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Watch out!

Uhr
von Daniel Liebhart

Endlich ist sie zu haben, die Apple Watch. Sie wird einen festen Platz in der zukünftigen Unternehmens-IT einnehmen. Lassen wir uns diesmal nicht erwischen!

Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der ZHAW, Experte für Enterprise-Architekturen und Solution Manager der Trivadis AG. (Quelle: Liebhart)
Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der ZHAW, Experte für Enterprise-Architekturen und Solution Manager der Trivadis AG. (Quelle: Liebhart)

Die Unternehmens-IT ist in den letzten Jahren durchgeschüttelt worden. Der Ansatz, firmeninterne Informationssysteme zentral zu verwalten, führte zu sehr gut organisierten Betriebs- und Entwicklungsabteilungen. Wir verstanden es, umfangreiche und über die Jahre gewachsene Systemlandschaften zu betreiben und kontinuierlich auszubauen. Allerdings um den Preis der Flexiblität. Noch heute kennen wir sie: interne Prozesse und Bewilligungsverfahren, die jede noch so kleine Änderung zum Spiessrutenlauf werden lassen, oder auch Testfenster nur alle paar Monate. Dinge, die zwar laufende Systeme stabil halten, aber gleichzeitig Projekte und Innovationen ausbremsen.

Es kam, wie es kommen musste. Wir haben Trends und Technologien verschlafen. Plötzlich hatten unsere User die cooleren Spielzeuge als wir. Die "Consumerization" erwischte uns kalt. Die Unterhaltungs- und Heimelektronik löste die Unternehmen als Primärmarkt für neue IT-Produkte ab. Innovationen wurden für diesen Markt konzipiert und erst anschlies­send für Lösungen in Unternehmen eingesetzt. Oftmals auf Druck unserer User selbst, welche die tollen Geräte und Lösungen nicht nur privat, sondern auch bei der Arbeit verwenden wollten. Oder es einfach getan haben und damit unsere zentralistischen Vorschriften und Standards kurzerhand unterliefen.

Reaktionen auf die Apple Watch

Leider versäumte es sogar Apple-CEO Tim Cook bei der Vorstellung der Apple Watch, deren mögliche Bedeutung für Unternehmen auch nur zu erwähnen. Als Uhr, Kommunikationsinstrument und als Gesundheits- und Fitnessgerät pries er sie. Die Bemerkung "…und als noch vieles mehr" am Ende der Veranstaltung lässt darauf schliessen, wie unwichtig wir als Zielgruppe wurden. Entsprechend fokussierten sich die Experten auf die Uhr und kritisierten Dinge wie den Preis und die Batterielaufzeit ("Computerwoche"), die Sparsteuerung ("NZZ") oder die neuartige Bedienung ("MIT Technology Review"). Die Konsumenten scheinen da anderer Ansicht zu sein. Bereits knapp eine Million Bestellungen allein in der USA am ersten Tag. Es könnte uns also wieder passieren, dass wir überrascht werden.

Diesmal nicht!

Bei genauem Hinsehen macht die Apple Watch dank Neuerungen wie der "Digitalen Krone" und der "Taptic Engine" viele innovative Anwendungen möglich. Wenige Hersteller von Standardsoftware für Unternehmen wie Salesforce und Evernote erkannten das und sind daran, ihre Produkte entsprechend auszubauen. Wer beispielsweise im Aussendienst unterwegs ist, weiss Unterstützung durch schnelle Informationen oder auch kurzfristige Absprachen zu schätzen. Die Uhr kann als Werkausweis, Schlüsselkarte oder als Instruktions- und Überwachungsinstrument eingesetzt werden. Oder auch in vielen Situationen, in der jemand keine Hand frei hat oder durch Schutzkleidung behindert ist. Das ist nur eine kleine Liste denkbarer Einsätze in Unternehmen. Die Apple Watch ist eines der Geräte, von denen Analysten erwarten, dass sie Betriebskosten bis zu 30 Prozent senken werden. Diesmal sollten wir uns nicht erwischen lassen und unsere Systeme und Prozesse da­raufhin ausrichten.

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