Mediengespräch mit Watson

IBM, der intelligente Computer und die Vertrauensfrage

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IBM Schweiz hat an seinem Mediengespräch die künstliche Intelligenz Watson vorgestellt. Sie kommt auch bei den Cybersecurity-Lösungen des Unternehmens zum Einsatz. Transparenz und Schutz der Kundendaten sollen das Vertrauen in die Technologie stärken.

Watson hat offenbar ein Imageproblem. Dieser Eindruck tauchte zumindest während des Referats auf, das Wolfgang Hildesheim und Dennis Scheuer am diesjährigen IBM-Mediengespräch in Zürich hielten. Die Menschen stünden künstlicher Intelligenz (KI) immer noch mit viel Misstrauen gegenüber. Diffuse Ängste vor dem Aufstand der Maschinen gegen ihre Schöpfer hielten sich hartnäckig.

Daran seien die Medien nicht ganz unschuldig, sagte Hildesheim, Head of Watson im DACH-Raum. Hollywood habe die Angst vor selbstständig denkenden Computern geradezu kultiviert. Das veranschaulichte Hildesheim mit einer illustren Reihe von superintelligenten, aber eben auch superbösen Computern. Von HAL 9000 – anno 1968 ein Seitenhieb auf IBM selbst – bis hin zu Ava aus dem Film "Ex Machina" malte die Öffentlichkeit ein sehr kritisches Bild von KI.

Wolfgang Hildesheim zeigte, woher die Skepsis gegenüber KI kommt. (Source: Netzmedien)

Im "kognitiven Zeitalter"

Dabei seien künstliche Intelligenz oder kognitive Systeme, wie IBM die Technologie nennt, aus unserer Gegenwart gar nicht mehr wegzudenken. Zu gross sei die Menge an Daten, die verarbeitet und sinnvoll verwendet werden müsse. Und grundsätzlich ist eine KI dem Menschen wohl auch freundlich gesinnt, wie die Begrüssung des anwesenden Publikums durch IBMs Watson vermuten liess.

Überhaupt stehe die Erschaffung einer dem Menschen potentiell überlegenen, "starken" KI gar nicht im Fokus des Unternehmens. IBM versuche stattdessen sogenannte KI-Mikro-Services zu entwickeln. Das sind für den Einzelfall angepasste Anwendungen, die sich selbst in kleinen Schritten verbessern und dem Menschen als Unterstützung zur Hand gehen sollen. Die Kontrolle soll dabei stets beim Anwender bleiben.

Vier Ziele stünden bei Watsons Entwicklung im Vordergrund: Verstehen, interpretieren, lernen und interagieren. Wie das konkret aussehen kann, zeigte Dennis Scheurer von IBM Watson & AI Innovation anhand eines Chatbots und mittels einer App für die Erkennung von Bildinhalten.

Ein Feldversuch mit Topfpflanzen und Schuhen machte allerdings auch deutlich, was die Referenten schon zu Beginn ihrer Präsentation anmerkten. Künstliche Intelligenz ist auch im Jahr 2017 noch "relativ dumm". Durch spezifisches Training liesse sich die Zuverlässigkeit der verstehenden Maschine allerdings steigern.

Scheurer stellte auch einige Anwendungsfelder von Watson für Unternehmen vor. Die automatische Erkennung und Sortierung von Briefen war ebenso darunter wie der Kontakt mit Kunden via Facebook, ein intelligenter Assistent im Auto oder die Visualisierung von Referenzen in Presseartikeln.

IBM verspricht sich von seiner KI viel Potential für die Wirtschaft. Das Unternehmen bietet die Watson Services in verschiedenen Ausbaustufen an. Von öffentlich zugänglichen Cloud-Anwendungen bis hin zu dedizierten Hardware-Lösungen.

Dabei achte das Unternehmen auf die Einhaltung ethischer Standards und der am Einsatzort geltenden Gesetze. IBM verwende die von Kunden mit Watson interpretierten und generierten Daten nicht weiter und versuche, die Technologie möglichst transparent zu halten. Wann und wofür die KI verwendet wird, soll stets erkennbar bleiben. So wolle IBM den Datenschutz gewährleisten und sicherstellen, dass die Nutzer stets die Kontrolle über Watson behalten.

