Interview

Matthias Sala: "Schweizer Game-Studios glänzen mit fachlicher Kompetenz"

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Der Markt für Serious Games wächst - auch in der Schweiz. Doch was zeichnet ein gutes Serious Game aus? Und wie teuer ist die Entwicklung eines Spiels? Matthias Sala, Präsident und Mitgründer der Swiss Game Developers Association (SGDA), beantwortet die Fragen im Interview.

Matthias Sala, Präsident und Mitgründer der Swiss Game Developers Association (Quelle: Matthias Sala)
Matthias Sala, Präsident und Mitgründer der Swiss Game Developers Association (Quelle: Matthias Sala)

Spiele können nicht nur Spass machen, sondern auch informativ und bildend sein. Die Fachwelt kennt dafür den Begriff "Serious Games". Laut Allied Market Research hatte der Markt 2016 weltweit ein Volumen von etwa 2,7 Milliarden US-Dollar. Bis 2023 soll er auf rund 9,2 Milliarden Dollar anwachsen.

Die Redaktion hat bei Matthias Sala nachgefragt, wie er den Schweizer Mark für Serious Games einschätzt. Der Präsident und Mitgründer der Swiss Game Developers Association gibt zudem Tipps für Unternehmen, die Serious Games nutzen wollen.

Hinweis: Die Titelgeschichte in der neuen Print-Ausgabe der Netzwoche wird sich ebenfalls um Serious Games drehen. Ausgabe 12 erscheint morgen.

Schweizer Unternehmen sind beim Einsatz von Videogames im Beruf noch zurückhaltend. Wird sich das bald ändern?

Sala: Wir vom Schweizer Spielentwickerverband SGDA beobachten, dass die Schweizer inzwischen sehr mutig sind. Dass sich verschiedene Game-Studios sogar auf solche Spiele spezialisiert haben, weisst auf einen wachsenden und lukrativen Markt hin.

An welche Unternehmen und Spiele denken Sie?

Es gibt interdisziplinäre Start-ups wie Sphery, die den spielerischen Ansatz ins Zentrum stellen und so neue Branchen wie den Sport bereichern. Pionierarbeit wird auch für gesellschaftliche Herausforderungen geleistet, etwa mit Myosotis-Garden, einem Erzählspiel für Betagte und ihre Angehörige. Es wird bis 2020 gemeinsam von der FHNW und vom Unternehmen Fabelfabrik konzipiert und erforscht. Decodoku ist ein weiteres, international begeisterndes Beispiel der Universität Basel zur Wissensvermittlung.

Wie sollen Unternehmen vorgehen, wenn sie Serious Games nutzen wollen?

Wie bei allen Massnahmen ist es auch bei Serious Games äusserst wichtig, dass die Ziele und die Effekte, die erzielt werden sollen, klar definiert sind. Danach kann man entscheiden, inwieweit Spielmechaniken überhaupt geeignet sind. Weiter ist die professionelle Beratung und Umsetzung wichtig. Spiele und im Speziellen Serious Games sind die kombinierte Kür in der Kreation wie auch in der Softwareentwicklung; darum empfiehlt es sich, mit erfahrenen Profis zusammenzuarbeiten.

Was zeichnet ein gutes Serious Game aus?

Serious Games sind ansprechend und bauen so die Einstiegshürde ab. Die spannenden Spielmechaniken werden gekonnt eingesetzt, um komplexe Themen genussvoll zu vermitteln sowie um die Konzentration und die Motivation zu steigern. Auch steigt der Durchhaltewillen. Die besten Serious Games regen die Spieler dazu an, sie in der Freizeit weiter zu benutzen, selbst wenn es keine Pflicht mehr ist.

Wie teuer ist die Entwicklung eines Serious Games?

Die Entwicklungskosten für ein Serious Game sind mit Informatikprojekten vergleichbar. KMUs wie auch Grossfirmen können sich so den Umfang aus finanzieller und organisatorischer Sicht gut vorstellen.

Haben Sie einen Rat für Schweizer Game-Studios, die Serious Games entwickeln?

Schweizer Game-Studios glänzen mit fachlicher Kompetenz. Beim Projekt-Set-up bei den anspruchsvollen Serious Games ist es deshalb besonders wichtig, das nötige Augenmerk auf eine saubere Projektführung zu legen, die im Film- und Gamejargon Produzentin respektive Produzent genannt wird. Diese Rolle ist der Dreh- und Angelpunkt zwischen Auftraggeber und ausführendem Game-Studio. Üblicherweise arbeitet die Produzentin oder der Produzent innerhalb des Game-Studios.

Was sind die grössten Unterschiede bei der Entwicklung von Serious Games im Vergleich zu normalen Games?

Serious Games sind ein Teil aller Games und üblicherweise Auftragsarbeiten mit einem klar definierten Zweck. Sie haben aber gemein, dass sie unterhaltsam, spannend und lustvoll wie alle andere Games sind.

Wie schwierig ist es, in der Schweiz seinen Lebensunterhalt mit der Entwicklung von Serious Games zu finanzieren?

Wir sind heute in der noblen Lage, dass in der Schweizer Game-Branche nachhaltig gewirtschaftet werden kann. Die Anzahl angebotener Jobs im Bereich Game-Entwicklung wächst konstant und das spannende Umfeld lockt sogar erfahrene Fachkräfte aus dem Ausland an.

Was sind die grössten Hürden im Markt?

Wie erwähnt, ist der Mut bereits da und es werden rege Projekte umgesetzt. Nun wäre der logische weitere Schritt, dass Serious Games nachhaltig und quartalsübergreifend konzipiert, begleitet und ausgebaut werden. Plattformen sollen gebaut werden, die die Geschäftsbereiche der Schweizer Firmen langfristig unterstützen. Für diese Investitionsfreudigkeit von Auftraggebern, aber auch von klassischen Investoren, gilt es gesellschaftlich wie auch politisch Anreize zu schaffen.

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