Microsoft öffnet sich – EU bleibt skeptisch

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von fgr@netzwoche.ch
Microsoft-Chef Steve Ballmer kündigte gestern an einer Telefonkonferenz an, sich in Zukunft vermehrt der Konkurrenz zu öffnen. Dabei will man sich auf vier selbst gegebene neue Prinzipien stützen: offene Schnittstellen, Unterstützung von Standards, Portabilität von Daten und eine bessere Zusammenarbeit mit Dritten. Als ersten Schritt hat Microsoft auf über 30'000 Seiten seine Programmprotokolle im Internet dokumentiert. Ballmer bezeichnete die Öffnung als eine „wichtige Veränderung in der Strategie“. Microsoft habe erkannt, dass die IT-Landschaft zunehmend vernetzter wird. Darum werde es immer wichtiger, die Interoperabilität von Produkten verschiedener Hersteller zu gewährleisten, schreibt Microsoft in einer Pressemeldung. „Wir machen diesen Schritt aus eigenem Antrieb“, betonte Ballmer auf Fragen von Journalisten. Experten reagierten aber zunächst skeptisch auf Microsofts Ankündigung. Es gehe primär darum, die Forderungen der EU-Kommission zu erfüllen, werden Branchenkenner in den Medien zitiert. Im Herbst hatte das zweithöchste EU-Gericht eine Busse in Höhe von 497 Millionen US-Dollar bestätigt, weil Microsoft sich weigerte, Schnittstelleninformationen preis zu geben. Im Januar eröffnete die EU-Kommission zwei neue Verfahren, die Microsoft zur Herausgabe solcher Informationen zwingen sollen. An der Telefonkonferenz von gestern erklärte Microsofts Chefjurist Brad Smith, dass man mit dieser Ankündigung einen Schlussstrich unter das Verfahren der EU-Kommission ziehen möchte. Diese zeigt sich allerdings in einem Statement von gestern Abend skeptisch: Man werde „jeden Schritt hin zu wirklicher Interoperabilität begrüssen“. Allerdings habe Microsoft ähnliche Statements in der Vergangenheit bereits viermal abgegeben. Die Kommission werde eingehend prüfen, ob Microsoft seine Ankündigung auch in die Praxis umsetze, heisst es weiter. Andere Stimmen spekulieren zudem, dass es Microsoft auch darum gehe, die eigenen Protokolle und Formate zu einem Industriestandard zu machen.