Thomas Landolt, Vorsitzender der Geschäftsleitung von IBM Schweiz. (Source: Netzmedien)

Vertrauen durch Transparenz

Watsons Transparenz soll Vertrauen schaffen. Dieses Thema lieh dem Mediengespräch in der Giesserei Oerlikon denn auch das übergreifende Motto. Thomas Landolt, Vorsitzender der Geschäftsleitung von IBM Schweiz, hob die Bedeutung von Vertrauen in der digitalisierten Welt hervor. Was mit den Daten passiere, die Staat und Privatwirtschaft über den Einzelnen sammeln, sei für die Menschen oft nicht mehr nachvollziehbar.

Umso wichtiger sei deshalb eine vertrauenswürdige Datenpolitik für die Schweiz, meinte Landolt. Diesem Thema widmete sich auch André Golliez. Der Präsident von Opendata.ch und der Swiss Data Alliance wies darauf hin, dass auch nach dem Big-Data-Hype der letzten Jahre viele Fragen beim Umgang mit Daten noch ohne Antwort blieben.

André Golliez gab Denkanstösse für eine offene Datenpolitik. (Source: Netzmedien)

Wer die anwachsende Datenmenge verwalten soll, wie mit den Daten des Einzelnen umgegangen werden darf und wie die Gesellschaft vor dem Missbrauch von Daten geschützt werden könne, dazu müsse die Politik noch Lösungen finden.

Vor einer Überregulierung durch den Staat warnte Golliez allerdings. Die Politik müsse vor allem die Rahmenbedingungen für den Umgang mit Informationen schaffen und Basisdaten wie Handels- oder Adressregister offen zugänglich halten.

Anhand von Initiativen wie Opendata.ch oder Mydata.org gab Golliez ausserdem Denkanstösse, wie das Individuum über die Verwendung seiner Daten selbst entscheiden könne. Gleichzeitig soll die Fülle an Daten als "immaterielle Infrastruktur" für die Allgemeinheit Nutzen erbringen können.

KI und Cybersecurity

Dem Thema Vertrauen und Cybersicherheit war das Schlussreferat von Andreas Wespi gewidment. Er ist Senior Scientist Cybersecurity bei IBM Research. Wespi zeigte anhand zahlreicher Daten, die in IBMs Security Operations Centers zusammenlaufen, wie sich die Bedrohungen im digitalen Raum in den letzten Jahren entwickelten.

Cloud-Anwendungen, Smartphone-Apps und das Internet der Dinge haben laut Wespi ganz neue Sicherheitsrisiken mit sich gebracht. Im letzteren Fall sprach der Sicherheitsforscher von einem "Internet of Threats". Es lasse sich nur schwer bekämpfen. IBM verwende das gesammelte Material, um seine Sicherheitslösungen für Kunden zu verbessern.

Einblicke in IBMs Sicherheits-Angebot bot Andreas Wespi, Senior Scientist Cybersecurity bei IBM Research. (Source: Netzmedien)

Eines der zentralen Probleme bei der Cybersicherheit sei allerdings nach wie vor der Mensch. Besonders hier brauche es Vertrauen und eine genaue Bestimmung der für ein Unternehmen schützenswerten Daten. IBM biete hier eine Sicherheits-Strategie an, die sowohl auf einen manuellen "Knowledge Driven Approach" wie auf einen automatisierten "Data Driven Approach" setze.

Watsons kognitive Systeme könnten auch hier helfen, indem sie Security-Analysten als "Security Intelligence" bei der Auswertung von Daten unterstützten. "Security darf nicht auf den Menschen angewiesen sein", gab sich Wespi überzeugt. "Was wir brauchen sind Technologien, die Security automatisieren."

Die KI sei aber auch selbst nicht vor Angriffen gefeit. Sie lässt sich durch verschiedene Methoden manipulieren, verwirren oder sogar korrumpieren, wie Wespi zum Abschluss zeigte. Ganz vertreiben konnte IBM die Bedenken rund um den Einsatz von künstlicher Intelligenz dann doch nicht.

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