungen in eine App ein, die ihm sein Grosshändler zur Verfügung stellt. Die App überträgt die Bestellungen direkt ins SAP-System des Grossisten, der seinen Kunden so einen benutzerfreundlichen und schnelleren Service bieten kann und gleichzeitig von niedrigeren Betriebskosten profitiert. Darüber hinaus kann er dank der App seine Kunden besser verstehen.
Wie dieses vergangenen Herbst von SAP vorgestellte Beispiel aus der Praxis zeigt, ziehen viele Unternehmen in Betracht, Apps zu programmieren oder Teile ihrer bestehenden Software für mobile Geräte zu optimieren, seien dies nun solche für Mitarbeiter, Partner oder – wie im oben beschriebenen Fall – Kunden. Allerdings kann sich die Realisierung solcher Apps für viele Entwickler, die sich besser mit Benutzeroberflächen von Anwendungen auskennen, als langwierig und komplex erweisen. Das erklärt, warum neuerdings Cloud-Services unter dem Namen Mobile-Backend-as-a-Service (MBaaS) aufkommen, die das Entwickeln leichter machen sollen. Diese Lösungen aus der Cloud bestehen aus Out-of-the-Box-Diensten, die Entwickler nutzen können. Dies betrifft etwa die Verwaltung von Nutzern, Speichern und Nachrichten. Zudem bieten sie oft eine Schnittstelle zwischen der mobilen Applikation und bestehender Software des Unternehmens sowie Cloud-Services von Drittanbietern.
Von mobiler Werbung zu Workflow-Tools
Die Zahl der mehr oder weniger jungen Unternehmen, die mit unterschiedlichen Strategien und Diensten in diese Marktlücke stossen wollen, ist gross. Unsere Redaktion traf auf dem Mobile World Congress in Barcelona drei Start-ups, die die grosse Vielfalt in diesem neuen Segment exemplarisch aufzeigen. Stackmob etwa präsentiert sich als Plattform für die Erstellung und Inbetriebnahme mobiler Applikationen. Den Kern der Lösung bilden eine API, Zugangskontrolldienste und Analysewerkzeuge. Stackmob ist ausserdem in den Speicherdienst S3 von Amazon integriert. Zudem bietet die Plattform einen Marktplatz mit mehreren Diensten von Drittanbietern an. Dazu gehören etwa Geolokalisierungswerkzeuge, Werbung, die Anbindung an Facebook und Twitter sowie die Möglichkeit, spezifische Java-Codes laufenzulassen. In diesem Marktplatz werden ausserdem Module für die Anbindung an Business-Software, darunter SAP, Peoplesoft, Yammer oder Alfresco, angeboten.
Am Anlass war auch Urban Airship vertreten, ein Spezialist für Notification-Dienste. Dieser bietet eine Push-Funktion für Nachrichten auf Geräten mit iOS- oder Android-Betriebssystemen, zum Blackberry, dem Windows Phone 8 oder demnächst auch zum Kindle an. Die Plattform verfügt dazu über eine API, um Daten aus dem Unternehmen (zum Beispiel aus dem CRM-System) empfangen zu können. Die Benachrichtigungen sind auf verschiedene Arten parametrisierbar, beispielsweise für Zielgruppen oder Nutzer, die sich an einem bestimmten Ort aufhalten. Urban Airship ist ebenfalls auf dem Marktplatz bei Stackmob verfügbar.
Der dritte Anbieter von MBaaS, den die Redaktion am Mobile World Congress traf, ist das irische Unternehmen Feed Henry. Das Spin-off des Waterford Institute of Technology hat ein Entwickler-Framework für webbasierte und native Apps geschaffen. Diese Lösung wurde dann um eine PaaS-Plattform ergänzt, die auf Node.js basiert. Damit können Apps gehostet und in einer Private Cloud betrieben werden. Um den Bedürfnissen der Unternehmen gerecht werden zu können, fokussiert sich Feed Henry auf die Funktionen des Workflows und der Prozessunterstützung (Online- und Offlinesynchronisierung, Formulare und Task-Management) sowie auf die Sicherheit (Authentifizierung, Verschlüsselung, zertifizierte Clouds, Monitoring von Backend-Systemen).
Ein kurzlebiger Markt?
MBaaS-Lösungen könnten bei einer wachsenden Zahl von Programmierern auf Zuspruch treffen, da sie versprechen, die Entwicklungszeit zu verkürzen, und sich von Entwickler-Frameworks, Middleware und PaaS-Services zu unterscheiden. Glaubt man Gartner, soll es mit der Verbreitung ziemlich rasch vorangehen: Demnach sollen bis 2016 MBaaS-Lösungen in 40 Prozent der mobilen Entwicklungsprojekte eingesetzt werden.
Paradoxerweise läuft das MBaaS-Segment trotz seines Erfolgs Gefahr, als eigenständiger Bereich wegzufallen. Laut Forrester werden die grossen Softwarehersteller und die Anbieter von Frameworks versuchen, selbst MBaaS-Funktionalitäten zu entwickeln oder eines dieser jungen vielversprechenden Unternehmen zu kaufen, um sich im Bereich Mobile Computing zu positionieren.
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