Klage, Untersuchungen und Löschaufruf

Facebook sieht sich im Datenskandal als Opfer

Uhr | Aktualisiert

Der Skandal um die Weitergabe von Nutzerdaten bei Facebook zieht weitere Kreise. Das soziale Netzwerk sieht sich als Opfer eines Datenlecks. Datenschützer wollen den Vorfall untersuchen, Aktionäre verklagen den Social-Media-Konzern.

(Source: Simon / Pixabay.com)
(Source: Simon / Pixabay.com)

Facebook hat sich zum Datenskandal geäussert, der in den vergangenen Tagen an die Öffentlichkeit gelangte. Das US-Unternehmen sieht sich als Opfer eines Cyber-Missbrauchs durch die britische Analysefirma Cambridge Analytica, wie "Heise Online" berichtet.

"Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden", zitiert Heise eine Mitteilung des sozialen Netzwerks. Facebook werde alles tun, um seinen Richtlinien Geltung zu verschaffen und die Informationen der Nutzer zu schützen. Chef Mark Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernstes der Lage bewusst, schreibt Heise weiter.

Wahlkampfhilfe mit Nutzerdaten

Derweil zieht die Affäre weitere Kreise. Alexander Nix, der CEO von Cambridge Analytica wurde gestern Abend suspendiert, wie das Board of Directors des Unternehmens in einer Stellungnahme schreibt. Die "Washington Post" berichtet, die US-Behörde FTC habe eine Untersuchung gegen Facebook eröffnet. Eine Busse für jeden Einzelfall könne in die Milliarden gehen, schreibt die Post. Auch in Deutschland wollen Datenschützer untersuchen, wie bei Facebook mit Nutzerdaten umgegangen werde, heisst es bei Heise.

Sandy Parakilas, ein ehemaliger Mitarbeiter von Facebook, sagte gegenüber dem "Guardian", die Praxis von Cambridge Analytica sei keine Ausnahme. Auch andere Firmen hätten "routinemässig" Nutzerdaten beim sozialen Netzwerk "abgeerntet". Dessen Sicherheitschef Alex Stamos will das Unternehmen laut "New York Times" im August verlassen.

"CNN" schreibt, Aktionäre von Facebook hätten am Dienstag beim Bundesgericht in San Francisco Klage gegen das Unternehmen eingereicht. Facebook habe "sachlich falsche und irreführende Aussagen" über die eigenen Richtlinien gemacht, zitiert der Nachrichtensender die Klageschrift. Auch Whatsapp-Mitgründer Brian Acton schaltete sich in die Affäre ein. Er rief seine Follower unter dem Hashtag "#deletefacebook" zur Löschung des Facebook-Kontos auf, wie der "Blick" berichtet.

Die Angelegenheit ist politisch heikel. Einem Bericht des englischen Fernsehsenders "Channel 4" zufolge habe Nix Verbindungen zur Regierung von US-Präsident Donald Trump und soll diesem zum Wahlerfolg im November 2016 verholfen haben - womöglich mit den bei Facebook abgegriffenen Daten von 50 Millionen Nutzern. Alexander Nix habe gegenüber Reportern entsprechende Äusserungen gemacht, die auf Video festgehalten wurden.

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