Neuropro

Wie Jamil El-Imad das Gehirn analysieren und die Gedanken trainieren will

Uhr | Aktualisiert

Der Unternehmer und Forscher Jamil El-Imad will mit dem Schweizer Start-up Neuropro die Analyse und Auswertung von Gehirnwellen revolutionieren. Er setzt dazu auf Apps, Virtual Reality und die Cloud. Ziel ist es, Krankheiten in den Griff zu bekommen und das Gehirn zu trainieren.

Unternehmer und Forscher Jamil El-Imad. (Source: zVg)
Unternehmer und Forscher Jamil El-Imad. (Source: zVg)

Jamil El-Imad ist seit den 1970er-Jahren in der IT tätig. In seinen jungen Jahren waren IBM-Grossrechner das Mass aller Dinge. Bei IBM arbeitete er mehr als 20 Jahre, vor allem im Pharmabereich. Danach widmete sich El-Imad der Erforschung von virtuellen Umgebungen, Brain Computer Interfaces, Big Data und des Gehirns. Unter anderem war er im "Brain Forum" tätig, das Wissenschaftler zusammenbringt, welche die Funktionsweise des Gehirns erforschen. Zudem lehrte El-Imad etwa am Imperial College in London und an der ETH in Lausanne.

Auch als Unternehmer ist El-Imad aktiv. Sein Wissen bringt er als Chief Scientist in mehrere Start-ups ein. Eines davon ist Neuropro, ein Jungunternehmen aus Zürich.

Langer Weg zu E-Health

Auch wenn er lange in der Pharmabranche gearbeitet habe, so sei ihm der E-Health-Bereich neu, sagt El-Imad. Seiner Einschätzung nach liegt die Gesundheitsbranche bei der Digitalisierung noch weit zurück, verglichen mit der Finanzindustrie, die schon seit einem Jahrzehnt die Digitalisierung vorantreibe.

Mit seinem Engagement bei Neuropro will El-Imad einen Beitrag zur Digitalisierung leisten. Zunächst galt es, dafür ein Ökosystem aufzubauen. Für El-Imad bot sich der Bereich der Gehirnwissenschaften an, da dieser noch wenig erforscht sei. Hier setzt Neuropro an. Ziel des Unternehmens ist es, eine Plattform für Gehirndaten, sogenannte EEGs, aufzubauen. Die Daten werden dabei in der Amazon-Cloud (AWS) gespeichert und verarbeitet. Auf dieser Cloud setzen Apps auf, welche die internationale Zusammenarbeit ermöglichen. El-Imad vergleicht das Prinzip mit iTunes von Apple. Es werde eine Plattform geschaffen, auf die unterschiedliche Anbieter ihre Applikationen aufsetzen könnten. Die Plattform ermögliche es Forschern und Medizinern, zeitgleich und in Echtzeit an medizinischen Daten zu arbeiten.

Analytics und Cloud bringen Mehrwert

Mit dem Speichern und Darstellen von Daten ist es aber nicht getan. Der grösste Mehrwert kommt erst durch die Analyse der Daten, wie El-Imad betont. Das Wissen müsse über Algorithmen zugänglich gemacht werden. Momentan arbeite Neuropro an Algorithmen, um die Erforschung von Epilepsie zu erleichtern.

Die neuen Möglichkeiten mit der Cloud hätten zudem den Zeitaufwand für die Analyse von Daten erheblich reduziert. Laut El-Imad waren vor Kurzem noch 6 Tage für eine Analyse nötig. Diese Zeit habe man durch den Einsatz der Cloud auf 6 Stunden reduzieren können. Forscher könnten die Berechnung vor Feierabend starten und am anderen Morgen seien die Ergebnisse da.

Training des Gehirns mit VR

Ein weiteres Projekt, an dem El-Imad arbeitet, ist die sogenannte "Dream Machine", also Traummaschine. VR soll helfen, dass sich Menschen besser entspannen können. Der Prototyp ist eine Art Helm, den der Nutzer aufsetzt. Über ein Stirnband mit Sensoren werden elektronische Signale im Gehirn empfangen. Nun wird der Nutzer über eine VR-Brille etwa auf eine einsame Insel versetzt. Die Insel verbirgt sich in einem virtuellen Nebel. Die Aufgabe des Nutzers ist es nun, die Gedanken möglichst stark darauf zu fokussieren. Je mehr ihm dies gelingt, desto stärker verzieht sich der Nebel und der Blick auf die Landschaft wird frei. Der Nutzer erhält also Feedback über seine Erfolge bei der Fokussierung seiner Gedanken.

Ziel der Übung ist es, die Gedanken zu konzentrieren und das An- und Entspannen zu trainieren. In Zukunft sollen Nutzer mit dem Tool lernen, ihre Gedanken bewusster zu steuern. Dies könnte laut El-Imad auch helfen, epileptische Krankheiten besser in den Griff zu bekommen und auch Krankheiten wie Depressionen vorzubeugen.

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