Make opendata

Konferenz bringt Schwung in die Entwicklung von Open-Government-Data–Projekten

Uhr | Aktualisiert

Über 100 Techies, Designer und weitere Interessierte haben sich in Zürich und Lausanne getroffen, um Projekte mit Open Government Data (OGD) umzusetzen. Der an der Opendata.ch-Konferenz im Juni angestossene Stein kommt langsam aber sicher ins Rollen.

Make opendata - so hiess das Motto für über 100 Techies, Designer und weitere Interessierte während zwei Tagen an der Hochschule der Künste in Zürich und an der ETH Lausanne. Sie haben am 30. September und 1. Oktober an bereits aufgegleisten Projekten mit Open Government Data (OGD) gearbeitet, von Grund auf neue Ansätze entwickelt und eifrig über das Thema debattiert.

Die Organisatoren wollen weiter auf das Thema OGD aufmerksam machen und jetzt konkrete Projekte in die Tat umsetzen. Zu jenen, die bereits Nägel mit Köpfen machen, gehören unter anderem die Städte Zürich und Lausanne. Sie stellten Daten bereit, mit denen die Teilnehmer Projekte realisieren sollen. Unter dem Patronat von eZürich organisierte die Limmatstadt gar das Catering in Zürich, in Lausanne tat dies die Webagentur Liip. „Wir wollten, dass die Partner nicht einfach ‚nur’ Geld sponserten, sondern auch aktiv am Geschehen dabei sind“, so Mitorganisator Hannes Gassert.

Worte in Taten umsetzen

Derweil gab Andreas Németh, der eGovernment-Verantwortliche der Stadt Zürich und Verantwortliche für eZürich, in seiner Begrüssungsansprache trotz viel erhaltenem Lob für das Engagement unumwunden zu, dass man auch in Zürich „erst“ seit gut neun Monaten von OGD spreche. Laut Gassert ist das politische Klima für OGD noch nicht optimal: „Gegen Transparenz kann sich – öffentlich - niemand stellen. Wir kriegen viel positives Feedback. Doch um die Forderungen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft, das Verständnis der Politik, die Förderung durch dieselbe und die Bereitschaft der Verwaltung zu konsequentem OGD zusammenzubringen, muss noch viel geschehen. Der Stein ist nun aber ins Rollen gebracht.“

Gründe, warum es bisher nur wenige umgesetzte OGD-Projekte gibt, sind jedoch nicht ausschliesslich darin zu finden, dass zu wenig Daten bereit stehen. Auch bereits veröffentlichte Daten werden noch wenig genutzt. Dies hat mitunter damit zu tun, dass der Nutzen von „nackten Zahlen“ oft gering ist. Vielmehr müssten diese etwa mit Metadaten angereichert und mit speziell entwickelten Software-Tools „nutzbar“ gemacht werden.

Mit den Resultaten von Makeopendata wollen die Organisatoren aufzeigen, dass hinter OGD mehr als nur blumige Worte stecken. Nach dem vielbeachteten Opendata.ch-Konferenz vom vergangenen Juni im Bundesarchiv in Bern, wo Politiker, Manager, Techies, Juristen und Journalisten Möglichkeiten und Grenzen von OGD ausloteten, geht es nun darum, Worte in Taten umzusetzen. „Wenn wir interessante Umsetzungen präsentieren können, sind das die besten Argumente, um den Nutzen von OGD aufzuzeigen“, sagt Jeremy Stucki vom Organisationsteam. Gassert verwies zudem auf den Networking-Effekt: „An diesem Anlass finden sich möglicherweise Teams, die ihre Projekte auch nach dem Anlass weiter vorantreiben. Das wäre sehr wünschenswert.“

Wo gehen meine Steuern hin?

Die Organisatoren in Zürich teilten die Teilnehmer verschiedenen Themenclustern zu: So widmete sich eine Gruppe Projekten mit Daten der Stadt Zürich, eine zweite mit solchen der Plattform Parlament.ch und eine dritte Gruppe mit Mobilitätsdaten. Die Idee ist laut Stucki, Daten ohne Vorurteil zu analysieren und herauszufinden, was sie „erzählen“.

Die Netzwoche hat beim Startschuss reingeschaut. So ging es bei einem Projekt um die Darstellung von Politikeransprachen auf Parlament.ch in Wordclouds. Während die eine Hälfte des Teams nach geeigneten Umsetzungstools suchte, diskutierte die andere über den Zweck der Darstellung. Zur Debatte standen etwa Vergleiche zwischen einzelnen Politikern mit der offiziellen Parteimeinung. Bis Redaktionsschluss war auf dem Portal keine Umsetzung dieses Projekts verlinkt.

Fertig umgesetzt wurde dagegen Wheredidmytaxesgo.nelm.io. Dort kann jeder mit Angabe des Jahreseinkommens und Vermögens herausfinden, in welche Bereiche seine Steuern genau fliessen und wie lange der Betrag reicht, um die öffentliche Hand zu finanzieren. Ein Beispiel: Jemand mit 100 001 Franken Jahreseinkommen und 0 Franken Vermögen finanziert die Stadt genau bescheidene 27 Sekunden lang. Weitere Resultate des Anlasses sind auf Makeopendata.ch/wiki dokumentiert. Zudem sind Visualizing-Tools über Rohdatensätze bis hin zu Ansprechpartnern verschiedener Fachbereiche alles zu finden.

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