Ricoh Innovation Days

Ricohs Kunden interessieren sich nicht für Hardware

Uhr | Aktualisiert
von Christoph Grau

Mehr als 100 Gäste haben sich zum Ricoh Innovation Day in Wallisellen eingefunden. Der Druckerspezialist liess vor allem seine Kunden zu Wort kommen. Die Hardware nimmt bei ihnen einen immer geringeren Stellenwert ein.

Am Mittwoch, dem 9. März, hat Ricoh zu seinen Innovation Days nach Wallisellen geladen. Laut Daniel Tschudi, Director Sales and Consulting bei Ricoh Schweiz, kamen rund 100 Kunden zur dritten Auflage des Events. Eine ähnliche Veranstaltung wird Ricoh auch noch in der Romandie abhalten, dort mit ungefähr 50 Kunden. Tschudi zeigte sich mit der Resonanz sehr zufrieden. Die Veranstaltung diene nicht nur dem Austausch von Erfahrungen, sondern vor allem auch dem Networking, was in den Pausen auch rege gemacht wurde.

Alles aus einer Hand anbieten

Durch die Veranstaltung führte Richard Gaechter, Head of Major Accounts bei Ricoh Schweiz. Die Eröffnungsrede hielt Tschudi. In dieser erinnerte er zunächst an das 80-jährige Bestehen des Unternehmens in diesem Jahr. Aber auch zu den Plänen und der Strategie äusserte er sich.

Das Alleinstellungsmerkmal von Ricoh sei, dass das Unternehmen Service und Support End-to-End anbieten könne. So soll es auch weiter bleiben, kündigte Tschudi an. Zudem verstehe Ricoh sich nicht mehr nur als ein Unternehmen, das Papier bedruckt. Immer mehr soll in den Bereichen Mobilitäts- und Cloud-Lösungen getan werden.

Laut Tschudi ist Ricoh der Marktführer im Bereich Druck in der Schweiz. Der Marktanteil betrage nach den Zahlen von Infosource rund 22 Prozent. Diese Position will das Unternehmen verteidigen und weiter ausbauen. In den nächsten Jahren soll der Marktanteil auf rund 30 Prozent steigen. Tschudi erwartet eine weitere Konsolidierung im Druckmarkt, von der Ricoh profitieren werde.

Kunden wollen vor allem Dienste

Von ihren Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Ricoh berichteten im Anschluss Martin Bichsel, Leiter Servicedesk and Workplace bei der Migros Aare, und Hansjürg Heubi, Projektleiter und Service Manager BE-Print beim KAIO (Amt für Informatik und Organisation).

Die Migros habe sich 2012 für die Einführung der Managed Print Services von Ricoh entschieden, sagte Bichsel. Den Ausschlag hätten das Portfolio von Ricoh und die geringern Installations- wie auch Betriebskosten gegeben. In der Zeit konnte die Zahl der MFPs mehr als halbiert werden, von 172 auf 66. Ebenso sei das Druckvolumen gesunken. Besonders die "Print2me"-Lösung von Ricoh hob Bichsel hervor. Diese habe zu einer deutlichen Kostenreduktion beigetragen.

In einem nächsten Schritt will die Migros Aare weniger auf Papier setzen und möglichst viele Prozesse digital abwickeln. Weiterhin stehe die Einbindung von mobilen Lösungen ganz weit oben auf der Agenda. Abschliessend sagte Bichsel, dass für die Migros die Hardware keine entscheidende Rolle mehr spiele. Vielmehr sei die Druckdienstleistung an sich entscheidend.

Das gleiche Fazit zog auch Heubi vom Kanton Bern: "Wir wollen kein Gerät, sondern einen Service", sagte er. "Das Drucken" müsse einfach da sein, ohne gross darüber nachdenken zu müssen.

Projekt "koordinierte Dezentralisierung"

Zu dieser Erkenntnis kam Heubi durch ein grosses Zentralisierungsprojekt der Verwaltung des Kantons Bern. Unter dem Schlagwort "koordinierte Dezentralisierung" wollte der Kanton die Druckinfrastruktur vereinheitlichen. Bis dahin herrschte laut Heubi ein wahlloses Durcheinander. Jedes Departement und teilweise sogar die Abteilungen hätten den Druck selbstständig organisiert. Mit der Einführung eines übergreifenden Managed Print Service namens "BE-Print" wollte der Kanton die Beschaffung der Druckleistungen zentralisieren, um so Kosten zu sparen.

Bei der Bestandsaufnahme für die Ausschreibung zeigte sich, dass in den Abteilungen eine bunte Mischung aus vielen verschiedenen Herstellern, Geräteklassen und Abrechnungsmodellen vorherrschte. Auch die ausufernden Tonerlager kritisierte Heubi. Hier einen Überblick zu bekommen, sei eine grosse Herausforderung gewesen.

Auf die Ausschreibung des Kantons bewarben sich laut Heubi alle grossen Hersteller, wobei sich Ricoh durchsetzen konnte. Ein Pilotversuch schloss Ricoh erfolgreich ab, und ab Mitte 2015 begann das schrittweise Ausrollen der neuen Druckinfrastruktur. Nachdem inzwischen die Hälfte des Projekts abgeschlossen ist, zog Heubi eine positive Zwischenbilanz. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit Ricoh beim Rollout-Prozess. Auch sei das Unternehmen auf die unterschiedlichen Gegebenheiten der einzelnen Standorte eingegangen.

Ende 2016 oder Anfang 2017 soll der Prozess abgeschlossen werden. Dann könne der Kanton auch endlich eine Aussage darüber treffen, wie viel in der Verwaltung gedruckt werde und was es koste, sagte Heubi. Andere Kantone hätten ähnliche Probleme, aber letztlich "kämpfe jeder Kanton für sich", betonte Heubi. Es gebe aber durchaus einen Informationsfluss zwischen den Kantonen, und auch Bern habe von den Erfahrungen anderer Kantone profitieren können.

Neues Standbein im Bereich UC

Neben dem Drucker- und Kamerageschäft hat sich Ricoh in den letzten Jahren ein weiteres Standbein im Bereich Unified Collaboration (UC) aufgebaut. Bei der Forschung und Weiterentwicklung in diesem Bereich arbeitet Ricoh auch mit Forschern von IBM in Rüschlikon zusammen. Dort schaffen laut IBM-Forscher Costas Bekas ungefähr 100 Personen im Bereich Cognitive Computing. Für seine Präsentation wurde er über die UC-Lösung von Ricoh zugeschaltet.

Laut Bekas bietet der kognitive Ansatz neue Möglichkeiten des Zusammenarbeitens. Langfristiges Ziel sei es, das Wissen des Internets, der Gesellschaft und auch der Beteiligten über Cognitive Computing mit in die Kommunikationserfahrung einzubinden. Kernaussagen von Personen etwa könnten mit Computerhilfe zusammengefasst oder ähnliche Videos oder Beiträge im Internet gefunden werden. Die Technologie eröffne potenziell unbegrenzte neue Möglichkeiten der Kommunikation, sagte Bekas.

Der Event schloss mit einem Apéro, der von den Anwesenden intensiv zum Networking genutzt wurde. Zudem konnten sich drei glückliche Teilnehmer über die Preise einer Tombola freuen, darunter auch eine Kompaktkamera von Ricoh.

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